Vor dem Ziel kommt der Traum

Hinweis: Dieser Artikel behandelt ein Thema, das mir wichtig ist. Ohne die Beschäftigung damit hätte ich noch kein Wort an meinem Buch geschrieben. Daher ist er recht lang, also nimm Dir etwas Zeit.


Geben Sie Ihrer Romanfigur ein Ziel, das sie unbedingt erreichen will. Stellen Sie die Figur vor Hindernisse, die sie überwinden muss, um das Ziel zu erreichen. In jedem Fall braucht sie ein Ziel.


Diesen Tipp kennt jeder von uns. Unsere Helden brauchen ein Ziel, eine Motivation um etwas zu tun. Ohne das irrt der Held durch die Welt, reagiert lediglich auf die von uns auferlegten Prüfungen, um sich letzlich zu einem Ergebnis durchzuringen, das keine klare Entwicklung erkennbar macht.

Also hauen wir uns Nächte um die Ohren, feilen an Zielen, erforschen Motive und skizzieren haarscharf den Weg, den der Held zu gehen vermag, freilich um ihn mit allerlei Hindernissen zu konfrontieren, je größer, desto besser.

Das können wir gut.

Aber gilt das, was wir unseren Helden angedeihen lassen nicht auch für uns? Was ist mit unseren Zielen? Irren wir auch durch die Welt und reagieren auf Ereignisse ohne zu wissen, wo sie uns hinführen? Haben wir am Ende eine Entwicklung durchgemacht? Bemerken wir das überhaupt? Geben wir uns annähernd die gleiche Mühe für unsere eigenen Leben, wie wir sie in unsere Helden investieren?

Es irrt der Mensch solang er strebt, sagt Goethe. Was macht ein Mensch der nicht strebt?

Womöglich irrt er auch, nur ziellos.

Nach einer ganzen Reihe Augenschelm fragt: Interviews, vielen gelesenen Ratgebern und durchstöberten Autorenhomepages fällt mir auf, dass erfolgreiche Autoren (u.a. Heitz, Eschbach) Zeitmanagement als Erfolgsfaktor nennen.

Aha? Was hat das mit Schreiben zu tun? Oder gar mit Zielen, wie die Überschrift es vermuten lässt?

Nun, Ziele – Motivationen – sind der Anfang von allem.

Andreas Eschbach antwortete einem Autor, der einen Tritt in den Arsch von ihm wollte, damit er sich endlich an sein Buch setzt, wiefolgt:

„Tut mir leid, den werden Sie von mir nicht kriegen. Sie können sich nicht aufraffen, ein Buch zu schreiben? Na, dann lassen Sie es doch! Das Letzte, wirklich das Allerletzte, was die Welt braucht, ist noch ein Buch. Es gibt genug davon. Mir fällt kein vernünftiger Grund ein, warum man jemanden dazu antreiben sollte, noch eines zu schreiben, dem der Drang dazu nicht von selber innewohnt.“

Harte Worte? Wahre Worte! Wieso solltest Du ein Ziel verfolgen, dass Dich offensichtlich nicht interessiert. Ich beschäftige mich von berufswegen viel mit Träumen und Zielen von Menschen. Früher waren das überwiegend finanzielle Ziele und Wünsche – ich will ein Haus, ich will ein Auto – und die überraschende Erkenntnis, dass man dafür im Vorfeld etwas tun kann. Später mit Menschen, die Firmen aufbauen wollten. Die Visionen hatten und diese verwirklichen wollten.

Diese Träume stehen am Anfang. Weit vor einem klaren Ziel oder dem tatsächlichen tun. Es ist dieses leise Hämmern, dieses „ich will das irgendwann mal“. Wir haben das alle. Jeder Autor, der meinen Blog verfolgt hat das.

Es sind die Dinge, die wir am Ende bereuen, wenn wir sie nicht getan haben.time-273857_1920

Ganz am Anfang steht die Erkenntnis herauszufinden, ob das wirklich Deine Wünsche sind, Deine Träume. Das klingt sonderbar, aber Andreas Eschbach hat recht; wenn Du Dich nicht zum schreiben aufraffen kannst, wieso willst Du es dann? Willst DU es überhaupt? Oder hast Du das irgendwann mal beschlossen und dann nie wieder hinterfragt? Rennst Du diesem Traum hinterher wie ein Esel der Karotte, weil das irgendwie mal cool war oder weil Du mit vierzehn gute Aufsätze in der Schule geschrieben hast?

Es ist essenziell, die eigenen Träume regelmäßig zu hinterfragen. Kaum zu glauben aber wahr: Unsere Wünsche ändern sich. Heute, wo ich Papa einer kleinen Tochter bin, verheiratet und mit einem tollen Job, habe ich andere Träume als mit Anfang zwanzig. Sollte ich dann immernoch alten Wünschen nachhängen, weil ich das nie wieder hinterfragt habe?

Sicher nicht. Hier beginnt es. Mit Dir selbst. Nimm Dir einen abend Zeit, höre ganz tief in Dich und frage Dich Sätze wie:

  • Was würde ich tun, wenn mir Geld und Anerkennung egal wären?
  • Was möchte ich über mein Leben sagen, wenn ich irgendwann sterbe?
  • In welchen Moment vergesse ich die Zeit, wann bin ich ganz bei mir?
  • Was sind besondere Fähigkeiten von mir?

Viele Menschen die ich kenne, wagen sich an diese Fragen nicht heran, aus Angst vor den Antworten die sie erhalten. Dass sie möglicherweise über Jahre dem falschen Weg nachgegangen sind. Nun, es ist nie zu spät die Richtung zu ändern. Man muss nicht immer jung und dynamisch sein – man kann auch geduldig und erfahren sein.

Da dies ein Blog über das Schreiben ist, komme ich nun zu dem Punkt, an dem aus Wünschen die ersten zarten Knospen werden. Autoren wollen Autoren sein. Sie wollen schreiben und vielleicht vom Schreiben leben. Wenn Du die Frage 1 mit „schreiben“ beantwortest, bedeutete das im wesentlichen, dass Du vom Schreiben leben möchtest. Sei so ehrlich, trau Dich das zu sagen.

Wenn ich genug Geld damit verdienen würde, würde ich Schreiben.

Okay, das fühlt sich jetzt komisch an. Ihr bemerkt sicher den Schweinehund, der gerade jetzt neben euch sitzt und sagt, wieso das nicht geht, dass ich das so nicht sagen kann und dass es den meisten sowieso nicht gelingt.

Stimmt. Für nichts im Leben gibt es eine Garantie. Aber man kann seine Träume in kleine Schritte verpacken. Wenn man erfolgreiche Menschen fragt, ist genau das eine Ihrer Strategien. Kleine Schritte, diese gehen, mit Rückschlägen umgehen. Wie die Helden in unseren Büchern.

Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben, wie ich ans Schreiben gegangen bin und wie ein heutiger, kleiner Schritt von mir aussieht.

Zu Beginn war das Wichtigste, Zeitfenster zu finden. Ich wollte schreiben, aber ich wusste nicht wann. Also habe ich mit etwas angefangen, was zunächst gar nichts mit Schreiben zu tun hat. Ich habe meinen Wecker gestellt. Auf fünf Uhr, statt auf sieben Uhr.

Die ersten Tage habe ich nur Kaffee trinkend aus dem Fenster gestarrt und mich gefragt, was ich da eigentlich tue. Dann habe ich irgendwann angefangen zu schreiben.

Nachdem ich umgezogen bin, ging das nicht mehr, weil ich nun 90 Minuten zu Arbeit pendel. Also habe ich mir angewöhnt, in der S-Bahn zu schreiben. Am Anfang habe ich nur gelesen, weil mir der Gedanke unangenehm war, dass mir jemand über die Schulter blicken könnte beim schreiben – das mögen Autoren schließlich gar nicht.

Heute ist es ein Reflex. Ich sitze in der Bahn, ich krame meinen PC raus. Wie bei Pawlows Hund.

Mein Schreibziel diese Woche (ich bin gerade in Elternzeit) war: Mindestens 5 Stunden Schreibzeit finden. Habe ich geschafft. Ich habe nicht definiert, was ich in dieser Zeit schaffen will, denn mit einem kleinen Kind ist es schwer genug, überhaupt die Zeit zu finden.

So können kleine Schritte aussehen.

Wieso ist das Wichtig? Gerade für Autoren?

Die meisten von uns verdienen ihren Lebensunterhalt nicht mit Schreiben. Das bedeutet, wir haben einen Berg von Aufgaben, die wir jeden Tag zu bewältigen haben. Wir haben Kinder, einen Job, Haushalt, Freunde, Eltern und Verwandte, ein Auto das zur Werkstatt muss, einen Frisörtermin, müssen Einkaufen, die Steuererklärung abgeben, wischen,Wäschen waschen, saugen, Sport machen, kochen, den Flur putzen etc.

Kurz gesagt, wir haben jeden einzelnen Tag genug um die Ohren. Wir kommen mit einem normalen Tag schon nicht hin und abends sind wir so platt, dass wir nichts mehr können, außer vor dem Fernseher zu hängen (übrigens ein guter Grund, Morgens zu schreiben ;-)).pyramide

Der Punkt ist, dass die Alltagsaufgaben von völlig alleine auf uns zukommen. Wir müssen uns nicht anstrengend, wir müssen keinerlei Energie aufwenden. Wäsche wird (fast) von alleine dreckig, das Auto geht so kaputt. Die Arbeit habe ich jeden Tag, ebenso wie putzen und es kommt auch vor, dass man Freunde hat, die sich bei einem melden (wenn man selbst die Freundschaften pflegt).

Was heißt das? Niemand, wirklich niemand, interessiert sich dafür, ob Du Dich hinsetzt und schreibst. Es liegt in Deiner Verantwortung, in Deiner Hand. Der Welt ist es egal, ob noch ein Buch entsteht. Selbst Deinen Freunden wird es oftmals egal sein, sofern sie nicht auch Autoren sind.

In der Uni gibt es Abgabetermine. Es gibt Freunde, die sauer sind, wenn Du Dich nicht meldest. Chefs, die wollen, dass Aufgaben erledigt werden. Wenn Du fremdbestimmt bist, kommen die Aufgaben wie von selbst und ebenso die Dringlichkeit sie zu erledigen.

Als Autor hast Du eventuell eine Deadline, wenn Du einen Verlag hast. Aber als Selfpublisher? Wer tritt Dir in den Hintern? Wer kommt und sagt: Du wolltest doch fertig sein? Wer legt Dir den Auftrag auf den Tisch, doch bitte das Buch zu Ende zu schreiben?

Alle Antworten, die Du Dir auf die obigen Fragen gibst, stehen an der Spitze der Pyramide. Sei es, dass Du Sänger, Rennfahrer, erfolgreicher Bio-Landwirt oder Autor werden willst. Das passiert nur, wenn Du herausfindest, welche der vielen, vielen Aufgaben die Du jeden Tag zu bewältigen hast, Dich Deinem Ziel näher bringen und diese verfolgst. Stur, konsequent, in kleinen Schritten. Meinetwegen nur zehn Minuten am Tag, aber dafür hartnäckig.

Das ist der allererste Schritt. Vom Wunsch, zum Ziel, zur Aufgabe. Wenn Du diese Aufgaben identifiziert hast, musst Du noch herausfinden, wie Du es schaffst, sie im Auge zu behalten, sie zu fokussieren. Prioritäten zu setzen, denn Du merkst schon, es ist nicht förderlich NUR das eine oder NUR das andere zu machen. Wenn Du jeden Tag schreibst, dafür alles andere liegen bleibt ist das schlecht für Deine sozialen Kontakte, für Dein Wohlbefinden und vieles andere.

Die gute Nachricht: Es geht. Die schlechte: Es geht nur mit Deinem Einsatz und Willen. Aber wenn Du hier konsequent bist, wirst Du Erfolge sehen. Sei es, weil Du es überhaupt schaffst, zu schreiben oder weil Du irgendwann tatsächlich ein Buch veröffentlichst.

Es gibt eine unerschöpfliche Menge an Tools, Tipps und Ratgebern. Wichtig ist herauszufinden, was für Dich funktioniert. Keine App der Welt, kein Ratgeber wird das für Dich lösen können. Sie können alle nur Tipps, Richtungen geben.

Welche Erfahrungen ich mit welchen Tools, Ratgebern und Blogs gemacht habe, werde ich hier nach und nach posten.

Damit genug von mir. Nun ran ans Schreiben – oder was auch immer Deine Träume sind 🙂


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Augenschelm fragt: Markus Heitz


Ich bin wirklich glücklich und stolz, dass ich Markus Heitz für ein Interview auf meinem Blog gewinnen konnte. Heitz ist gebürtiger Saarländer und lebt immer noch dort, im Oktober 1971 geboren, OldSchool-Grufti und Vollblut-Kreativer.

Den aktuellen Roman „Wédōra – Staub und Blut“ findest Du überall im Buchhandel, von lokal bis Internet, darin geht es um Folgendes:

„Eine abgelegene Wüstenstadt. Eine Million Bewohner. Neun Stadtviertel. Neun intrigante Statthalter – und über alle befiehlt ein mysteriöser Herrscher aus seinem Turm heraus. Es ist an der Zeit für eine neue Welt, neue Gefahren und: neue Helden! Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, nur hier können Karawanen, Kaufleute und Reisende Wasser und Schutz finden. Ungefähr eine Million Bewohner, neun Stadtviertel, neun intrigante Statthalter, und über alle befiehlt ein mysteriöser Herrscher aus seinem Turm heraus. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija. Doch Wédōra steht kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die Grotte mit der unerschöpflichen Quelle, die die Stadt zum mächtigen Handelszentrum hat aufsteigen lassen, war einst das größte Heiligtum der Wüstenvölker. Mit einer List verschafften sich die Kaufleute die alleinige Verfügungsgewalt über das Wasser. Nun rufen die geheimnisvollen Stämme der Wüste zum Sturm auf die mächtige Stadt. Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für viele Seiten interessant sind.“

Wenn ihr Markus Heitz folgen wollt, könnt ihr das auf mahet.de oder bei TWITTER & FACEBOOK.

 

Interview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Ja, kann ich. Glücklicherweise seit 2004; vorher war ich im Hauptberuf Journalist und habe nebenbei Bücher geschrieben. Das hat sich seit „DIE ZWERGE“ geändert. Schreiben hat viel mit Disziplin, Ausdauer und Durchhalten zu tun. Das darf man, bei allem Talent und Spaß, niemals vergessen.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu schreiben und seit wann schreibst du?

Seit ich 14 Jahre alt bin. Es gab schlicht den Wunsch, Geschichten zu erfinden und eigene Welten zu bauen. Spaß. Das hat sich nicht geändert. Bis heute.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichen?

Kann man so nicht sagen. Wenn man schreibt, weil man nicht anders kann, gehört der Gedanke an das eigene gedruckte Buch dazu.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Wohlwollendes Nicken. Aber meine Eltern fühlten sich zuerst sicher, weil ich ursprünglich auf Lehramt studierte. Dann wechselte ich auf Magister, wurde Journalist und dann hauptberuflicher Autor.

Zweiter Teil: Das Publizieren

5. Ist Verlagspublikation oder Selfpublishing dein Weg?

Verlag. SP höchstens mal testweise für Kurzgeschichten oder Projekte, bei denen die Verlage wegen vermeintlicher Unwirtschaftlichkeit abwinken.

6. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

Es war damals (1999) der einzige Weg. Meinen ersten Vertrag unterschrieb ich im Jahr 2000, der erste Roman erschien 2002: „Ulldart“, Band 1.

7. In welchem Genre schreibst Du?

Phantastik, Mystery, Horror, SF, Kinderbuch (kein Scherz).

Dritter Teil: Gewohnheiten

8. Wie sieht Dein gewöhnlicher Schreibtag von morgens bis abends aus?

Schreiben, plotten, basteln, tüfteln. Ideen vervollständigen, neue Ideen haben. Und zwischendurch Alltag.

9. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Stringent, nach Plot und Plan. Erst der Hintergrund, dann der Plot, dann an den Roman.

10. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

Immer. Es werden so 80 sein und mehr. Aber ich unterscheide nicht zwischen Alltag & Schreiben. Alles ist eins.

11. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Vier bis fünf Mal.

12. Wie wichtig ist für Dich die Struktur Deiner Geschichte?

Der Garant für’s zügige Schreiben, weil mich das Nachdenken über den Ausgang bzw. den Fortgang der Story nicht aufhält.

Vierter Teil: Inspirationen

13. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

Ich habe vorher keines gelesen. Und danach auch nicht. Learning by readings books and writing.

14. Was war der beste Ratschlag, den du in Bezug auf das Schreiben erhalten hast?

Ich bekam keinen. Klingt komisch, ist aber so. Abgesehen davon, es lieber sein zu lassen und einen Beruf zu erlernen, der sicher ist. Ich hab’s versucht. 😀

15. Welche drei Bücher haben dich am meisten inspiriert und warum?

Gab es in der Form nicht. Ich mag Lovecraft, Storm und Poe als herausragende Erzähler.

16. Wie motivierst Du Dich zum Schreiben?

Alles ist Spaß, denn es zwingt mich keiner, das zu schreiben, was ich schreibe. Wenn es keinen Spaß mehr macht, muss ich mir einen anderen Job suchen

17. Was sind Deine besten Tipps, wenn es darum geht Deinen Roman an den
Mann zu bringen?

Am besten zu einem Verlag.

Wie Du an einen passenden Verlag kommst? Zum Glück gibt es die Frankfurter Buchmesse, und die wiederum hat eine tolle Website. Auf der kann man Verlage nach Genres auflisten lassen, und schon hat man eine enorme Auswahl an Kandidaten samt Anschrift. Notfalls hilft auch der nette Buchhändler um die Ecke mit einem Verzeichnis aus. Bei der Gelegenheit kannst Du gleich einen Termin für eine Lesung vereinbaren. ;o)

Um ein Manuskript anzupreisen, brauchst Du eine Portion Mut, Selbstvertrauen und: -ein Exposee des Romans, das Du erstellst, indem Du Deine Stichwortgliederung ausformulierst und einen Gesamteindruck schaffst. Dazu fügst Du noch eine kurze Beschreibung der Hauptpersonen hinzu -eine Leseprobe. Sie ist der Köder. Nimm eine Stelle, die Dir und Deinen Lesern sehr gut gefallen hat und die zirka 30 DinA4-Seiten Umfang hat. Das Format: 30 Zeilen pro Seite, 60 Zeichen (inklusive Leerzeichen) pro Zeile.

Die Leseprobe musst Du durchnummeriert ausdrucken. Noch besser ist, auf jede Seite auch noch Deinen Namen und die Kontaktadresse vermerken, falls die Leseprobe vom Anschreiben getrennt werden sollte. Nimm weißes Papier und hefte die Seiten zusammen. -ein Anschreiben, in dem Du Dich kurz vorstellst, den Umfang und die Art des Romans (Genre) sowie dein Zielpublikum erläuterst.

Und dann? Warten. :o) Von Absagen bloß nicht entmutigen lassen. Durchhalten, lautet die Parole. Never surrender!

18. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Wenn man die Bibel als Roman definiert, dann Jesus. Nur um zu sehen, ob er in echt auch ein Hippie war, wie es in der Bibel rüberkommt. Ohne die Bibel, mh, schwierig. Sauron. Muss schwer sein, so als Auge. Hat ja auch keinen Spaß mehr am Leben. Da wäre ich auch wütend. Vielleicht hat ihm einfach keiner zugehört und Plätzchen mitgebracht, denn: Das AUGE isst ja mit. 🙂

19. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben. Was wünschst du dir?

Ein Buch zu schreiben, dass die Welt mit einem einzigen Satz nachweislich zum Guten verändert. Bämm. Literaturnobelpreis obendrauf. 🙂

20. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

Wie schon erwähnt: Disziplin, Ausdauer und Durchhaltevermögen. Kritikfähigkeit hilft ebenso. Und Lernfähigkeit.

21. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit
dem Schreiben begonnen hat?

Weiterschreiben, dranbleiben. Die meisten geben zu schnell auf.

Fünfter Teil: Organisation

22. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Im besten Fall wird man entdeckt. Phantastik und Fantasy waren meisten das, was man heute AllAge nennt.

23. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?

Zeitmanagement, fokussieren, Prioritäten setzen.

24. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher Quälerei?

95% Spaß, 5% Anstrengung, aber NIE Quälerei.

25. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Immer nur eines nach dem anderen und Pausen zwischen Überarbeitungsphasen für „Kleinigkeiten“ nutzen.

26. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im Bezug auf das Schreiben?

Tee trinken, ran ans Projekt, auf die innere Stimme hören.

27. Wie stehst du zu den Begriffen Autor, Schriftsteller, Hobbyautor?

Jeder so, wie er es mag. Autor ist der umfassendste Begriff von allen.

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Höhere Marge bei Beteiligungen, d.h. die von der Gewerkschaft geforderten 10% zu Beginn der Staffelung bei ALLEN Printbüchern.

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

Workshops und Lehrgänge habe ich nie besucht. Korrektoren kenne ich nicht persönlich. Von den freien LektorInnen arbeite ich gerne mit Hanka Jobke (Lektographem) zusammen, und bei Covern empfehle ich Anke Koopmann (Designomicon).

Liebe Markus, vielen Dank für Deine Antworten. In meinem „über mich“ habe ich mich bereits als Markus Heitz Fan geoutet, von daher könnt ihr euch vorstellen, wie glücklich ich über die Antworten bin.

Der Einblick eines erfahrenen Vollprofis ist goldwert.

Alle bisherigen Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

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Na los, ich warte.

Ich warte immer noch.

Los, los…

Glaub nicht, ich merke das nicht.

Wer weiß, vielleicht bringt es Glück?

Danke 🙂


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Wer schreibt, der bleibt


„Sie gehören wohl auch zu den Menschen, die Organisation für ein Verbrechen halten.“

„Richtig. Man hört schließlich überall von organisiertem Verbrechen. Das Wort Verbrecherorganisation kommt ja nicht von ungefähr. Damit will ich nichts zu tun haben.“

„Ich dachte auch eher an die Organisation ihres Arbeitsplatzes.“

„Mein Arbeitsplatz hat eine eigene Organisation?“

„So wie ich das sehe nicht, nein.“

„So ein Glück, für einen Moment haben Sie mich ganz schön erschreckt.“


Am ersten Arbeitstag stand ich mit einem Lächeln im Büro. Endlich der langersehnte neue Job. Firmenkunden, wow. Man steckte mich zu Kollegen A, zu Kollegen B, zu Kollegen C.

A gab mir eine Aufgabe. B gab mir zwei, C gab mir fünf. Am nächsten Tag hatte ich gerade einmal eine davon erledigt, weil ich die Hälfte nicht verstand, die ganzen Infos direkt wieder aus meinem Hirn herauspurzelten und drei neue Aufgaben dazu kamen.

Ich notierte alles auf einem Post-It, klebte ihn irgendwohin und vergaß, wo das war. Manchmal verstand ich meine eigene Notiz nicht. Andere Kollegen erfuhre, dass ein neuer Trainee da war und schoben mir allerlei Kram auf den Tisch, der den Stapel wachsen und wachsen ließ. Ich fing immer an das abzuarbeiten, was mir als letztes auf den Tisch gelegt wurde.

Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass ich etwas ändern musste. Ich bin von Natur aus vergesslich, ein wenig unordentlich und schlecht organisiert. So gesehen bin ich der Prototyp eines Kreativen. Ich gehe von Raum A nach Raum B um etwas zu holen, während meine Gedanken sonstwohin wandern. Dann stehe ich in Raum B und habe vergessen, was ich dort wollte.time-273857_1920

Bei der Arbeit ist das hinderlich. Beim Schreiben ist das hinderlich. Es ist sogar zu Hause beim Ordnung halten hinderlich. Ich setze hierbei relativ viel auf Gewohnheiten, aber es gibt noch eine Reihe anderer Möglichkeiten.

Von Autoren höre ich immer wieder, dass Selbstorganisation unnötig und eher hinderlich für die Kreativität sei.

Ich hätte bis heute wahrscheinlich noch kein einziges Wort zu Papier gebracht, wenn ich mich nicht mit diesem Thema und dem damit verbundenen Blick auf sich selbst beschäftigt hätte.

Wieso ich der Meinung bin, dass wir als Selfpublisher und Autoren uns irgendwie organisieren müssen? Nun, die meisten von uns können vom Schreiben nicht leben, dass bedeutet, wir haben noch einen anderen Beruf. Wir haben noch eine Familie und Freunde. Wir haben vielleicht (wenn auch sehr selten) andere Hobbies. Ich habe mich mal zehn Minuten hingesetzt und ein Schaubild erstellt. Hier geht es nur um das Schreiben und die Übersicht ist nicht vollständig.

Autorenleben - Whiteboard

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da kommt schon einiges zusammen, wenn man sich das einmal vor Augen führt.

Die Basis überhaupt um Dinge geregelt zu bekommen, ist sie nicht zu vergessen. Das klingt banal, aber wie ich schon gesagt habe, wird das schwieriger mit der Zahl der Aufgaben. Viele von uns, mein früheres Ich inklusive, sind der Meinung, dass man sich Dinge irgendwie merken kann, oder um es mit Oma zu sagen: „Wenn ich es mir nicht merken kann, war es nicht wichtig.“

In der Realität führt das oft dazu, dass man immer nur das macht, was einem zuletzt in den Sinn kommt oder was uns jemand zuletzt zugerufen hat.

Jetzt kommen bei uns neben den klassischen Aufgaben aber noch Ideen für Bücher hinzu. Einfälle für Plotwendungen, Charaktere oder Worldbuilding. Das alleine nicht zu vergessen, ist schon eine Herausforderung. Was passiert da nur mit den anderen Aufgaben?

Manchmal muss man Tabula Rasa machen. Einen Moment inne halten und den Kopf leeren. Erstmal sammeln, was überhaupt da ist und das aufschreiben.

Ich mache das mit der gleichen Technik, wie ich das Schaubild oben erstellt habe, einer Aufgaben Mind-Map. Daraus ergeben sich automatisch die Schritte, die man als nächsten machen muss. Ich empfehle, möglichst kleine Schritte zu wählen. Wenn ich oben zum Beispiel „Recherchieren“ geschrieben habe, ist das natürlich Nebel in Tüten und hilft nicht. Da müsste noch konkreter folgen für was recherchiert werden soll und wonach gesucht werden soll. Dann, sollte Dr. Google nicht genügen, ruhig schon Namen und Telefonnummer notieren und „anrufen“ dazu schreiben – dann haben wir eine richtige Aufgabe 😉

Ich persönlich stehe auf Listen und schreibe das ganze hinterher in eine solche, aber viele von uns sind eben keine Listentypen – da kann man direkt von der Mindmap arbeiten oder sich etwas anderes überlegen – den Zauberhut zum Beispiel. Was das ist, verrate ich ein anderes mal. Es gibt schöne Mittel – tolle Notizbücher, Arbeitsbücher und bunte Onlinetools, die auch für den Kreativen geeignet sind.

Vielen von uns werden Notizbücher liegen; Autoren lieben Notizbücher und sind glücklich, wenn sie mit irgendwas vollschreiben können. Burkhard Heidenberger von Zeitblueten.de empfiehlt ein Superbuch. Ich arbeite ebenfalls mit einem Notizbuch, habe aber für meinen Bürojob und das Schreiben noch jeweils projektbasierte Listen, die mir helfen den Überblick zu behalten. Beim Schreiben nutze ich neben einem Notizbuch auch ein Onlinetool, weil ich viel im Zug arbeite und meine Ideen so vernetzt bleiben.

Die Liste der Tools die ich probiert habe ist lang und ich werde in der nächsten Zeit auf die einzelnen Dinge eingehen und sie in der „Tooltime“ ablegen. Ich habe zig Kurse besucht und eine ganze Reihe Bücher gelesen. Ich werde auch ein wenig über mein Zeitmanagement schreiben – das ist was für alle, die wie ich Chaoten sind und denen das Organisieren und Aufgaben abarbeiten nicht in die Wiege gelegt wurde.

Wie geht ihr mit den Dingen des Lebens um? Seid ihr Naturtalente? Vergesst ihr nie etwas, oder geht bei euch auch immer alles unter, bis jemand in der Tür steht und euch nett daran erinnert? Schreibt in die Kommentare.

Ach – und trage Dich doch bei der Gelegenheit in meinen Newsletter ein 🙂


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