Filmkritik: Star Wars 8 Die letzten Jedi

Posted by on Dez 22, 2017
Filmkritik: Star Wars 8 Die letzten Jedi

ACHTUNG: Dieser Artikel enthält wirklich viele Spoiler. Wirklich. Wenn Du Star Wars 8, Die letzten Jedi noch gucken willst, dann lies ihn später.

Dieser Beitrag hat 4.838 Wörter. Du weisst selbst am besten, wie lange Du dafür brauchst.


Vor einigen Tagen habe ich mit den 5. Teil von Fluch der Karibik angesehen. Meiner Erwartungen waren mäßig, aber ich mag Jack Sparrow und das ganze Setting. Ich sah mir den Film Zuhause an und nach zweieinhalb Stunden TV Vergnügen schaltete ich den Fernseher aus mit dem Gedanken: „Das war unterhaltsam, aber ich bin froh, dass ich dafür nicht im Kino war.“

Die Erwartungen an Star Wars

Gestern war ich dann in Episode 8. Star Wars begleitet mich inzwischen mein ganzes Leben und hat mich von meiner Kindheit an in puncto Film und Buch geprägt. Vielleicht würde ich ohne diese Filme heute weder Fantasy noch überhaupt Bücher schreiben. Als Fan der alten Stunde, sind meine Erwartungen an jeden Star Wars hoch, doch im Gegensatz zu vielen, hatte ich auch an den Prequels durchaus Spaß. Mir gefiel der große Einblick in die Welt der Jedi und die Republik. Nach dem Kauf durch Disney machten wir uns Sorgen, dass man bald Darth Micky Maus und Lord Donald gegeneinander antreten. Mit Episode 7 legte Disney ein passablen Start hin, der mich nicht völlig überzeugte, mit Rogue One holte man mich jedoch völlig ab. Ich ging dem Gefühl „da geht was“ in den Film.

Vorweg sei gesagt: Der Film polarisiert extrem. Wenn man sich die Bewertungen im Internet ansieht, scheint es nur schwarz oder weiß zu geben. Mir missfällt mitunter der Ton, den die Fürsprecher gegenüber den „Nerds“ an den Tag legen. Immerhin waren wir es, die diesen Film überhaupt groß gemacht haben, die schon X-Wing an ihrem 386er gespielt und schon auf VHS die ersten Sammelboxen gekauft haben (ich hatte davon 2, allein auf VHS). Umgekehrt gibt es Hardcore Fans, für die eigentlich überhaupt kein Star Wars Film gut genug sein kann und dabei gerne vergessen, dass ein Großteil der Faszination der alten Star Wars Teile auch mit dem eigenen Alter zusammen hängen und nicht damit, dass die Filme überhaupt jemals durch besondere Logik oder Stringenz aufgefallen sind.

Die Fürsprecher ärgern sich dabei über die vermeidliche Rückwärtsgewandheit der Fans. Der Film macht doch endlich was anders. Das stimmt. Aber mir fällt auf, dass die alten Fans argumentieren mit: „Das ist doof, weil das NICHT mehr so ist wie früher.“, wohingegen die Fürsprecher argumentieren mit: „Das ist super, WEIL es nicht mehr so ist wie früher.“ Ich versuche mich selbst da irgendwie einzusortieren und muss sagen, dass mir die neuen Ideen zum großen Teil sehr gut gefielen. Es sind eher Dinge in der Machhart, die mich an diesem Film beschäftigen.

Der Prolog des Grauens

„We can cover that by a line of Dialogue“ ist das Credo des Dramaturgieblogs „Filmschreiben“, der von Ron Kellermann verantwortet wird und der auch schon einen Gastartikel auf augenschelm.de geschrieben hat. Beim Prolog von Star Wars hingegen hat man sich gedacht „We can cover that by a line of Monologue“ und dann hat man schließlich auch noch das „cover“ gestrichen. „We monolgue that.“ So steht der wirklich sehr grimmig guckende Hux auf der Brücke und erklärt seinen, ebenfalls sehr finster dreinschauenden Gefährten den Plan. Es fehlte nur noch, dass er am Ende seines diabloischen Plans verrückt loslacht. Ganz unabhängig davon, ob ich ein Fan der alten Stunde bin oder nicht: Das war schlecht und das wäre auch bei jedem anderen Film schlecht gewesen, außer wir haben eine Komödie. Guckt euch „The Tick“ auf Amazon an, da finde ich so was zum totlachen. Bei Star Wars hat mich das nicht so mitgenommen. Es gab noch andere Infodump Dialoge, aber die fallen mir gerade nicht mehr ein.

Wie für Star Wars Filme üblich, beginnt der Film im All. Rebellen fliehen von einem Planeten und das Imperium ist bereits dort, um die flüchtende Flotte in Grund und Boden zu schießen. Der Angriff wird unterbrochen, als Dameron Poe in einem einzelnen X-Wing zu einem „Parley“ vorstellig wird. Fluch der Karibik lässt grüßen. Poe führt Hux ein bisschen an der Nase herum. Hux stammelt und stolpert und bereits hier passiert, was man in meinem Artikel über Prologe nachlesen kann, es wird ein Grundton etabliert. Das hier ist eine Fantasy-Komödie. Hier verliert der Film mich und schafft es danach nicht mehr, mich komplett einzufangen.

Poe schafft es durch sein Ablenkungsmanöver Zeit zu schinden. Ein neuer, riesiger Typ Sternenzerstörer taucht auf und Poe zerlegt dessen Bewaffnung wie er es auch schon in Teil 7 mit einem Tie-Fighter gemacht hat. Währenddessen bekommt BB-8 seinen ersten Auftritt als Schweizer Taschenmesser mit Sidekickfunktion. Das ist hier noch okay, allerdings bin ich bereits jetzt schon irgendwie „getriggert“, dass bereits diese für Star Wars völlig normale Szene nervig für mich ist und ich mich frage, ob ich mich so verändert habe oder der Film einfach irgendwie anders ist. Zugegeben: Es sieht alles toll aus. Die Action ist hoch und die Bilder hinterlassen Eindruck.

Dennoch: Nach den ersten fünfzehn Minuten des Films sitze ich fassungslos vor dem Bildschirm. Der Star Wars Nerd in mir hat das erste Mal das Gefühl „im falschen Film“ zu sitzen und ich brauche gut zwanzig Minuten, um die neue Stilrichtung zu verdauen. Da fällt fast in Vergessenheit, dass man die guten alten B-Wing Bomber durch sehr sehr langsame und ganz mies geschützte Bomber ersetzt hat, die tatsächlich Bomben abwerfen, die herunterfallen. Im Weltall. Okay – es ist Fantasy, darüber sehen wir gerne hinweg. Es hätte mich auch nicht so gestört, aber plötzlich erscheinen eigentlich normale Star Wars Ungereimtheiten irgendwie größer. Das große tolle Schiff wird am Ende jedenfalls weggebombt. Man bleibt damit nicht nur einer Linie treu, sondern verstärkt sie auch noch: Große Dinger in Star Wars sind dazu da um zerstört zu werden. Das nimmt ihnen, gelinde gesagt, den Schrecken. Je größer, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Ding kaputt geht. Das packt mich nicht mehr vor dem Bildschirm. Später gibt´s noch einen großen Sternenzerstörer. Ratet mal, was mit dem passiert. Das ist allerdings keine spezifische Kritik an Episode 8, sondern einfach der inzwischen doch deutlichen Redundanz der Filme geschuldet.

Luke

Luke und Rey haben für mich mit die besten Sequenzen des Films. Allerdings beginnt sie auch erstmal mit einem Abturner: Der sorgsam in Episode 7 aufgebaute Moment der Laserschwertübergabe wird von Luke zerstört, weil er das Laserschwert einfach über die Schulter wirft. Erinnert ihr euch noch an die ganzen Theorien über die Bedeutung des Laserschwerts in Episode 7? Vergesst es. Ich habe in meinem ganz alten Aritkel, der noch von meinem alten Blog ist schon geschrieben, wie elegant man Hans Fragen hier umschifft. In Episode 8 wird das Thema endgültig abgehakt. Was mir nicht gefällt ist, dass Luke an vielen Stellen des Films „out of character“ agiert und das nahezu in allen „just for the laughs“ Szenen. Das ginge, wenn der Film für sich stehen würde. Wie Avengers oder Guardian of the Galaxy. Aber er steht nicht für sich, sondern ist Teil eines über 40 Jahre gepflegten Kanons. Das Wegwerfen des Lichtschwerts ist für mich einer der Tiefpunkte des Films. Da er sich ziemlich direkt an den Prolog des Grauens anschloss, fiel es mir schwer, hier in ein Star Wars Feeling einzutauchen.

Luke lehnt Reys „Call of Duty“ ab. Das finde ich gut und habe ich ehrlich gesagt auch so erwartet, wie man in diesem Tweetthread hier lesen kann. Er hat Kylos Ausblidung ruiniert und hat sich von der Macht abgewandt. Rey versucht von nun an ihn zu überzeugen. Dabei tauchen zum ersten mal die Pokémons auf, die den ganzen Film über eine Rolle spielen werden. Immerhin haben sie keine Sprechrollen und Singen nicht.

Mark Hamill spielt gut, eine seiner besten Performances überhaupt. Wenn man von den OOC Szenen absieht, finde ich Lukes Auftreten gefällig. Mir gefiel auch die Auflösung des Konflikts gegen Kylo am Ende. Mir war etwas mumlig dabei, Luke und Kylo gegeneinander antreten zu lassen, da in meinen Augen klar war, dass Kylo gewinnen muss. Die Klippe hat Johnson gut umschifft. Mir fällt es allerdings noch immer schwer einzuordnen, wie mächtig Luke nun letztlich war. Seinen Heldenstatus der alten Teile hat er jedenfalls eingebüßt und konnte sie am Ende nur in Teilen wiederherstellen. Dass der Film ohne ein einziges Laserschwertduell auskommt ist irgendwie schade, aber so richtig gestört hat es mich nicht. Es gab ja immerhin den Kampf gegen die Prätorianer. Die Bezeichnung finde ich übrigens witzig, denn sie kommt aus dem alten Rom. Ich habe mich in meiner eigenen Geschichte dagegen entschieden, die Elitegarden Prätorianer zu nennen, da ich sonst sprachliche keine Bezüge zum alten Rom herstellen konnte (obwohl ich das im Setting tue). Da sieht man manchmal, um was man sich als Autor Gedanken macht, was hinterher keine Sau interessiert.

Die Sequenzen haben mich am ehsten in den Film reingeholt, wobei auch hier regelmäßig etwas passierte, dass „typisch Disney“ ist:

Klamauk

In Lukes Exil und der dort eigentlich eher düsteren Stimmung lässt man es sich nicht nehmen, durch besonders possierlichen Inselbewohner klamaukige Szenen in Rand und Band abzufeuern. Wie schon im Prolog des Grauens, wo Hux den Hampelmann macht, fallen auch hier den besonders niedlich guckenden Minions Steine auf den Kopf oder sie hindern Chewy daran, in ein Huhn zu beißen. Kleine Pelztiere purzeln durch das Cockpit der Falken und Finn läuft mit Schläuchen an seinem Körper durch die Gegend, aus denen noch Bactaflüssigkeit fließt. Luke wischt sich, ganz der humorvollen Art aller Jedimeister folgend, nach einem überstandenen Angriff Staub von der Schulter. Die coole Socke. Vorher hat er ja schon sein Laserschwert über die Schulter geworfen. Die Schulter scheint für Luke eine wichtige Sache geworden zu sein. Vielleicht liegt das daran, dass sein ehemaliger Lehrer in seiner Jedi-Geisterwelt langsam den Verstand zu verlieren scheint. Gut, Yoda war schon immer etwas seltsam, aber SO seltsam? Insgesamt gefiel mir der Yoda Auftritt aber – vor allem gefiel mir, dass man sich an das alte Modell gehalten hat. General Hux – in Episode 7 noch ein potenter Gegenspieler Kylo Rens – verkommt hingenen in Episode 8 zum Slapstickbösewicht, der so viel Dunkelheit ausstrahlt wie Gargamel.

Ich habe nichts gegen Humor. Auch in den alten Star Wars Teilen Humor gab. Das stimmt. Dieser Humor war aber immer durch die Interaktion von Hauptfiguren geprägt. Er entstand aus der Handlung und in ihrem Dialog miteinander. Episode 8 haut hingegen völlig Zusammenhangslose Szenen raus, die Slapstick in bester Buster Keaton Manier sind. Alles was fehlte waren „Bing“ und „Boing“ Geräusche, wie man sie aus Tom und Jerry kennt. Diese Szenen haben mich mit solcher Verlässlichkeit aus den Filmen rausgeholt, dass es jedes Mal Minuten dauerte, bis ich wieder in das Gefühl hinein kam. Teilweise gelang es mir gar nicht, ein Star Wars Gefühl zu entwickeln. Star Wars ist nur noch eine andere Version der Avengers und wo der Humor bei Guardian of the Galaxy (auch Disney!) einfach noch fantastisch und herzerfrischend ist, ist er bei Star Wars seltsam deplaziert. Zumindest für mich.

Die Helle Seite der Macht: Mutig er ist.

Unterbrochen von dem ganzen Klamauk und dem unbestimmten Gefühl, Fluch der Karabik im Weltall zu gucken, fällt es mir fast schwer die wirklich guten Momente des Films zu würdigen. Erst ab der zweite Hälfte komme ich langsam in den Film rein und hier entfalten sich auch die guten Dinge. Dameron Poe ist mit seiner Pistoleroart keineswegs der große Held, sondern steht seiner unbestrittenen Fähigkeiten zum Trotz oft in der Kritik. Er ist trotzdem ein cooler Typ, nur sind seine Entscheidungen allesamt schlecht. Es sind die leisen Heldinnen, die ohne großes Geschrei die Geschicke lenken. Hier führt Star Wars 8 mit General Holden und der charismatischen Commander d´Acy (Amanda Lawrence) zwei der schönsten Figuren des Films ein. Holden wird von einer sehr präsenten und charismatischen Laura Dern (bekannt aus Jurassic Park) verkörpert und sorgt für einen der vielen guten Twists des Films. Hier kann Episode 8 für mich punkten. Egal ob die Rolle der Frauen, Snokes Tod oder andere, es gibt einige wirklich gelungene Wendungen. Die neuen Elemente sind insgesamt auch die wirklich besten Momente des Films und man muss Rian Johnson lassen, dass es eine gute Idee von ihm war, auch mal mutig zu sein. Zudem ist der Film bildgewaltig und sehr gut geschnitten – hier hat der Regisseur gute Arbeit geleistet. Dass Luke am Ende stirbt war für mich keine Überraschung, das habe ich erwartet. Mir gefiel hineggen die Idee mit dem Hologramm, auch wenn da die Meinungen sehr weit auseinander gehen.

Kylo Ren

An Kylo Ren scheiden sich die Geister. Für mich war er, wie auch schon in Episode 7, einer der besten Charaktere des Films. Er bietet eine Menge Potenzial für eine Geschichte und wird behutsam zu einem richtig guten Bösewicht aufgebaut. Die Telepathieszenen (Macht-Skype) zwischen ihm und Rey gehören für mich zu den besten Szenen des Films. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar und er ist insgesamt der dreidimensionalste Charakter des Films.

Es wird auch erklärt, wieso er gegen Rey nicht gewinnen konnte – weil er durch das Töten seines Vaters so geschwächt war. Ein bisschen „Naja“, aber ich konnte ganz gut mit der Erklärung leben. Adam Driver spielt Kylo gut und wo immer er auftaucht, zieht er den Film an sich. Er funktioniert sehr gut mit Ray, wohingegen mir Kylo der cleverere der beiden zu sein scheint. Mit gefiel, dass beide jeweils die Zukunft des anderen aus ihrer Sicht gesehen haben – das war gut gemacht. Als Kylo und Rey sich zusammen getan haben, war ich begeistert. Cool – vielleicht schafft er es sie auf die Dunkle Seite zu ziehen. Das wäre mal ein Twist der sich gewaschen hätte. Die Idee ging leider nicht auf. Sehr gut hingegen fand ich, dass Kylo auf seine Maske verzichtet. Das macht ihn insgesamt sehr viel düsterer und bösartiger, auch wenn er trotzdem noch stark an einen Jugendlichen ohne klares Ziel erinnert. Ob es in Epsiode 9 genügt, um der Oberböse zu sein? Mal sehen. Für mich bleibt Kylo der Gewinner der neuen Filme und der mit Abstand interessanteste Charakter – was auch dem zu Beginn von vielen belächelten Adam Driver zu verdanken ist.

Snoke

Tja. Snoke ist ein epischer Bösewicht der aus dem Nichts kam und ins Nichts ging. Was haben wir also verloren? NICHTS.

Viel mehr als die Monty Python Reminiszenz fällt mir zu Snoke nicht ein. Die Figur ist ein Sinnbild für etwas, dass dem Film öfter passiert. Ich würde es als: „Ich will das nicht, aber ich brauch das für den Plot“ beschreiben. Mit gefällt zwar gut, dass Star Wars mit der ewigen „Lehrer/Schüler“ Thematik bricht, beziehungsweise hier Raum lässt für die Beziehung zwischen Kylo und Rey, aber das hätte man auf tausend Arten lösen können. Das einfach aus dem Nichts, nachdem Darth Vader und sein Mentor die Galaxis nach allen Jedi weit und breit durchforstet haben, ein Snoke mit so gewaltiger Kraft auftaucht und dann wieder verschwindet, kann man getrost als „Plothole“ bezeichnen. Vielleicht will man hier auch einen Spin Off drehen. Man muss tatsächlich bei den Gedanken über die Filme mit einbringen, dass künftig der Punkt „Womit kann Disney am meisten Geld verdienen“ eine Rolle spielen wird – vielleicht mehr als Logik und Stringenz der Reihe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rey

Rey gefällt mir insgesamt gut. Sie hat zusammen mit Kylo die besten Szenen des Films, allerdings auch nur gemeinsam. Dennoch macht sie ihre Sache ordentlich, auch wenn die Figur jetzt nach zwei Teilen nicht der große Wurf ist. Sie bleibt in Episode 8 realtiv entwicklungsfrei – lediglich das Thema ihrer Eltern wird aufgegriffen, aber das lief etwas an mir vorbei. Mir fällt auf, dass Rey auch schon in Episode 7 erst relativ spät ihre Entwicklung spendiert bekommen hat und ich frage mich insgesamt, was man mit ihr vorhat. Sie wir eine mächtige Jedi – aber ine inem Universum, in dem jeder Jedi werden kann und das ganze Gefasel von Auserwählten Skywalkers nur Humbug ist, wird Rey da noch etwas Besonderes Hinsichtlich ihrer Fähigkeiten?

Bei der Herkunftsgeschichte bin ich ziemlich leidenschaftslos. Star Wars war einmal eine Familiensaga. Es ist absehbar, dass das Disney zu eng ist. Grundsätzlich finde ich es okay, dass die Macht kein Skywalkersches Alleinstellungsmerkmal ist, denn es gab ja auch vorher schon Jedi und somit auch die Macht. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass es Kylo ist, der ihr ihre Herkunft verrät. Woher kennt er die? Und lässt sich ausschließen, dass er lügt? Das war jedenfalls mein erster Gedanke: Lügen sind die Waffen der dunklen Seite und er will Rey zu sich rüberziehen. Gut möglich, dass er sie einfach angelogen hat. Zumindest die starke Verbindung zwischen ihm und Rey deutet mich noch immer darauf hin, dass wir es mit Geschwistern zu tun haben.

Die Legender der Skywalkers oder:

Wir meinten das nicht so.

Erinnert ihr euch noch, wie das angefangen hat? Es ging um Auserwählte, Menschen, die die Macht ins Gleichgewicht bringen. Es geht um Anakin, der ohne Vater auf die Welt gekommen ist. Nur 8 Filme später wissen wir: Kokolores. Eigentlich ist es egal, was mit den Skywalkers ist. Die sind zwar irgendwie wichtig, aber weder Anakin noch Luke haben das Zeug wirklich „der mächtigste Jedi aller Zeiten“ zu sein. Luke wird ein alter verbitterter Mann, der über alle Folgen hinweg eigentlich nichts anderes als Misserfolge fabriziert (dazu empfehle ich auch diesen nicht ganz ernst gemeinten Artikel hier. Bleibt noch Kylo. Aber vielleicht ist meine Geschwistertheorie ja einfach doch richtig. Ansonsten erklären wir dieses Skywalker-Ding einfach für abgeschlossen und wenden uns ganz neuen Themen zu.

Was tankt eigentlich ein Sternenzerstörer?

Super bleifrei? Diesel? Wie groß sind wohl Tankschiffe, die in der Lage sind, einen Sternzerstörer zu betanken. Wie kommen die isolierten Rebellen denn an Treibstoff für ihre Schiffe? Zugegeben, es hat mich nicht richtig gestört, es war eher ein leichtes Ziehen in meinem Hinterkopf. Aber die Pattsituation bei der Flucht der Rebellen entsteht, weil die Rebellschiffe schnell genug sind, um ausser Reichweite zu kommen, aber sobald sie ausserhalb der Reichweite sind, verlieren sie diesen Geschwindigkeitsvorsprung auf mysteriöse Weise und bleiben fortan im ständig gleichen Abstand zu den Sternzerstörern. Hä? Entweder man ist schneller, oder eben nicht. Aber dann geht der Treibstoff aus. Ich weiß schon, wie das entstanden ist. „Hey, wir brauchen einen Schmelztiegel. Und ne ticking Clock!“ – „Komm, wir nehmen Treibstoff.“ Es ist nur eine Kleinigkeit, aber wir werden niemals erfahren, was genau ein Sternzerstörer tankt und wie die ganze Logistik abläuft, um Beispielsweise den Antrieb einer Todessterns mit Treibstoff zu versorgen. Aber auch der konnte ja einen Hyperraumsprung machen. Wahrscheinlich andere Technologie. Solarzellen, vermute ich. Das Imperium hat einfach die bessere Technik. Wie die Rebellen wieder von dem Planeten weggekommen wären ist auch unklar, so ganz ohne Treibstoff irgendwo am A* der Galaxis. Vielleicht wäre das ja der Plot für Episode 9. Wie zur Hölle kommen wir von diesem Planeten runter bei den Benzinpreisen?

Leia Poppins

Leia ist eine Skywalker und von daher natürlich machtbegabt. Dennoch gehört die Szene, in der sie sich mit Hilfe der Macht zurück an Bord des Rebellenschiffs zieht (eigentlich müsste sie ja fallen, wie wir anhand der Bomben gelernt haben) zu den Gruselmomenten des Films. Ich kann nicht mal genau sagen wieso. Erklären lässt es sich. Auch die voran gegangene Szene mit Kylo Ren, der zögert seine Mutter zu töten, war eine der besseren Momente des Films. Aber die Umsetzung fand ich derart schlecht, dass ich einen echten Fremdschäm Moment hatte.

Die Szene war eigentlich nur dazu da, um Kylos inneren Kampf zu zeigen: Schießt er auf seine Mutter oder nicht? Er tut es nicht, dafür ein anderer. Aber nun wurde auf sie geballert, wie lösen wir das? Ob man das hätte anders machen können? Ich weiß nicht. Immerhin macht die Szene einen Fehler nicht: Leia zieht sich selbst aus dem Schlamassel. An anderen Stellen nutzt Star Wars 8 gerne den Deus Ex. Ganz besonders schlimm in dem unnögiten Sideplot um Finn und den Codeknacker, den man meines Empfindens nach einfach hätte komplett streichen können.

Deus ex Machina

Finn und seine neue Freundin Rose halten auf einem Glücksspielplaneten Ausschau nach einem Codeknacker, der ihnen helfen soll die Hyperraumaufspürtechnologie des Imperiums auszuschalten. Es gibt ein paar moralische Seitenhiebe („schau genau hin“) und zeigt, auch ind der Star Wars Galaxie verdient man Geld mit Waffen. Rose und Finn werden jedenfalls Hops genommen und kommen in den Knast (wegen Falschparkens). Ich war gespannt wie sie das lösen. Und Tadaa. Zufällig liegt man mit dem Codeknacker DJ (DAS ist dann wirklich der Captain Jack Sparrow des Star Wars Universums) im Gefängnis, der just gewartet hat, bis man Rose und Finn zu ihm sperrt, um dann mir nichts dir nichts aus dem Gefängnis zu fliehen. Puh – da musste ich erstmal durchatmen. BB3 bekommt noch ein paar Auftritte als Supertaschenmesser und ich beginne mich zu fragen, wieso man nicht einfach eine Armee dieser kleinen Superdroiden konstruiert – die schalten alleine 3 Mann aus, reparieren Flieger und können sogar AT-STs Steuern. Und sie brauchen scheinbar auch kein Droidenkontrollschiff. Und sie können mit Goldmünzen schießen. Diese Szene. Naja, lassen wir das.

Generell habe ich das Gefühl, dass manches regelrecht für den Plot zurechtgebogen wurde. Hat sich außer mir niemand gefragt, wieso Commander Holden als einzige auf dem Rebellschiff zurück bleiben muss? Zu dem Zeitpunkt wo sie die Entscheidung trifft, ist das völliger Nonsens. Ich gehe schon davon aus, dass die Schiffe der Rebellen über so etwas wie einen Autopiloten verfügen und gradeaus fliegen können, auch wenn keiner aufs Gaspedal tritt. Generell darf man sich ja fragen: Wenn man bei so einem Schiff ganz alleine einen Hypperraumsprung machen kann (was man ja nicht einmal im Falken problemlos alleine hinbekommt), wozu verdammt nochmal braucht man dann diese ganze Besatzung? Als klar wird, dass der Plan der Rebellen scheitert, ist aber ja zum Glück Commander Holden noch an Bord. Puh! Schwein gehabt.  Die wollte sich ohnehin opfern, warum auch immer. Echt Glück gehabt, dass man so in den großen Sternzerstörer hineinfliegen kann (ihr erinnert euch: Große Dinge bei Star Wars). Es hat um mich herum niemanden gestört und ich habe mich ein weiteres Mal gefragt, ob ich womöglich gerade auf Toilette war, als das alles logisch erklärt wurde.

Der Sideplot, den niemand braucht

Meine Freunde und ich hatten für Naboo damals in Episode II den Namen „Planet Österreich“, der ein bisschen des Sissi-Charmes der Episode wiedergegen hat.

In Epsiode 8 geht es ins Alien Casino Royal.

Finn und Rose auf dem Planeten des Glücks bläht den ganzen Film fürchterlich auf. Beiden Figuren wird viel Raum und wenig Entwicklung zugestanden. Insgesamt war Finn für den Film eigentlich überflüssig und man hat krampfhaft versucht, ihm irgendeine Rolle zuzuschieben. Am Ende darf er immerhin noch einer seiner Nemesis Phasma gegenüber stehen, der einzigen die weit und breit eine silberne Rüstung tragen darf. Ihre Rolle war schon in Episode 7, sagen wir, wenig sinnvoll, in Episode 8 untersteicht sie das noch einmal, aber hier stirbt sie zum Glück. Abgesehen von ein paar Moralinfusionen und einem Auftritt von Captain Benicio del Toro Sparrow war hier vor allem viel Klamauk zu finden. Und den hatte der Film ja vorher schon zu genüge. Hinzu kam die Flucht auf den Harry-Potter-Pferden, die ich einfach nur nervig fand. Aber gut, da wird eine andere Generation angesprochen. Man muss ja auch ans Merchandising denken.

Miese Dialoge

Inhaltlich werden sich die Lager bei diesem Film nicht einigen. Fest steht aber auch, dass einige der Dialoge so haarsträubende Infodump-Attacken sind, dass ich mich frage, wie so etwas in eine Produktion dieser Größenordnung Einzug erhalten kann. Zugegeben, Star Wars war nie der große Dialogfilm, aber schon die Prequels (die ich insgesamt nicht so schlecht finde) haben mich mit teilweise schwer auszuhaltenden Dialogen genervt. Die gab es in den alten Teilen so nicht. Episode 8 hat hier leider keine neuen, sondern eher negative Höhepunkte geliefert. Das ist angesichts der verschenkten Screentime durch den unnötigen Side Plot doppelt ägerlich.

Der Plot

Star Wars Filme haben sich noch nie durch ihre genialen Plots ausgezeichnet. Insofern fällt es mir schwer, hier Kritik zu üben. Schon in Epsiode V darf man sich fragen, wie viel Zeit Luke eigentlich auf Dagobah verbringt, während Leia und Han lediglich nach Bespin fliegen. Die Zeitsprünge waren auch in Episode 7 nicht so richtig sauber (Chewy und Han lassen grüßen). Das macht Episode 8 auch nicht besser. Hier kommt aber noch hinzu, dass Rey in ihrer Ausbildung mit Kylo in Echtzeit kommuniziert, während die Flotte der Rebellen lediglich einen Hyperraumsprung hinlegt und danach ein Schneckenrennen mit der Imperialen Flotte aufs Parkett legt. Vielleicht kommt Luke deshalb nicht dazu, ihr die 3 Lektionen beizubringen, die er angekündigt hat, aber das geht eh unter. Wie lange ist Rey eigentlich bei ihm? 16 Stunden? Jedenfalls nur so lange, um am Ende rechtzeitig zur Hilfe eilen zu können. Aber das ist Star Wars typisch und kann einfach ignoriert werden.

Im wesentlichen besteht der Film aus dem Hauptplot (Flucht der Rebellen vor dem Imperium) und dem, ich nenne es mal, Ausbildungsplot.

An sich ist das nicht schlimm. Der Film wird ohnehin von der Entwicklung von Rey getragen und hier komme ich das erste Mal ein bisschen ins Straucheln. Ehrlich gesagt habe ich gedacht, dass Episode 8 ein Ausbildungsfilm wird. Dass wir sehen, wie Rey sich der Macht nähert und Dinge lernt. Okay, es wäre ein ziemlicher Spiegel von Episode V und darauf hatte Johnsen vielleicht keine Lust. Das Ergebnis ist, dass wir einen eigentlich etwas bizarren Hauptplot haben, in dem es darum geht, dass die Rebellenflotte im Schneckentempo vor dem Imperium davon fliegt und ihm der Sprit ausgeht, während die Anführer sich allerlei Dinge überlegen, wie sie das Problem jetzt lösen. Das wars. Ein Fluchtplot im Weltall, der Schmelztiegel ist hier ganz allein der Treibstoff. Gleichzeitig bekommt Finn einen Plot, mit einer neuen Hauptfigur, der völlig entwicklungsfrei ist und dafür wertvolle Screentime der Beziehung Luke/Rey/Kylo nimmt, was doppelt ärgerlich ist, weil die drei einfach richtig gut waren in dem Film.

Der Ausbildungsplot bleib dafür fürchterlich vage – so vage sogar, dass Luke sich schließlich breit treten lässt und Ren „Drei Lektionen“ der Jedi beizubringen, es aber letzlich bei einer belässt (außer ich war gerade wieder auf Toilette, was in diesem Star Wars tatsächlich öfter als sonst passiert ist.) Im Gegensatz zu vielen anderen mag ich die Idee mit dem gebrochenen Luke. Es passt ganz gut zum etwas schwermütigen und verkopften Luke aus Episode VI, aber der Plot bekommt seine PS nicht so richtig auf die Straße. Meiner Meinung nach wurde hier einiges richtig gemacht, aber auch viel zu viel verschenkt. Aber ich könnte all die Plotholes und falschen Entscheidungen noch verdauen, wenn nicht der bereits im Prolog etablierte Grundton gewesen wäre.

Fazit

Star Wars hat traditionell eine bestimmte Fangruppe angesprochen. Zwar eine Gruppe mit gewaltigem Willen und Potenzial, Kaufkraft und der Fähigkeit aus dem Film ein Kultobjekt zu machen, aber Disney ist festen Willens, den ganz großen Schatz zu heben.

Disney produziert Familienfilme und genau das ist Star Wars 8. Ein bisschen für die Kids, ein bisschen für Papa und auch Mama darf sich wiederfinden. Auf Gesang wurde verzichtet, aber dieser Versuch eben alles zu wollen, macht aus Star Wars einen guten Familienfilm, aber er opfert das Star Wars Gefühl. Das gefällt vielen. Leute, die vorher nichts mit der Saga anfangen konnte, finden den Film plötzlich gut. Es wundert mich auch kein bisschen, dass die Disney-Spitze von dem Film begeistert war. Es war ein echter Disneyfilm. Wie König der Löwen, Fluch der Karibik oder First Avenger. Vor allem den Fans der ersten Stunde gefällt das nicht. Deshalb fühlte sich Star Wars 8 zu gucken an, als würde man genetisch umsequenziert. Alles zwickte und zwackte – ja, das ist irgendwie gut und unterhaltsam, aber es passt nicht zu dem über Jahrzehnte von mir kultivierten Star Wars.

Disney hat mit den Filmen etwas anderes vor. Deshalb hinterlässt Episode 8 mich (und viele meiner bekannten Star Wars Mitstreiter) ziemlich ratlos. Quo Vadis? Was wird noch fortgeführt? Welche Geschichten werden erzählt? Was wird alles einfach in den Plot reingeschoben, damit es funktioniert, aber dann einfach unter den Tisch fallen gelassen? Müsste ich dem Film eine Schulnote geben, wäre es wohl irgendwas mit ausreichend. Episode 9 wird dann wieder von J.J. Abrahams gedreht – der dreht ganz gute Filme, ist aber auch nicht herausragend darin, seine vielen gesponnenen Fäden logisch zusammen zu führen. Insgesamt gehöre ich vielleicht nicht mehr so ganz zur Star Wars Zielgruppe. Oder um es anders zu sagen: Wäre Episode 8 Fluch der Karibik, hätte ich ihn gut gefunden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Disney künftig zwei Gleise fährt: Die Hauptgeschichte für die ganze Familie, mit viel Merchandise und Klimbim und dazwischen ein paar Spin-Offs in Rogue One Manier, um die Fans der ersten Stunde bei Laune zu halten. Ich bin nach dem Film erstmal bedient, was nicht so einfach ist. Denn ich bin sogar Fürsprecher der Prequels und fand grundsätzlich alles Star Wars Filme gut, selbst wenn sie Schwächen hatten. Aber dieser Teil hat mich extrem enttäuscht und das liegt vor allem an der Disneysierung – und so zwar so sehr, dass ich mir aktuell vorstellen kann, Star Wars 10 einfach Zuhause auf DVD statt im Kino anzusehen. Dann kann ich ausschalten, falls doch irgendwann Jack Sparrow durchs Bild läuft.


Danke fürs lesen. Das war eine Meinungskolumne von Augenschelm.

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3 Comments

  1. Augenschelm.de Offline! - Augenschelm.de
    Dezember 30, 2017

    […] Dezember lief dann Star Wars 8 in den Kinos an und hier konnte ich meine von Tag zu Tag gelebte Onlineabstinenz nicht mehr […]

  2. Marcus Johanus
    Dezember 23, 2017

    Du kritisierst in Star Wars Infodump? Wirklich? Dass Infodump (fast immer) schlecht ist, ist keine Frage. Aber in Star Wars ist es doch nun wirklich ein Stilmittel. Es gibt keinen Film, der ohne auskommt. Und der kurze Monolog von Hux ist da doch nun wirklich kein herausragendes Beispiel. Also, ja, die Analyse stimmt. Nur die Bewertung kann ich nicht teilen.

    Star Wars ist Pulp. Der Plan des Schurken, der in einem umständlichen Monolog geschildert wird, ist ein billiges Stilmittel, das seit Episode IV massiv genutzt wird, um eben auch das Pulp-Feeling zu nähren.

    Mit Damerons Verspotten von Hux hat der Film offensichtlich viele Fans verloren. Mich hat er hier absolut für sich gewinnen können. Ich finde, in der Ära Trump muss man gegenüber Nazi-Gedankengut ein eindeutiges Statement setzen. Es darf nichts Verherrlichendes, Cooles mehr an ihnen geben. Johnson beginnt den Film mit dem Statement: Nazis sind lächerlich. Und das finde ich persönlich sehr, sehr gut.

    Kann es sein, dass du gewissermaßen Star-Wars-müde wirst? Ich meine, wenn dir das Prinzip, das große Dinge weggebombt werden zum Hals heraushängt, dann wirst du an Star Wars auch in Zukunft keine Freude haben, wage ich mal zu prophezeien. Das ist doch nun wirklich ein Element, das seit Episode IV etabliert und in jedem Film teilweise bis zum Exzess zelebriert wird. Ich kann verstehen, wenn einen das anödet. Aber das ist nun wirklich nichts, denke ich, was man Episode XIII anlasten kann.

    Dass Luke das Lichtschwert über die Schulter wirft, wird ja häufiger kritisiert und scheint für viele Fans ein absolutes No-Go zu sein. Ich bin als Jahrgang 1972 nun wirklich Star-Wars-Fan der ersten Stunde und kann dieses Gefühl einfach nicht teilen. Mit welcher Geste sollte denn Luke sonst seine Ablehnung ausdrücken? Das ist Show Don’t Tell in Reinkultur. Ich fand diesen Moment auch nicht klamaukig oder witzig. Denn Lukes Gesicht ist in diesem Moment ja voller Verbitterung. Er macht sich nicht über Rey lustig. Er betont nur, dass es für ihn auf keinen Fall eine Rückkehr gibt.

    Die Slapstick-Kritik kann ich auch so nicht stehen lassen: Was ist mit Hans Verfolgung der Stormtrooper in Episode IV, die plötzlich ins Gegenteil verkehrt wird? Was ist mit dem Kampf der Ewoks gegen die Stormtrooper? Wenn sich Luke in Episode V immer wieder den Kopf in Yoda Hütte stößt? Auch Slapstick gehörte schon immer zum Repertoire von Star Wars. Nach meinem Gefühl tauch es nicht mehr oder weniger in Episode XIII auf als vorher.

    Auch Johnsons Umgang mit Snoke wird immer wieder kritisiert. Dazu nur zwei Dinge: Was erfahren wir beispielsweise über Ming in Flash Gordon? Wenn man es sich genau überlegt, noch weniger als über Snoke. Lucas‘ erklärtes Ziel war es, mit Star Wars, seine eigene Flash-Gordon-Interpretation zu schaffen. Was will ich damit sagen? Man kann mehr Tiefe von Star Wars erwarten. Aber sie ist in dieses Genre eigentlich nicht eingebaut. Ja, Snoke ist quasi ein Plot-Device. Aber das sind Bösewichte in diesem Genre nun einmal. Seien wir ehrlich – über Darth Vader wussten wir in Episode IV auch nicht mehr.

    Hinzu kommt, dass Snokes Entwicklung noch nicht abschließend beurteilt werden kann. Wer weiß, was da in Episode IX noch alles enthüllt wird. Ich finde es auch hier ein bisschen befremdlich, dass viele Kritiker ihre Enttäuschung ausgerechnet am Mittelteil einer Trilogie festmachen. Das ist für mich ungefähr so, als wenn ich mich darüber beschwere, wenn ich im Krimi in der Hälfte des Buches noch nicht weiß, wer der Mörder ist.

    Gleiches gilt für die Frage nach Reys Eltern. Vielleicht ist die Antwort, die wir bekommen haben, auch die richtige. Vielleicht auch nicht. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch Reys Vision von der dunklen Seite stammt und Snoke offensichtlich Kylo und sie manipuliert hat. Wer weiß also schon, wer ihre wahren Eltern sind?

    Auch die Verfolgungsjagd mit Impulsgeschwindigkeit wird so häufig kritisiert. Mit der Menge an Kritik wird diese aber nicht richtiger. Der Punkt ist doch der: Die Widerstandsschiffe können nicht in den Hyperraum, denn dort werden sie sofort geortet. Sie SIND schneller als die Sternzerstörer, weil sie kleiner und leichter sind (okay, das ist natürlich physikalisch im Weltraum auch alles wieder bedenklich, aber dass der Weltraum in Star Wars nicht viel mit Physik zutun hat, schlucken wir ja auch schon seit Episode IV). Soll heißen: Ja, die Rebellenschiffe können aus der Reichweite entkommen, ABER das bringt ihnen halt nichts, weil sie jederzeit geortet und erreicht werden können, wenn ihnen der Treibstoff ausgeht. Ich kann darin – im Rahmen der besonderen Physik des Star-Wars-Universums – keinen Fehler erkennen.

    Vielleicht hätte der Widerstand ja noch schneller fliegen können. Aber wozu? Noch schneller Treibstoff verbrauchen? Ein wenig außer Reichweite bleiben, genügt doch, um lange genug durchzuhalten, um doch noch eine Lösung zu finden oder um halt die rettende Basis auf Crait zu erreichen.

    Natürlich wäre eine andere visuelle Umsetzung denkbar gewesen. Die Widerstandsschiffe hätten einen größeren Vorsprung erzielen können, sich in Asteroidenfeldern verstecken oder sich in einer Gaswolke verstecken können oder was auch immer, um dann wieder geortet zu werden, um dann wieder zu entkommen usw. Ähnlich, wie das der Falke in Episode V macht, der ja ebenfalls mit Unterlichtgeschwindikeit den Sternenzerstöerern entkommen ist.

    Hätte. Johnson hat sich dagegen entschieden, weil er einen anderen Schwerpunkt wählte. Das finde ich in Ordnung. Zumindest erkenne ich hier keinen großen Plotfehler.

    Du beklagst den Deus Ex Machine bei Star Wars? Wirklich? Auch dieser ist doch im Genre und seit nunmehr sieben Filmen fest eingebaut. Luke wird von Han im Kampf um den Todesstern gerettet. Chewbacca rettet Lea und Han auf Endor. Yoda zieht mit der neuen Klonarmee Anakin, Obi-Wan und Padme aus der Patsche. Ja, Deus ex Machine sollte man eigentlich vermeiden.

    Der Deux Ex Machine ist ja so verpönt, weil er eben ein Mittel aus der Trivialliteratur ist. Star Wars hat seine Wurzeln im Pulp. Hier handelt es sich in meinen Augen wiederum einfach nur um die Verwendung eines Stilmittels, nicht um einen Fall von Faulheit.

    Die Kritik an dem „Ausbildungsplot“, die du übst, und die ja auch gängig ist, beruht meiner Meinung darauf, dass niemand seine Kritiken schriebt, nachdem man den Film mindestens ein zweites Mal guckt. Er ist einfach sehr voll und es geht beim ersten Gucken viel unter. Mir ist die Kiste mit den drei Lektionen auch erst beim zweiten Mal richtig aufgefallen.

    Luke erteilt Rey zwei Lektionen: Die eine über ihre Illusionen und die andere über die Fehlbarkeit der Jedi. Zur dritten kommt es nicht, weil Rey die Ausbildung abbricht. Dafür kann Luke ja nun nix. Und das ist auch kein Fehler im Drehbuch.

    Auch bei der Familientauglichkeit muss ich dir grundlegend widersprechen. Die ist keineswegs erst seit der Disney-Ära etabliert. Die gab es auch schon in Episode VI dank Ewoks. Und erinnern wir uns an die vielen Prügel, die Episode I einstecken musste, weil sie klar als Kinderfilm konzipiert und gedreht war. Ist Jar-Jar-Binks etwa vergessen? Und, ja, in Episode VI wird sogar gesungen.

    Fazit für mich: Ich kann die Enttäuschung auf einer emotionalen Ebene verstehen. Die Schwächen des Films sind in meinen Augen entweder keine oder halt welche, die andere Star-Wars-Filme eigentlich genauso aufweisen oder zum Teil einfach auch Kennzeichen des Genres.

    ich habe nicht nur bei deiner, sondern auch bei vielen anderen skeptischen Kritiken den Eindruck, den du ja auch bereits andeutetest. Viele Star-Wars-Fans kommen nicht damit klar, dass sie erwachsen geworden sind. Als Kind und Jugendlicher war das Spielerische, Unlogische und Pulbige irgendwie okay. Da ließ man sich emotional mitreißen und packen, machte alles mit. Jetzt wird ist erwachsen und erwartet irgendwie mehr. Doch die Filme sind immer noch hauptsächlich für ein jugendliches Publikum gemacht, das vor allem emotional in die Filme eintauchen kann.

    Das ist in Ordnung, aber eigentlich nichts, was man Johnson anhängen kann. Er hat in meinen Augen innerhalb seiner Möglichkeiten viel gewagt und für meinen Geschmack auch gewonnen. Aber ich bin auch ein ziemlicher Kindskopf und möchte den infantilen Eskapismus. Ich möchte keinen R-Rated-Star-Wars, der die Düsterwelle von Game of Thrones und Co. mitmacht.

  3. Daniel
    Dezember 23, 2017

    Den letzten „Fluch der Karibik“ habe ich zwar abgebrochen, aber dein Vergleich hier trifft es. Star Wars ist mit diesem Film nicht mehr Star Wars. Mag sein, dass man nach mehrmaligen Anschauen in manchen Aspekten altersmilder wird, die versaute Tonalität wird Episode 8 nicht mehr geradebiegen können.
    Guter Artikel. Wir sollten mal zusammen ins Kino. Vielleicht aber eher in „Solo“ statt in Episode 10.