Augenschelm fragt: Tanja Hanika

Liebe Leserinnen und Leser,

heute habe ich die Autorin Tanja Hanika meine berühmt berüchtigten 29 Fragen gestellt. Tanja ist überzeugte Self-Publisherin mit Schwerpunkt auf dem Horror Genre. Sie ist Mitglied der bärtigen Familie der Bart Bro Authors und bietet aktuell bei Amazon 7 Bücher an.

Tanja ist Self-Publisherin aus Überzeugung und verrät euch, wie sie auf Ideen kommt, Ihren Alltag organisiert und gibt euch ein paar handgreifliche Tipps.

Viel Spaß beim lesen! Mehr von Tanja findet ihr auf:

Tanjas Amazonseite

Tanjas Homepage

Tanjas Facebookprofil

und natürlich auf Twitter

Interview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Vom Schreiben kann ich nicht leben. Einen Brotjob habe ich dennoch nicht, ich bin Mama und Autorin. Mein Mann verdient die Brötchen.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu schreiben und seit wann schreibst du?

Als ich acht Jahre alt war, habe ich mir in der Bücherei eine Kinderversion von Bram Stokers „Dracula“ ausgeliehen und war absolut begeistert, was Geschichten mit der eigenen Fantasie anstellen können. Seit da wollte auch ich solche spannenden, atmosphärischen Geschichten erzählen und bin dem Horrorgenre seit fast 20 Jahren verfallen und schreibe ebenso lange.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichten?

Ich habe in Trier Germanistik (und Philosophie) studiert und gemerkt, dass ich keinen Beruf ergreifen möchte, der sich nicht mit Literatur beschäftigt. Nach und nach wurde es dann für mich immer deutlicher, dass ich es einfach versuchen sollte, mein größtes Hobby zum Beruf zu machen. Self-Publishing wurde immer beliebter und seit 2012 habe ich mit der Absicht geschrieben, meinen Roman „Redthorne Castle“ später auch zu veröffentlichen. Probeweise habe ich mich in dieser Zeit (bis ich dann mit dem Self-Publishing 2015 angefangen habe) an Geschichten-Wettbewerben versucht und so einige Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien zustande gebracht. Das war ein guter Test, welche Geschichten ankommen und welche nicht.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Mein Umfeld, also mein Mann, meine Familie und Freunde, waren glücklicherweise begeistert und haben mich unterstützt und von Anfang an ernst genommen. Manche meinten, dass es klar gewesen wäre, dass es so kommen würde, und wussten es wohl sogar vor mir, dass ich Autorin werden würde.

Zweiter Teil: Das Publizieren

5. Ist Verlagspublikation oder Self-Publishing dein Weg?

Ich bin überzeugte Self-Publisherin.

6. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

Ich liebe die Freiheiten, die einem das Self-Publishing bringen, ebenso wie die vielen unterschiedlichen Aufgaben, um die man sich kümmern muss. Deadlines setzt man sich selbst (z.B. in Absprache mit Testlesern, Lektoren o.Ä.) und bei einem selbst liegt die letzte Entscheidung, wie was gemacht wird. Bisher habe ich mich mit keinem Projekt bei einem Verlag beworben. Ob ich das in Zukunft doch noch ausprobieren möchte, weiß ich noch nicht.

7. In welchem Genre schreibst Du?

Ich schreibe Horror- und Schauerromane. Zwei Kurzromane sind der Dark Romantasy zuzuordnen, aber noch lieber schreibe ich Horror.

Dritter Teil: Gewohnheiten

8. Wie sieht sein gewöhnlicher Schreibtag von morgens bis abends aus?

Momentan schreibe ich überwiegend abends / nachts, sobald mein Sohn im Bett ist. Wenn er bald in den Kindergarten geht, werde ich auch die Vormittage nutzen können. Ich bin selbst schon gespannt, welche Struktur sich dann im Alltag ergeben wird.

9. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Zunächst überlege ich, welche Möglichkeiten ich erzähltechnisch habe, bzw. welche Geschichte mir am besten zu der Idee gefallen würde. Abgesehen vom Plot überlege ich, welche Figuren ich dafür brauche und wie diese sein sollen und müssen.

Ich plotte und plane dann anhand einiger worksheets, die ich überarbeitet und zum „Arbeitsbuch für Schriftsteller“ zusammengefasst habe, das bei Amazon erhältlich ist. Allerdings lasse ich mir dabei noch den nötigen Spielraum, damit Figuren und der Plot sich entwickeln und mich überraschen können. Ganz detailliert ist meine Plotvorarbeit deshalb nicht, aber einen Rahmen habe ich schon.

10. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

Das ist momentan noch ganz unterschiedlich. Aber ich würde sagen, dass ich im Schnitt auf zwei Stunden pro Abend komme. Ich schreibe / arbeite jeden Abend in der Woche, also auf ganz grob geschätzt vierzehn Stunden die Woche. Wobei in dieser Zeit ja nicht nur am Buch gearbeitet wird, sondern auch alles andere, das im Autorenalltag anfällt, erledigt werden muss. E-Mails, Marketing, Finanzamtaufgaben, etc.

11. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Nach der Rohfassung überarbeite ich meistens drei Mal, bevor die Testleser den Text bekommen. Ab und zu auch ein viertes Mal.

Anschließend arbeite ich deren Kommentare ein.

Danach kommt dann das Lektorat, welches ja auch einen Bearbeitungsdurchgang erfordert. Und dann folgt noch das Korrektorat, das ich auch ziemlich gründlich durchgehe. Also bearbeite ich alles in allem mindestens sechs Mal, aber wenn nötig, auch öfter.

12. Wie wichtig ist für Dich die Struktur Deiner Geschichte?

Eine gute Struktur macht es dem Leser schwer mit dem Lesen aufzuhören, sofern auch die Story stimmt. Ich achte auf die Spannungsbögen meiner Handlung und liebe es Twists einzubauen. Daher ist mir Struktur wichtig, für deren Planung ich mein bereits genanntes „Arbeitsbuch“ immer wieder nutze. 🙂

Vierter Teil: Inspirationen

13. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

Ich finde Stephen Kings „On Writing“ inspirierend. Weniger, um etwas daraus zu lernen, sondern vielmehr, weil es so locker geschrieben ist als würde man ihm gegenübersitzen und Mr. King persönlich zuhören dürfen. Man möchte sich sofort hinsetzen und selbst etwas schreiben.

An klassischen Schreibratgebern gibt es zu viele sehr gute, um da einen herauszugreifen.

14. Was war der beste Ratschlag, den du im Bezug auf das Schreiben
erhalten hast?

Mir persönlich hat der Schreibpraxis-Tipp am meisten weitergeholfen, dass man sich in der Rohfassung ruhig austoben soll, natürlich ohne das Plotgerüst aus den Augen zu verlieren. Korrigieren und verbessern kann man hinterher, aber wenn man so perfektionswütig ist, dass nicht einmal eine Rohfassung zustande kommt, kann auch nichts verbessert werden. Das hat mir sehr geholfen, mich bei der Rohfassung zu entspannen.

Als Schreibtipp selbst finde ich das gute alte „Show, don´t tell“ wahnsinnig wichtig.

15. Welche drei Bücher haben dich am meisten inspiriert und warum?

Wie bereits erwähnt hat mir „Dracula“ als Kind die Augen geöffnet und mich mit dem Lese- und Schreibvirus infiziert. Das ist für mich das Buch schlechthin.

Ein anderes wunderschönes Buch ist „The Nightcircus“ von Erin Morgenstern. Ihre Sprache und die Bilder, die sie erzeugt, sind schlichtweg fantastisch. Nach dem Lesen hatte ich auch hier den dringenden Wunsch, irgendwann einmal so wie sie schreiben zu können.

Es fällt mir schwer nun nur noch ein drittes Buch nennen zu dürfen, aber emotional mit am meisten berührt hat mich in der letzten Zeit „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak. Absolute Leseempfehlung für jeden, der es noch nicht kennt. Hut ab vor jedem Autor, der es schafft beim Leser so starke Gefühle zu wecken.

16. Wie motivierst Du Dich zum schreiben?

Ich muss mich hierfür nicht motivieren, sondern ich liebe es in meine Schreib-Fantasie-Welt zurückzukehren. Auch müde oder krank kann ich die Finger kaum von der Tastatur lassen.

Marketingposts auf meinen Social Media Kanälen zu verfassen fällt mir da deutlich schwerer. Die Möglichkeit, die Verkaufszahlen etwas anzukurbeln bietet da aber ausreichend Motivation. 🙂

17. Was sind Deine besten Tipps, wenn es darum geht Deinen Roman an den Mann zu bringen?

Ich denke es ist hilfreich eine eigene Homepage zu haben und sich frühzeitig Social Media Kanäle zu suchen und dort möglichst viele Kontakte aufzubauen. Rezensionsexemplare für Blogger (nach Absprache!) sind sehr empfehlenswert. Mit meinem nächsten Projekt möchte ich einmal schauen, ob sich eine Leserunde organisieren lässt. Den ultimativen Tipp habe ich also selbst noch nicht.51yd5ous2jl

18. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Da ich Horrorautorin bin, lege ich mich bei der enormen Auswahl an Möglichkeiten einmal auf ein gruseliges Szenario fest: Ich würde gerne den Protagonisten eines Zombieapokalypse-Romans einen Tag lang bei seinem Überlebenskampf begleiten (und natürlich auch selbst überleben). Da würde man bestimmt viel über sich selbst und das Thema „Angst“ lernen.

19. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen
Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben.
Was wünschst du dir?

Ich würde mir wünschen, mich als Horrorautorin etablieren zu können. Dass meine Bücher viele begeisterte Leser finden und ich davon leben kann. Und ganz fabelhaft wäre es dann, wenn jemand Fremdes auf die Frage nach seinem absoluten Lieblingsbuch, einen meiner Romane nennt.

20. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

Kreativität, Durchhaltevermögen, Sprachkompetenz, Zielstrebigkeit und Mut.

21. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit dem Schreiben begonnen hat?

Schreib das, was du selbst gerne lesen möchtest. Denn selbst wenn das Projekt nicht zu Ende geschrieben oder später nicht veröffentlicht wird, hattest du eine wunderbare, spannende und schöne Zeit mit dem Text.

Fünfter Teil: Organisation

22. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

In Bücherforen wird ganz gut deutlich, welche Menschen welche Bücher lesen und wie sie sie bewerten. Man kann aber auch im Internet nach Informationen suchen, es gibt ja für alles Statistiken. Oder man hört sich mal im privaten Umfeld (Familie, Freunde, aber auch Nachbarn oder weiter entfernt Bekannte) um, wer welche Bücher liest.

23. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social
Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?

Damit habe ich momentan keine Probleme. Vielleicht hat man mehr Energie, wenn man den Traum zum Beruf machen konnte. Ab und zu sollte man es sich gönnen mal eine Nacht auszuschlafen, wenn möglich, aber ansonsten habe ich dafür keinen Trick 17.

 24. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher Quälerei?

Natürlich gibt es Szenen oder Abschnitte eines Romans, die sich schwieriger schreiben lassen als andere, aber mir macht das Schreiben wirklich immer Spaß. Gerade kniffelige Stellen hinzubekommen ist ein tolles Gefühl.

Mein Trick ist, nie an einer schwierigen Stelle aufzuhören, denn dann fällt es einem am nächsten Tag leichter, wieder in den Schreibfluss hineinzukommen. Quälerei ist es eher, wenn ich mal einen Tag nicht zum Schreiben komme.

25. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Meisten zwei bis drei, da ich vor / zwischen den Korrekturphasen die Projekte eine Weile liegen lasse. In diesen Pausen plotte, schreibe oder korrigiere ich dann andere Projekte.

26. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im
Bezug auf das Schreiben?

Dranbleiben, egal wie müde oder erledigt man vom Tag ist.

Selbstkritik aufs Überarbeiten verschieben, aber dann gnadenlos zu sich selbst sein.

Und am Wichtigsten: Das Schreiben, was man liebt.

27. Wie stehst du zu den Begriffen. Autor, Schriftsteller, Hobbyautor?

Ein Autor ist für mich jeder, der veröffentlicht.

Ein Schriftsteller kann meinem Verständnis nach vom Schreiben leben. Aber es kann sich selbst gerne jeder Schriftsteller nennen, der das lieber mag als Autor. 🙂

Ein Hobbyautor ist für mich jeder, der keine Ambition hat zu veröffentlichen, und einfach gerne mal schreibt, wenn er Muße dazu hat

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Von mir aus könnte gerne das Horrorgenre beliebter werden. Leute, traut euch ruhig euch zu gruseln. Es passiert ja nichts. 🙂

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

Ich arbeite sehr gerne mit der hervorragenden Lektorin / Korrektorin Alice Scharrer (von Korrektar) zusammen. Auch Doris Eichhorn-Zeller (von Perfekte Texte Coburg) ist eine zuverlässige und freundliche Korrektorin.

Mein Veranstaltungshighlight 2016 war das Literaturcamp in Heidelberg, das ich auch 2017 gerne wieder besuchen möchte.

Ansonsten bin ich noch am Ausprobieren bzw. hatte leider noch keine Zeit für Lehrgänge, was ich bald zu ändern hoffe, sobald sich eine passende Gelegenheit bietet.

 

Liebe Tanja, ich danke Dir für Deine ausführlichen und spannenden Antworten, die mal wieder einen tollen Einblick in die Arbeit einer Autorin gegeben haben.

Alle bisherigen Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

Du solltest im Übrigen AUF KEINEN FALL auf den Umschlag hier unten klicken, da sonst fürchterliche Dinge passieren könnten!


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Augenschelm unterwegs: Jo Nesbo

„Mord am Hellweg“ ist das größte europäische Krimifestival. Auf Twitter findet man wenig darüber, obwohl sich das Line-Up mit Autoren wie Sebastian Fitzek, Jo Nesbo, Jussi Adler-Olsen, Simon Beckett, Joe Bausch oder Chris Carter mehr als sehen lassen kann – und das ist nur eine Handvoll der rund 150 Veranstaltungen.

Mord am Hellweg findet seit 2001 alle zwei Jahre an tollen Orten rund um den Hellweg der Kreisstadt Unna statt und wird u.a. vom Westfälischen Literaturbüro in Unna organisiert.

Ich bin sehr angetan von den vielfältigen Facetten dieses tollen Festivals und möchte es hiermit ganz ausdrücklich allen Lesern meines Blogs ans Herz legen. Mehr über das Festival findest Du auf

http://www.mordamhellweg.de/


Als ich den kleinen Saal betrete ist er bereit gut gefüllt. Nur noch wenige Plätze sind frei, die Veranstaltung bis auf den letzten Platz ausverkauft. Weil ich zwei freie Plätze auf der Loge sehe, unterdrücke ich den Impuls den Mann neben mir vom Stuhl zu schubsen.

Der Platz ist gut. Wir haben einen hervorragenden Blick auf die Bühne, auf der sich nun unter dem Applaus der Krimifans Oliver Mommsen und Margarete von Schwartzkopf zu ihren Stühlen begeben.

Dann kommt Jo Nesbo. Er ist ein durchschnittlich großer, hager wirkender Mann der mich aus der Entfernung an Dr. House erinnert.  Er trägt eine blaue Jeansjacke über einem schwarzen T-Shirt. Das rotblonde Haar steht wild vom Kopf, in seinem Bart wagen sich die ersten grauen Haare ans Tageslicht. Er sieht aus wie jemand, der sich viel bewegt, was sicher nicht ungewöhnlich für einen Mann ist, der um ein Haar Fußballprofi geworden wäre.20161020_194218_hdr_resized

Er lächelt kurz und setzt sich. Seine Bewegungen sind ruhig, als könne ihn selbst ein Sturm nicht aus der Ruhe bringen. Die über dreißigmillionen verkauften Bücher lasten nicht auf seinen Schultern. Margarete von Schwarzkopf stellt Jo Nesbo vor und erklärt, dass er um ein Haar seinen Flug nicht bekommen hätte, weil die griechischen Inseln im Wetterchaos versinken und Nesbo dort Klettern war..

Nesbo ist inzwischen 56. Wie ich kommt er aus der Finanzbranche. Ich lächle, denn mit BWL verbinden die meisten wohl keine Autoren. Vor allem keine, die so gut schreiben wie er. Aber er ist auch Musiker und hat es in Norwegen zu einiger Bekanntheit gebracht.

Wenn Nesbo spricht, klingt es ruhig und überlegt. Wäre er Telefonjoker bei „Wer wird Millionär“ hätte man wohl erst Angst, dass die Antwort nicht rechtzeitig käme um sodann mit einer glasklaren und richtigen Antwort für das nervenzerreißende Warten belohnt zu werden. Ich mag ihn sofort. Oliver Mommsen erlaubt sich ein paar Scherze und an Nesbos Lachen kann ich erahnen, dass hinter der ruhigen Fassade jemand steckt, für den das Sprichwort „stille Wasser sind tief“ erfunden wurde.

Margarete von Schwarzkopf entlockt mir eine innere Bäckerfaust als sie sagt, dass es einen neuen Harry Hole Teil geben wird. Ihre rauchige Stimme erinnert mich an eine Voodoo-Mama und weniger an eine gebürtige Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Sie, Nesbo und Oliver Mommsen sind ein gutes Team, vor allem von Schwarzkopf hält nicht damit hinterm Berg, was für eine hohe Meinung sie von Jo Nesbos Schreibfertigkeiten hat.

Ich blättere kurz in dem eben gekauften Exemplar von Blood on Snow und lese darin, dass Jo Nesbo erst mit 37 mit dem Schreiben begonnen hat. Ich bin 35. Wir kommen beide aus der Finanzbranche. Mein Gehirn beginnt Verbindungen zu knüpfen, die nicht da sind.

Dann schwenkt auch die Moderatorin auf das Buch. Schwarzkopf fragt den ruhigen Norweger, wie er auf die Geschichte gekommen ist und ich horche auf. Das ist für mich als Autor interessant. Im gesamten Verlauf stellt sie interessante Fragen, man merkt ihre Erfahrung.

Nesbo erzählt, dass er am Flughafen in Kanada abgeholt wurde. Dort erkenne man den Ruhm eines Autors an der Größe der Limousinen. Er sieht einen Mann mit einem Schild auf dem sein Name steht, folgt ihm, steigt in eine nicht ganz so große Limousine, als unerwartet ein weiterer russisch sprechender Mann vorne einsteigt und sie losfahren. Doch der Wagen fährt nicht Richtung Toronto, obwohl das sein Ziel war.
Er verrät nicht, wo er wirklich hingefahren ist, aber die Idee für einen Roman war geboren. Abgeholt werden vor allem wohlhabende Menschen und niemand überprüft ernsthaft, zu wem er da ins Auto steigt. Nesbo ist zum Glück angekommen.

Aus diesem Erlebnis wuchs die Idee eines Buches und des dazugehörigen Schriftstellers. Er lebte in der 70ern veröffentlichte mit großem Erfolg ein Buch namens „Blood on Snow“. Nach Jahren jedoch schwindet sein Ruhm. Die Limousinen werden kleiner, doch ihm gelingt kein adäquates weiteres Buch. Also schreibt er einen zweiten Teil mit dem vielsagenden Titel „Blood on Snow 2: Mehr Blut“ (auf Norwegisch: Mere Blod). Das Publikum lacht ob dieser kreativen Glanzleistung des erfundenen Autors.

Dieser Autor wird auf Nesbos oben beschriebene Art entführt. Je mehr Nesbo sich mit diesen Blood on Snow Büchern für seine Geschichte beschäftigt, desto mehr will er über das Buch wissen, bis er schließlich auf die Idee kommt, die Bücher einfach zu schreiben – da es sonst keine tue, wie er anmerkt.

Er hatte die Idee, die Bücher unter dem Namens Tom Johansen herauszubringen, was der Name des Entführten ist. Der Verlag und er planten eine groß angelegte Aktion, mit eigener Wikipediaseite für Tom Johansen, in der auf dessen Entführung eingegangen wird. Eine Homepage sollte online gehen, eine ganze Existenz entstehen. Doch die Behörden schoben dem einen Riegel vor, denn man darf zwar unter Pseudonym veröffentlichen, aber keine komplette Existenz erfinden. Dieser Artikel aus der Welt zeugt aber noch von diesen Absichten. 20161020_194632_resized

So entstand Blood on Snow unter dem Namen Jo Nesbo. Die Reihe besteht aus drei Teilen. Neben dieser Reihe arbeitet Jo Nesbo an dem schon erwähnten 11 Teil seiner Harry Hole Serie, sowie an einer Neuadaption von Shakespeares McBeth, auf die zumindest ich mich sehr freue.

Oliver Mommsen macht sich nun daran aus Blood on Snow vorzulesen und es wird schnell klar, dass dieses Buch etwas besitzt, das anderen Nesbo Titeln eher fehlt: Humor. Mommsen liest mit einem leichten Schelm in der Stimme und macht es mir leicht, mir die Figur vorzustellen, die da in Richtung Nord-Norwegen flieht und gar nicht so böse rüberkommt, wie man es gemeinhin von Geldeintreibern erwartet.

Auf die Frage, ob Nesbo gezielt etwas komisches schreiben wollte, sagt er, dass es nach den ganzen düsteren Romanen um Harry Hole dem Kopf gut tut, wenn etwas anderes zu Papier käme. Er hat ebenfalls ein Kinderbuch geschrieben. Allerdings sei es nicht seine Herangehensweise, etwas lustiges schreiben zu wollen, sondern die Geschichte entwickele sich aus den Charakteren heraus.

Er erzählt, dass der Durchschnittsnorweger niemals den Norden des Landes zu sehen bekommt und dass es von Oslo genauso weit nach Rom ist, wie an die Nordspitze des eigenen Landes. Er lässt sich sogar zu der Behauptung hinreißen, die dort lebenden Samen seien die Römer Norwegens, offenherzig und kontaktfreudig, wohingegen der gemeine Norweger eher ruhiger Natur sei.

So werden die Samen zum wesentlichen Bestandteil seines Buches. Er vergleicht sie mit den Amish in Amerika, erzählt, dass es dort sehr strenge religiöse Strukturen gibt die zum Teil sogar verbieten, dass Vorhänge benutzt werden obwohl dort ein halbes Jahr lang durchgängig die Sonne scheint.
Dieses Thema rund um Minderheiten kann Befindlichkeiten auslösen und auch Nesbo berichtet, dass er zu Beginn ein wenig Gegenwind für die Sichtweise seiner Figuren erhielt. Natürlich hat Nesbo mit Absicht überzeichnet und war sich bewusst, was er da tat. So verschwimmt die anfängliche, von Vorurteilen geprägte Sicht des Protagonisten im Laufe des Buches und Nesbo hält lediglich den Norwegern den Spiegel vor, indem er sagt: „So hat ein Durchschnittsosloer in den Siebzigern nunmal die Samen gesehen. Wir haben Ihnen Ihre Sprache verboten. Die meisten von euch werden nie einen Samen zu Gesicht bekommen.“

Er sagte, es sei keine Ablehnung, wohl aber eine tiefe Ignoranz gegenüber diesem Teil der Bevölkerung vorhanden.

Man merkt Nesbo an, mit welchem feinsinnigen Respekt er den Samen begegnet.

Die Hauptfigur des Romans flieht in den hohen Norden um sich dort zu verstecken. Dort lernt er die dort lebenden Samen kennen und entwickelt von seiner zunächst von Vorurteilen geprägten Sicht einen ganz anderen Blick auf die Leute dort. Die Geschichte erinnert ein wenig an „der einzige Zeuge“ mit Harrison Ford und zeigt mir einmal mehr, dass der Stoff nicht neu erfunden, sondern einfach nur sehr gut umgesetzt werden muss, um ein gutes Buch zu schreiben.

Er spricht über Wertbilder der Gemeinschaft, dem Glauben an Gott und welche Auswirkungen es auf eine Gesellschaft hat, wenn man beobachten kann wie der eigenen Gemeinschaft der Nachwuchs ausgeht.
Das seine eignen Großeltern noch eine weitaus distanzierte Einstellung zu beispielsweise Homosexualität hatten, aber nicht weil sie schlechte Menschen waren, sondern weil es dem damaligen Wertesystem entsprach und dass er sich vor diesem Hintergrund die Frage stellt, wie seine Werte, die er für richtig und beständig hält, in dreißig Jahren von jemand anderem bewertet werden. 20161020_212410_resized

Nesbo kann sich den ein oder anderen feinen Seitenhieb auf Religionen nicht verkneifen. Er berichtet, dass es selbst innerhalb dieser religiösen Minderheiten noch Streitigkeiten darüber gibt, welches der „wahre“ Glaube sei und dass jeder, der nicht an den eigenen Glauben glaubt, in der Hölle brenne (was ein Running Gag einer Figur des Buches ist). Da es unterm Strich dann nur einige wenige hundert Menschen auf der Welt gibt, stellt er fest, dass es später im Himmel sehr viel Platz geben müsse.

Es geht um Liebe, Werte, um Spannung. Man merkt bei Nesbo, dass seine Bücher lange recherchiert wurden, dass er sich ausgiebig mit den Themen beschäftigt.

Wenn ich vorher schon großer Fan des Norwegers war, bin ich es jetzt umso mehr und ich freue mich bereits auf die kommenden Veröffentlichungen.
Zum Ende wird noch erzählt, dass Harry Hole 2017 ins Kino kommt. Der Schneemann wird verfilmt, Harry Hole wird von Michael Fassbender verkörpert, der zumindest optisch meiner Meinung nach eine hervorragende Wahl ist.

Es war lehrreich, wie Nesbo auf Ideen kommt und dass er seine Geschichten von den Charakteren aus plant. Ich konnte richtiggehend mitfühlen, wie sich die Ideen von der Taxifahrt bis hin zu den Büchern des erfundenen Autors entwickeln. Spannend war für mich die Betrachtung der Wertesysteme und wie ich viele der Tipps, die ich rund ums Schreiben erhalten und erlernt habe, in Nesbos Art zu arbeiten wiedergefunden habe.

Für mich war dieser Abend rundum gelungen und eine richtige Motivationsspritze, mich wieder an mein eigenes Werk zu setzen.


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Augenschelm fragt: Axel Hollmann

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich, dass ich für mein heutiges „Augenschelm fragt:“ den anderen Teil des dynamischen „Schreibdiletanten“-Duos, Axel Hollmann, gewinnen konnte. Axel wurde 1968 in Berlin geboren, lebt in Berlin und möchte auch für immer und ewig dort wohnen bleiben.

Zusammen mit Marcus Johanus, den ich ebenfalls schon interviewt habe, hat er Deutschlands ersten Autorenpodcast ins leben gerufen und ist damit Inspiration für viele junge Autoren.

Ich erinnere mich noch lebhaft an meine ersten Schritte nach meinem willentlichen Entschluss „richtiger“ Autor zu werden, die mich schnell zu den Schreibdilletanten führten. Umso schöner ist es für mich, dass ich sowohl mit Marcus als auch mit Axel inzwischen regelmäßige Social Media Kontakte habe.

Axel hat bisher 4 Bücher veröffentlicht, drei davon bei Ullstein-Midnight, eines über Amazon-Publishing und kann somit auf reichlich Erfahrung zurück blicken.

Mehr über Axel könnt auf seiner Homepage http://www.axelhollmann.com/, bei Twitter oder Facebook und natürlich bei den Schreibdiletanten erfahren.

Interview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Vom Schreiben leben? Nein, das ist mir leider nicht möglich, aber vielleicht ändert sich das ja mal. Vor ein paar Jahren habe ich mit ein paar Freunden (u. a. Marcus Johanus, den der eine oder andere von euch vielleicht von unserem Autoren-Youtube-Channel „den SchreibDilettanten“ kennt“) in einem Fantasy- und Rollenspielladen gearbeitet. Jetzt findet man mich, wenn ich nicht an einem Romanmanuskript arbeite, über Buchführung brüten.asphalt-300px-breit

2. Wie bist Du dazu gekommen zu Schreiben und seit wann schreibst du?

Mit dem Schreiben habe ich mit dreizehn Jahren angefangen. Damals habe ich meiner Liebe für Rollenspiele (zunächst D&D, dann Midgard, Cthulhu und viele, viele andere…) entdeckt. Ernsthaft mit dem Romanschreiben habe ich angefangen, als ich mit der Arbeit in dem oben erwähnten Spieleladen aufgehört habe. Das war vor etwas mehr als zehn Jahren, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichten?

S.o.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Zum Glück hat mich meine Frau von Anfang an unterstützt – anders ist so etwas im Rahmen einer Familie auch nicht möglich.

Zweiter Teil: Das Publizieren

5. Ist Verlagspublikation oder Selfpublishing dein Weg?

Wer weiß? Heutzutage muss man sich da ja nicht mehr so eindeutig entscheiden. Bisher wurden meine Bücher bei Midnight, dem digitalen Imprint des Ullstein-Verlags und Amazon Publishing veröffentlicht. Das ist der Mittelweg zwischen Verlagsveröffentlichung und Selfpublishing.

6. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

Ganz einfach: Weil mir das zu der jeweiligen Zeit als beste Möglichkeit erschien.

7. In welchem Genre schreibst Du?

Krimi und Thriller. Allerdings bin ich ein riesiger SF-Fan und fühle mich auch im Fantasy- und Horrorgenre wohl. Wer weiß, vielleicht werde ich ja auch mal in dieser Richtung aktiv.

Dritter Teil: Gewohnheiten

8. Wie sieht sein gewöhnlicher Schreibtag von Morgens bis abends aus?

Meine Mittagspause verbringe ich zurzeit meist im McCafé Spandau. Und natürlich nutze ich die Zeit und das Koffein eines Latte Macchiatos, um eine Stunde (ja, es ist eine verlängerte Mittagspause) zu schreiben. Irgendwann am späten Nachmittag oder frühen Abend setze ich mich dann noch einmal an den Computer, um eine zweite Stunde zu schreiben. Wann genau das ist, hängt von meinem Brotjob und der Familie ab. Da muss ich einfach ein wenig flexibel sein.

9. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Sehr analytisch. Ich brainstorme verschiede Grundideen – gerne mit der Hilfe von Mindmaps – von denen ich denke, dass sie mir Spaß machen würden (ganz wichtig) und auch eine Leserschaft finden. Davon ausgehend entwickelt ich dann Schritt für Schritt eine Story. Meist vom Ende zum Anfang. Wenn der erste Plotentwurf steht, spreche mit Freunden (Marcus) darüber, ändere hier und da etwas – ja, oder fange von vorne an, wenn ich merke, dass die Idee doch nicht so toll ist, wie ich erst dachte.

10. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?rissiges-eis-300px_breit

Ich versuche, jeden Tag zwei Stunden am Schreiben zu überarbeiten.

11. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Oft. Sehr oft. Mein letztes Projekt habe ich nach meiner siebten Überarbeitung an meine Agentur gegeben. Und je nachdem, wie es jetzt weitergeht, werde ich es bestimmt noch weiter überarbeiten müssen.

12. Wie wichtig ist für Dich die Struktur Deiner Geschichte?

Sehr wichtig. Ich plane gründlich, mein Plotentwurf umfasst, wenn er schließlich fertig ist, um die sechzig Manuskriptseiten.

Vierter Teil: Inspirationen

13. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

„On Writing“ von Stephen King.

14. Was war der beste Ratschlag, den du im Bezug auf das Schreiben
erhalten hast?

Der erste Entwurf ist Mist! Immer!

15. Welche drei Bücher haben dich am meisten inspiriert und warum?

Das oben erwähnte „On Writing“ von Stephen King motiviert mich bis heute, am Ball zu bleiben. Die Schreibbücher von James N. Frey haben mich viel über die Technik des Schreibens gelehrt. Die Thriller von Lee Child waren für mich in stilistischer Hinsicht eine Offenbarung.

16. Wie motivierst Du Dich zum Schreiben?

Ich schreibe gerne, insofern muss ich da nicht groß motiviert werden.

17. Was sind Deine besten Tipps, wenn es darum geht Deinen Roman an den Mann zu bringen?

Der beste Tipp: Kenne den Markt. Zurzeit gibt es so viele Möglichkeiten, als Autor seinen Weg zu weihnachtsmann-300px-breitgehen, wie vermutlich noch nie. Für Autoren ist das eine gute Zeit – wenn man sich auskennt. Knüpfe Kontakte zu anderen Autoren. Tummel dich auf Facebook, Foren und Websites.

18. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Eine gute Frage. Vielleicht mit Michael Connellys „Harry Bosch“?

19. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen
Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben.
Was wünschst du dir?

Mehr Zeit, um Bücher zu lesen.

20. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

Beharrlichkeit, das genügt völlig.

21. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit dem Schreiben begonnen hat?

Wie schon ober erwähnt: Suche Kontakt zu anderen Autoren, auch wenn es „nur“ über das Internet ist. Du brauchst sie zur Motivation. Werde dir darüber klar, dass du „am Ball“ bleiben musst. Wenn alles optimal läuft (und das tut es vermutlich selten), solltest du mindestens fünf Jahre einplanen, ehe sich erste Erfolge einstellen.

Fünfter Teil: Organisation

22. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

Ich schreibe, was ich auch selbst gerne lese. Einen anderen Weg gibt es meiner Ansicht nach nicht.

23. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social
Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?schlaglicht-300px-breit

Ich habe in Marcus (s.o.) einen erstklassigen Schreibkollegen, den ich nerven kann, wenn ich mal demotiviert bin oder etwas nicht so läuft. Ansonsten habe ich durch unseren Autoren-Youtube-Channel ein wenig Ablenkung.

24. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher Quälerei?

Fifty-fifty.

25. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Zurzeit immer nur an einem – ich plane aber, zukünftig parallel an mehreren zu arbeiten.

26. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im
Bezug auf das Schreiben?

Drei? Mir fällt jetzt eigentlich nur der Latte Macchiato ein, den ich mir jeden Tag beim Schreiben gönn.

27. Wie stehst du zu den Begriffen. Autor, Schriftsteller, Hobbyautor?

Ach, um ehrlich zu sein, sind mir die Begriffe da nicht so wichtig.

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Ich finde den Buchmarkt, so wie er zurzeit ist, unheimlich spannend. Er bietet uns Autoren viele Möglichkeiten – mit oder ohne Verlag. In sofern: Aus meiner Sicht muss da nichts geändert werden.

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

Coverdesigner, Lektoren oder Korrektoren musste ich mir bisher nicht suchen, das haben meine Verlage für mich erledigt. Insofern muss ich zu dieser Frage passen. Workshops und Lehrgänge habe ich viele verschiedene besucht. Mein Tipp, wenn es zeitlich und mit dem Geld irgendwie passt, einfach mal einen Lehrgang versuchen, wenn einem das Programm halbwegs passt. Bisher habe ich immer etwas gelernt.

Lieber Axel, vielen Dank für Deine interessanten Antworten.

Alle bisherigen Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

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Augenschelm fragt: Michaela Stadelmann

Heute konnte ich Mikaela Sandberg alias Michaela Stadelmann alias Textflash für ein Interview auf meinem Blog gewinnen. Michaela Stadelmann ist in Wesel am Niederrhein aufgewachsen. Seit ca. 20 Jahren lebt sie in Mittelfranken. Bevor sie in die Verlagswelt eintauchte, hat sie als Bürokauffrau und als psychologische Lebensberaterin gearbeitet. Ihren aktuellen Schweden-Krimi Schweig still findest Du bei Midnight Ullstein, darin geht es um die 14-jährige Nelli, die des Mordes an ihrer Mutter verdächtigt wird. Das Buch könnt ihr direkt über Ullstein oder bei jedem Onlinebuchhändler bekommen, hier der Link zu Amazon.

Wenn ihr Michaela folgen wollt, könnt ihr das auf dem Blog https://textflash.wordpress.com/

oder bei http://twitter.com/Textflash

http://www.facebook.com/Micha.Stadel

Interview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Wenn die Frage darauf abzielt, ob ich mit dem Schreiben ein regelmäßiges Einkommen erwirtschafte, lautet die Antwort: nein, derzeit (mal wieder) nicht. Ich erwarte jedoch, dass sich das mit mit der Veröffentlichung bei Ullstein wieder ändert. Um die Lücken zu füllen, lektoriere ich und gestalte Print- und E-Books für Autoren.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu schreiben und seit wann schreibst du?

Bereits im Kindergarten habe ich die ganze EUROPA-Langspielplatten-Palette rauf- und runtergehört und die Geschichten mit verschiedenen Stimmen und allen Nebengeräuschen anderen Kindern vorgetragen, ob sie wollten oder nicht. Mit sieben Jahren bekam ich meine erste Barbie geschenkt und wünschte mir eine Barbie-Märchenplatte – die ich aber nicht bekam. Da musste ich mir selbst etwas ausdenken und schrieb meine erste Geschichte.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichten?

Seit 2007, was u.a. mit der Gründung des Wunderwaldverlags einherging. Ich dachte, mit einer wie auch immer gearteten Organisation im Rücken komme ich leichter ans Ziel, was aber nicht der Fall war. Deshalb habe ich den Verlag nach neun spannungsgeladenen Jahren im März 2016 wieder aufgelöst. Self- bzw. Hybrid-Publishing ist nervenschonender.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

„Ach ja, schon wieder Künstlerkram.“

5. In welchem Genre schreibst Du?

Von 2013 bis 2015 habe ich Ballett-Jugendromane geschrieben, davor und zwischendurch Familienpersiflagen, einen Liebesroman, und jetzt bin ich beim Krimi angekommen.

 

Zweiter Teil: Publikation und Marketing

6. Ist Verlagspublikation oder Self-Publishing dein Weg?

Ich habe beides ausprobiert und fahre mit einer Mischung aus beidem ganz gut.

7. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden? schweig_still_cover1000px

Bei der Verlagspublikation muss man m.E. unterscheiden, ob man selbst die Verlegerin ist oder verlegt wird. In meiner Zeit als eigene Herrin ist der Papierkram um die Publikation herum irgendwann so umfangreich geworden, dass mir die Lust vergangen ist. Und man muss auch ganz klar sagen, dass man viel Arbeit für wenig bis gar keinen Lohn hat, sich dafür aber extrem kritischen Autoren und Lesern gegenüber sieht. Da braucht man ein ziemlich dickes Fell.
Jetzt, mit Ullstein im Rücken, ist die Arbeit fast paradiesisch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der vorauseilende Respekt Kritik wesentlich vorsichtiger ausfallen lässt.
Da sich die Möglichkeiten für Self-Publisher im Laufe der Jahre immer mehr verbessert haben, brauche ich mir auch keine Gedanken zu machen, wenn der Verlag einen Roman ablehnt. Dann veröffentliche ich ihn eben selbst.

8. Wie lange musstest Du warten, bis ein Verlag ein Manuskript von Dir genommen hat?

Beim aktuellen Krimi „Schweig still“ hat es vier Tage gedauert, bis die Zusage von Ullstein kam. Das war übrigens mein bisher einziger Versuch, bei einem Verlag zu landen. Davor hatte ich ja selbst ein Verlägchen.

9. Was sind Deine besten Tipps, um auf einen Roman aufmerksam zu machen?

Bei mir funktionieren die Werkstattberichte ganz gut: Ich schreibe ein bisschen über die Hintergrundrecherchen, was mir am meisten Schwierigkeiten bereitet hat, interessante Zwischenfälle usw. Eine Weile haben sich meine Leser darüber amüsiert, dass ich die Protagonisten bis zur Fertigstellung eines Romans immer wieder umbenannt habe. („Na? Heißt Sabine heute immer noch so oder ist eine Anastasia draus geworden?“)
Am häufigsten werden die Posts über die Ausgeburten der Rechtschreibkorrektur gelesen. Hin und wieder schreibe ich auch „off topic“ und verrate etwas über mich – reposte bzw. reblogge bzw. retweete etwas und lenke (scheinbar) von mir ab. Kurz: Ich biete den Lesern meine ganz persönliche Sicht der Dinge.

10. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

Ich gehe ins Internet – und da ist sie 🙂

Dritter Teil: Gewohnheiten

11. Wie sieht ein gewöhnlicher Schreibtag von morgens bis abends aus?

In der Schulzeit jage ich morgens meine Familie aus dem Haus, danach kümmere ich mich um meine pflegebedürftige Mutter. Sobald ich eingekauft, meine E-Mails und den ganzen anderen Kram erledigt habe, schreibe ich ca. 1-2 Stunden am Stück, vorausgesetzt, es liegt kein Lektoratsauftrag vor. Danach koche ich, warte darauf, dass die Hausaufgaben wieder Ruhe in die Wohnung bringen – und dann kümmere ich mich um die Werbung, falls es keine familiären Sachen zu regeln gibt. Aber da gibt’s eigentlich immer was.
In der heißen Phase, wenn ich einen Roman unbedingt fertig bekommen möchte, schreibe ich vor allem nachts, weil ich dann meine Ruhe habe. Die Wochenenden sind übrigens tabu, außer ich bilde mir ein, eine Deadline einhalten zu müssen.

12. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Ich schaue in der Buchhandlung, was gerade gefragt ist oder wo sich eine Nische auftut, in der es noch nicht viel gibt. Dann recherchiere ich eine Weile, bis mich ein Thema anspringt, und dann geht’s los.

13. 3-Akte, 5-Akte, 8 Sequenzen. Wie strukturierst Du Deine Geschichte?

Ich habe einmal eine siebenteilige Serie komplett so strukturiert, dass es pro Roman ca. 10 Kapitel à 10 Seiten gab. Aber das war sehr anstrengend, weil ich teilweise fast nichts, in anderen Kapiteln dann wieder viel zu viele Punkte abzuarbeiten hatte und notgedrungen das Exoposé immer wieder umschreiben musste.
Meist ist es jedoch so, dass ich mir zu Beginn überlege, welche Eigenschaften eine Figur mitbringt und welche Entwicklung sie durchlaufen soll. Danach bemesse ich die Abschnitte pro Person. In der Regel komme ich so auf 30-40 Sinnabschnitte.

14. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

Wenn ich anfange zu schreiben, können es schon mal 20 Stunden pro Woche sein, damit ich zügig durchkomme. Zwischen den Romanen können jedoch auch Wochen ohne einen Tastenanschlag vergehen. In der Zeit plane ich Exposés.

15. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Ein- bis zweimal, da ich das Exposé vorab so genau anlege, dass idR keine tiefgreifenden Änderungen nötig sind. (Ja, das funktioniert tatsächlich.)

16. Wie motivierst Du Dich zum Schreiben?

Ich bin Autorin, also schreib ich den Scheiß-Roman!

17. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Ich habe immer nur eins auf dem Tisch, das durchgezogen wird, was auch für Exposés gilt. Falls ich Ideen für etwas anderes habe, schreibe ich sie auf und widme mich ihnen nach Projektabschluss. Ja, ich weiß, das klingt ganz schön unkreativ, aber so isses nun mal 🙂

18. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im
Bezug auf das Schreiben?

1. Bei Recherchen frage ich nach, bis meinem Gegenüber Hören und Sehen vergehen.
2. Ich kann mich darauf verlassen, dass ich eine Geschichte oder einen Roman zu Ende bringe, komme, was wolle.
3. Ungefähr in der Mitte des Schreibprozesses finde ich meinen Roman doof. Das ist insofern wertvoll, weil ich in dieser Phase die Unstimmigkeiten herausfiltere, die mir vorher vor lauter Begeisterung entgangen sind. (Blöd für den, der meine nochmalige Frage-Tour durchleiden muss, aber wer ins Impressum will, muss leiden.)

19. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher harte Arbeit?

Wem harte Arbeit keinen Spaß macht, sollte sich fragen, warum er nicht etwas anderes tut.
Oder in Zahlen ausgedrückt: 1 % Inspiration, 99 % Transpiration.

 

Vierter Teil: Inspirationen

 

20. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

Schreiben ist zwar ein Handwerk, das man erlernen kann. In erster Linie ist Schreiben jedoch so etwas wie eine Selbstanalyse, die individuell verläuft. Wenn jemand wirklich ein Buch über das Schreiben lesen will, dann sollte er sich Göttersagen in unterschiedlichen Ausgaben vornehmen, um die „Reise des Helden“ mit unterschiedlichen Sprach- und Schreibstilen nachzuvollziehen. Dabei lernt man mehrere Dinge gleichzeitig und wird auch noch gut unterhalten.
Das funktioniert übrigens auch, wenn man die Kataloge zweier Versandhäuser nebeneinander legt. Der IKEA-Katalog wird eher von vorn bis hinten durchgelesen als der Baumarkt-Prospekt, den man nur durchblättert. Und warum? Weil IKEA Geschichten erzählt. Und wie machen die das, die Schweden? Genau da setzt die Analyse an.

21. Was war der beste Ratschlag, den du in bezug auf das Schreibenurheber4593
erhalten hast?

Man muss nicht schreiben, um zu existieren.

22. Welche drei Romane haben dich am meisten inspiriert und warum?

Das klingt jetzt wie Schleimerei, aber es ist tatsächlich so, dass mich Mareike Albrachts Krimi „Katz und Mord“ dazu veranlasst hat, den Schweden-Krimi zu schreiben. Ihr Roman spielt im Sauerland, was ich als Niederrheinerin total stark finde, denn ich wollte unbedingt wissen, was man zwischen Brilon und Dortmund alles anstellen kann.
Tolkien-Fans sollten die nächste Antwort nicht lesen: Im ersten Anlauf mit knapp 20 fand ich den ersten Band von „Der Herr der Ringe“ so langweilig, dass ich unbedingt einen besseren Fantasy-Roman schreiben wollte. Inzwischen habe ich alle drei (eigentlich sechs) HdR-Bände längst gelesen (die grüne Ausgabe!!!) und finde sie wunderschön. Dafür bin ich bei meinem eigenen Fantasy-Roman nicht über das Exposé hinausgekommen, weil ich mich noch nicht reif genug für ein Fantasy-Epos fühle. Vielleicht wird das auch nie der Fall sein – aber egal. Die Beschäftigung mit der Tolkienschen Sprache war herrlich.
Vom dritten Roman „Der Friedhof der Kuscheltiere“ ist die letzte Seite inspirierend gewesen, und davon eigentlich auch nur die Zeile: „Ihre Stimme war Erde.“ Dieser Satz bereitet mir nach wie vor wohlige Gänsehaut.

23. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Wenn auch der Roman zum Film zählt, dann mit den Ghostbusters, und zwar mit denen aus den 1980er Jahren.

Fünfter Teil: Organisation und Persönlichkeit

 

24. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

Zielstrebigkeit, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen, Lernwille und jede Menge Mut.

25. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit dem Schreiben begonnen hat?

Wanderer, wenn du eine schnelle Mark machen willst, lass alle Hoffnung fahren! Verkauf lieber Versicherungen, aber fass um Himmels willen keinen Stift an. Wenn du dich aber wirklich selbst entdecken willst: Leg los.

26. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social
Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?

Wenn ich mein selbst auferlegtes Pensum nicht schaffe, geht die Welt nicht unter. Und falls doch, liest sowieso keiner mehr, was ich geschrieben habe, also alles ganz easy …

Teil 6: Ausblicke und Einblicke

27. Glückwunsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen

Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben. Was wünschst du dir?
Dass überall auf der Welt Menschen jeden Alters Zugang zu elektronischen oder gedruckten Büchern haben, um sich zu bilden oder einfach zu entspannen.

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Es wäre schön, wenn das Gemecker über den deutschsprachigen Buchmarkt verstummen würde und wieder das garantierte Recht auf Meinungsfreiheit in den Mittelpunkt rückt. Das macht nämlich m.E. unseren Buchmarkt aus und nicht die Zahlendrescherei der Bestsellerlisten.

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

Es kommt drauf an, wem ich sie empfehlen soll. Jeder arbeitet anders, jeder hat Schwächen und Stärken, weil zwar alle Dienstleister, aber vor allem Menschen sind. Deshalb habe ich auch keine Empfehlung.

Liebe Michaela, vielen Dank für Deine ausführlichen und interessanten Antworten.

Alle bisherigen Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

Wenn Du keine Interviews mehr verpassen willst (was ich Dir empfehle), trage Dich in meinen Newsletter ein. Klicke dazu auf diesen schönen Briefumschlag über den Kommentaren.

 


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Vor dem Ziel kommt der Traum

Hinweis: Dieser Artikel behandelt ein Thema, das mir wichtig ist. Ohne die Beschäftigung damit hätte ich noch kein Wort an meinem Buch geschrieben. Daher ist er recht lang, also nimm Dir etwas Zeit.


Geben Sie Ihrer Romanfigur ein Ziel, das sie unbedingt erreichen will. Stellen Sie die Figur vor Hindernisse, die sie überwinden muss, um das Ziel zu erreichen. In jedem Fall braucht sie ein Ziel.


Diesen Tipp kennt jeder von uns. Unsere Helden brauchen ein Ziel, eine Motivation um etwas zu tun. Ohne das irrt der Held durch die Welt, reagiert lediglich auf die von uns auferlegten Prüfungen, um sich letzlich zu einem Ergebnis durchzuringen, das keine klare Entwicklung erkennbar macht.

Also hauen wir uns Nächte um die Ohren, feilen an Zielen, erforschen Motive und skizzieren haarscharf den Weg, den der Held zu gehen vermag, freilich um ihn mit allerlei Hindernissen zu konfrontieren, je größer, desto besser.

Das können wir gut.

Aber gilt das, was wir unseren Helden angedeihen lassen nicht auch für uns? Was ist mit unseren Zielen? Irren wir auch durch die Welt und reagieren auf Ereignisse ohne zu wissen, wo sie uns hinführen? Haben wir am Ende eine Entwicklung durchgemacht? Bemerken wir das überhaupt? Geben wir uns annähernd die gleiche Mühe für unsere eigenen Leben, wie wir sie in unsere Helden investieren?

Es irrt der Mensch solang er strebt, sagt Goethe. Was macht ein Mensch der nicht strebt?

Womöglich irrt er auch, nur ziellos.

Nach einer ganzen Reihe Augenschelm fragt: Interviews, vielen gelesenen Ratgebern und durchstöberten Autorenhomepages fällt mir auf, dass erfolgreiche Autoren (u.a. Heitz, Eschbach) Zeitmanagement als Erfolgsfaktor nennen.

Aha? Was hat das mit Schreiben zu tun? Oder gar mit Zielen, wie die Überschrift es vermuten lässt?

Nun, Ziele – Motivationen – sind der Anfang von allem.

Andreas Eschbach antwortete einem Autor, der einen Tritt in den Arsch von ihm wollte, damit er sich endlich an sein Buch setzt, wiefolgt:

„Tut mir leid, den werden Sie von mir nicht kriegen. Sie können sich nicht aufraffen, ein Buch zu schreiben? Na, dann lassen Sie es doch! Das Letzte, wirklich das Allerletzte, was die Welt braucht, ist noch ein Buch. Es gibt genug davon. Mir fällt kein vernünftiger Grund ein, warum man jemanden dazu antreiben sollte, noch eines zu schreiben, dem der Drang dazu nicht von selber innewohnt.“

Harte Worte? Wahre Worte! Wieso solltest Du ein Ziel verfolgen, dass Dich offensichtlich nicht interessiert. Ich beschäftige mich von berufswegen viel mit Träumen und Zielen von Menschen. Früher waren das überwiegend finanzielle Ziele und Wünsche – ich will ein Haus, ich will ein Auto – und die überraschende Erkenntnis, dass man dafür im Vorfeld etwas tun kann. Später mit Menschen, die Firmen aufbauen wollten. Die Visionen hatten und diese verwirklichen wollten.

Diese Träume stehen am Anfang. Weit vor einem klaren Ziel oder dem tatsächlichen tun. Es ist dieses leise Hämmern, dieses „ich will das irgendwann mal“. Wir haben das alle. Jeder Autor, der meinen Blog verfolgt hat das.

Es sind die Dinge, die wir am Ende bereuen, wenn wir sie nicht getan haben.time-273857_1920

Ganz am Anfang steht die Erkenntnis herauszufinden, ob das wirklich Deine Wünsche sind, Deine Träume. Das klingt sonderbar, aber Andreas Eschbach hat recht; wenn Du Dich nicht zum schreiben aufraffen kannst, wieso willst Du es dann? Willst DU es überhaupt? Oder hast Du das irgendwann mal beschlossen und dann nie wieder hinterfragt? Rennst Du diesem Traum hinterher wie ein Esel der Karotte, weil das irgendwie mal cool war oder weil Du mit vierzehn gute Aufsätze in der Schule geschrieben hast?

Es ist essenziell, die eigenen Träume regelmäßig zu hinterfragen. Kaum zu glauben aber wahr: Unsere Wünsche ändern sich. Heute, wo ich Papa einer kleinen Tochter bin, verheiratet und mit einem tollen Job, habe ich andere Träume als mit Anfang zwanzig. Sollte ich dann immernoch alten Wünschen nachhängen, weil ich das nie wieder hinterfragt habe?

Sicher nicht. Hier beginnt es. Mit Dir selbst. Nimm Dir einen abend Zeit, höre ganz tief in Dich und frage Dich Sätze wie:

  • Was würde ich tun, wenn mir Geld und Anerkennung egal wären?
  • Was möchte ich über mein Leben sagen, wenn ich irgendwann sterbe?
  • In welchen Moment vergesse ich die Zeit, wann bin ich ganz bei mir?
  • Was sind besondere Fähigkeiten von mir?

Viele Menschen die ich kenne, wagen sich an diese Fragen nicht heran, aus Angst vor den Antworten die sie erhalten. Dass sie möglicherweise über Jahre dem falschen Weg nachgegangen sind. Nun, es ist nie zu spät die Richtung zu ändern. Man muss nicht immer jung und dynamisch sein – man kann auch geduldig und erfahren sein.

Da dies ein Blog über das Schreiben ist, komme ich nun zu dem Punkt, an dem aus Wünschen die ersten zarten Knospen werden. Autoren wollen Autoren sein. Sie wollen schreiben und vielleicht vom Schreiben leben. Wenn Du die Frage 1 mit „schreiben“ beantwortest, bedeutete das im wesentlichen, dass Du vom Schreiben leben möchtest. Sei so ehrlich, trau Dich das zu sagen.

Wenn ich genug Geld damit verdienen würde, würde ich Schreiben.

Okay, das fühlt sich jetzt komisch an. Ihr bemerkt sicher den Schweinehund, der gerade jetzt neben euch sitzt und sagt, wieso das nicht geht, dass ich das so nicht sagen kann und dass es den meisten sowieso nicht gelingt.

Stimmt. Für nichts im Leben gibt es eine Garantie. Aber man kann seine Träume in kleine Schritte verpacken. Wenn man erfolgreiche Menschen fragt, ist genau das eine Ihrer Strategien. Kleine Schritte, diese gehen, mit Rückschlägen umgehen. Wie die Helden in unseren Büchern.

Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben, wie ich ans Schreiben gegangen bin und wie ein heutiger, kleiner Schritt von mir aussieht.

Zu Beginn war das Wichtigste, Zeitfenster zu finden. Ich wollte schreiben, aber ich wusste nicht wann. Also habe ich mit etwas angefangen, was zunächst gar nichts mit Schreiben zu tun hat. Ich habe meinen Wecker gestellt. Auf fünf Uhr, statt auf sieben Uhr.

Die ersten Tage habe ich nur Kaffee trinkend aus dem Fenster gestarrt und mich gefragt, was ich da eigentlich tue. Dann habe ich irgendwann angefangen zu schreiben.

Nachdem ich umgezogen bin, ging das nicht mehr, weil ich nun 90 Minuten zu Arbeit pendel. Also habe ich mir angewöhnt, in der S-Bahn zu schreiben. Am Anfang habe ich nur gelesen, weil mir der Gedanke unangenehm war, dass mir jemand über die Schulter blicken könnte beim schreiben – das mögen Autoren schließlich gar nicht.

Heute ist es ein Reflex. Ich sitze in der Bahn, ich krame meinen PC raus. Wie bei Pawlows Hund.

Mein Schreibziel diese Woche (ich bin gerade in Elternzeit) war: Mindestens 5 Stunden Schreibzeit finden. Habe ich geschafft. Ich habe nicht definiert, was ich in dieser Zeit schaffen will, denn mit einem kleinen Kind ist es schwer genug, überhaupt die Zeit zu finden.

So können kleine Schritte aussehen.

Wieso ist das Wichtig? Gerade für Autoren?

Die meisten von uns verdienen ihren Lebensunterhalt nicht mit Schreiben. Das bedeutet, wir haben einen Berg von Aufgaben, die wir jeden Tag zu bewältigen haben. Wir haben Kinder, einen Job, Haushalt, Freunde, Eltern und Verwandte, ein Auto das zur Werkstatt muss, einen Frisörtermin, müssen Einkaufen, die Steuererklärung abgeben, wischen,Wäschen waschen, saugen, Sport machen, kochen, den Flur putzen etc.

Kurz gesagt, wir haben jeden einzelnen Tag genug um die Ohren. Wir kommen mit einem normalen Tag schon nicht hin und abends sind wir so platt, dass wir nichts mehr können, außer vor dem Fernseher zu hängen (übrigens ein guter Grund, Morgens zu schreiben ;-)).pyramide

Der Punkt ist, dass die Alltagsaufgaben von völlig alleine auf uns zukommen. Wir müssen uns nicht anstrengend, wir müssen keinerlei Energie aufwenden. Wäsche wird (fast) von alleine dreckig, das Auto geht so kaputt. Die Arbeit habe ich jeden Tag, ebenso wie putzen und es kommt auch vor, dass man Freunde hat, die sich bei einem melden (wenn man selbst die Freundschaften pflegt).

Was heißt das? Niemand, wirklich niemand, interessiert sich dafür, ob Du Dich hinsetzt und schreibst. Es liegt in Deiner Verantwortung, in Deiner Hand. Der Welt ist es egal, ob noch ein Buch entsteht. Selbst Deinen Freunden wird es oftmals egal sein, sofern sie nicht auch Autoren sind.

In der Uni gibt es Abgabetermine. Es gibt Freunde, die sauer sind, wenn Du Dich nicht meldest. Chefs, die wollen, dass Aufgaben erledigt werden. Wenn Du fremdbestimmt bist, kommen die Aufgaben wie von selbst und ebenso die Dringlichkeit sie zu erledigen.

Als Autor hast Du eventuell eine Deadline, wenn Du einen Verlag hast. Aber als Selfpublisher? Wer tritt Dir in den Hintern? Wer kommt und sagt: Du wolltest doch fertig sein? Wer legt Dir den Auftrag auf den Tisch, doch bitte das Buch zu Ende zu schreiben?

Alle Antworten, die Du Dir auf die obigen Fragen gibst, stehen an der Spitze der Pyramide. Sei es, dass Du Sänger, Rennfahrer, erfolgreicher Bio-Landwirt oder Autor werden willst. Das passiert nur, wenn Du herausfindest, welche der vielen, vielen Aufgaben die Du jeden Tag zu bewältigen hast, Dich Deinem Ziel näher bringen und diese verfolgst. Stur, konsequent, in kleinen Schritten. Meinetwegen nur zehn Minuten am Tag, aber dafür hartnäckig.

Das ist der allererste Schritt. Vom Wunsch, zum Ziel, zur Aufgabe. Wenn Du diese Aufgaben identifiziert hast, musst Du noch herausfinden, wie Du es schaffst, sie im Auge zu behalten, sie zu fokussieren. Prioritäten zu setzen, denn Du merkst schon, es ist nicht förderlich NUR das eine oder NUR das andere zu machen. Wenn Du jeden Tag schreibst, dafür alles andere liegen bleibt ist das schlecht für Deine sozialen Kontakte, für Dein Wohlbefinden und vieles andere.

Die gute Nachricht: Es geht. Die schlechte: Es geht nur mit Deinem Einsatz und Willen. Aber wenn Du hier konsequent bist, wirst Du Erfolge sehen. Sei es, weil Du es überhaupt schaffst, zu schreiben oder weil Du irgendwann tatsächlich ein Buch veröffentlichst.

Es gibt eine unerschöpfliche Menge an Tools, Tipps und Ratgebern. Wichtig ist herauszufinden, was für Dich funktioniert. Keine App der Welt, kein Ratgeber wird das für Dich lösen können. Sie können alle nur Tipps, Richtungen geben.

Welche Erfahrungen ich mit welchen Tools, Ratgebern und Blogs gemacht habe, werde ich hier nach und nach posten.

Damit genug von mir. Nun ran ans Schreiben – oder was auch immer Deine Träume sind 🙂


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Augenschelm fragt: Markus Heitz


Ich bin wirklich glücklich und stolz, dass ich Markus Heitz für ein Interview auf meinem Blog gewinnen konnte. Heitz ist gebürtiger Saarländer und lebt immer noch dort, im Oktober 1971 geboren, OldSchool-Grufti und Vollblut-Kreativer.

Den aktuellen Roman „Wédōra – Staub und Blut“ findest Du überall im Buchhandel, von lokal bis Internet, darin geht es um Folgendes:

„Eine abgelegene Wüstenstadt. Eine Million Bewohner. Neun Stadtviertel. Neun intrigante Statthalter – und über alle befiehlt ein mysteriöser Herrscher aus seinem Turm heraus. Es ist an der Zeit für eine neue Welt, neue Gefahren und: neue Helden! Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, nur hier können Karawanen, Kaufleute und Reisende Wasser und Schutz finden. Ungefähr eine Million Bewohner, neun Stadtviertel, neun intrigante Statthalter, und über alle befiehlt ein mysteriöser Herrscher aus seinem Turm heraus. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija. Doch Wédōra steht kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die Grotte mit der unerschöpflichen Quelle, die die Stadt zum mächtigen Handelszentrum hat aufsteigen lassen, war einst das größte Heiligtum der Wüstenvölker. Mit einer List verschafften sich die Kaufleute die alleinige Verfügungsgewalt über das Wasser. Nun rufen die geheimnisvollen Stämme der Wüste zum Sturm auf die mächtige Stadt. Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für viele Seiten interessant sind.“

Wenn ihr Markus Heitz folgen wollt, könnt ihr das auf mahet.de oder bei TWITTER & FACEBOOK.

 

Interview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Ja, kann ich. Glücklicherweise seit 2004; vorher war ich im Hauptberuf Journalist und habe nebenbei Bücher geschrieben. Das hat sich seit „DIE ZWERGE“ geändert. Schreiben hat viel mit Disziplin, Ausdauer und Durchhalten zu tun. Das darf man, bei allem Talent und Spaß, niemals vergessen.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu schreiben und seit wann schreibst du?

Seit ich 14 Jahre alt bin. Es gab schlicht den Wunsch, Geschichten zu erfinden und eigene Welten zu bauen. Spaß. Das hat sich nicht geändert. Bis heute.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichen?

Kann man so nicht sagen. Wenn man schreibt, weil man nicht anders kann, gehört der Gedanke an das eigene gedruckte Buch dazu.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Wohlwollendes Nicken. Aber meine Eltern fühlten sich zuerst sicher, weil ich ursprünglich auf Lehramt studierte. Dann wechselte ich auf Magister, wurde Journalist und dann hauptberuflicher Autor.

Zweiter Teil: Das Publizieren

5. Ist Verlagspublikation oder Selfpublishing dein Weg?

Verlag. SP höchstens mal testweise für Kurzgeschichten oder Projekte, bei denen die Verlage wegen vermeintlicher Unwirtschaftlichkeit abwinken.

6. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

Es war damals (1999) der einzige Weg. Meinen ersten Vertrag unterschrieb ich im Jahr 2000, der erste Roman erschien 2002: „Ulldart“, Band 1.

7. In welchem Genre schreibst Du?

Phantastik, Mystery, Horror, SF, Kinderbuch (kein Scherz).

Dritter Teil: Gewohnheiten

8. Wie sieht Dein gewöhnlicher Schreibtag von morgens bis abends aus?

Schreiben, plotten, basteln, tüfteln. Ideen vervollständigen, neue Ideen haben. Und zwischendurch Alltag.

9. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Stringent, nach Plot und Plan. Erst der Hintergrund, dann der Plot, dann an den Roman.

10. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

Immer. Es werden so 80 sein und mehr. Aber ich unterscheide nicht zwischen Alltag & Schreiben. Alles ist eins.

11. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Vier bis fünf Mal.

12. Wie wichtig ist für Dich die Struktur Deiner Geschichte?

Der Garant für’s zügige Schreiben, weil mich das Nachdenken über den Ausgang bzw. den Fortgang der Story nicht aufhält.

Vierter Teil: Inspirationen

13. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

Ich habe vorher keines gelesen. Und danach auch nicht. Learning by readings books and writing.

14. Was war der beste Ratschlag, den du in Bezug auf das Schreiben erhalten hast?

Ich bekam keinen. Klingt komisch, ist aber so. Abgesehen davon, es lieber sein zu lassen und einen Beruf zu erlernen, der sicher ist. Ich hab’s versucht. 😀

15. Welche drei Bücher haben dich am meisten inspiriert und warum?

Gab es in der Form nicht. Ich mag Lovecraft, Storm und Poe als herausragende Erzähler.

16. Wie motivierst Du Dich zum Schreiben?

Alles ist Spaß, denn es zwingt mich keiner, das zu schreiben, was ich schreibe. Wenn es keinen Spaß mehr macht, muss ich mir einen anderen Job suchen

17. Was sind Deine besten Tipps, wenn es darum geht Deinen Roman an den
Mann zu bringen?

Am besten zu einem Verlag.

Wie Du an einen passenden Verlag kommst? Zum Glück gibt es die Frankfurter Buchmesse, und die wiederum hat eine tolle Website. Auf der kann man Verlage nach Genres auflisten lassen, und schon hat man eine enorme Auswahl an Kandidaten samt Anschrift. Notfalls hilft auch der nette Buchhändler um die Ecke mit einem Verzeichnis aus. Bei der Gelegenheit kannst Du gleich einen Termin für eine Lesung vereinbaren. ;o)

Um ein Manuskript anzupreisen, brauchst Du eine Portion Mut, Selbstvertrauen und: -ein Exposee des Romans, das Du erstellst, indem Du Deine Stichwortgliederung ausformulierst und einen Gesamteindruck schaffst. Dazu fügst Du noch eine kurze Beschreibung der Hauptpersonen hinzu -eine Leseprobe. Sie ist der Köder. Nimm eine Stelle, die Dir und Deinen Lesern sehr gut gefallen hat und die zirka 30 DinA4-Seiten Umfang hat. Das Format: 30 Zeilen pro Seite, 60 Zeichen (inklusive Leerzeichen) pro Zeile.

Die Leseprobe musst Du durchnummeriert ausdrucken. Noch besser ist, auf jede Seite auch noch Deinen Namen und die Kontaktadresse vermerken, falls die Leseprobe vom Anschreiben getrennt werden sollte. Nimm weißes Papier und hefte die Seiten zusammen. -ein Anschreiben, in dem Du Dich kurz vorstellst, den Umfang und die Art des Romans (Genre) sowie dein Zielpublikum erläuterst.

Und dann? Warten. :o) Von Absagen bloß nicht entmutigen lassen. Durchhalten, lautet die Parole. Never surrender!

18. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Wenn man die Bibel als Roman definiert, dann Jesus. Nur um zu sehen, ob er in echt auch ein Hippie war, wie es in der Bibel rüberkommt. Ohne die Bibel, mh, schwierig. Sauron. Muss schwer sein, so als Auge. Hat ja auch keinen Spaß mehr am Leben. Da wäre ich auch wütend. Vielleicht hat ihm einfach keiner zugehört und Plätzchen mitgebracht, denn: Das AUGE isst ja mit. 🙂

19. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben. Was wünschst du dir?

Ein Buch zu schreiben, dass die Welt mit einem einzigen Satz nachweislich zum Guten verändert. Bämm. Literaturnobelpreis obendrauf. 🙂

20. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

Wie schon erwähnt: Disziplin, Ausdauer und Durchhaltevermögen. Kritikfähigkeit hilft ebenso. Und Lernfähigkeit.

21. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit
dem Schreiben begonnen hat?

Weiterschreiben, dranbleiben. Die meisten geben zu schnell auf.

Fünfter Teil: Organisation

22. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Im besten Fall wird man entdeckt. Phantastik und Fantasy waren meisten das, was man heute AllAge nennt.

23. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?

Zeitmanagement, fokussieren, Prioritäten setzen.

24. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher Quälerei?

95% Spaß, 5% Anstrengung, aber NIE Quälerei.

25. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Immer nur eines nach dem anderen und Pausen zwischen Überarbeitungsphasen für „Kleinigkeiten“ nutzen.

26. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im Bezug auf das Schreiben?

Tee trinken, ran ans Projekt, auf die innere Stimme hören.

27. Wie stehst du zu den Begriffen Autor, Schriftsteller, Hobbyautor?

Jeder so, wie er es mag. Autor ist der umfassendste Begriff von allen.

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Höhere Marge bei Beteiligungen, d.h. die von der Gewerkschaft geforderten 10% zu Beginn der Staffelung bei ALLEN Printbüchern.

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

Workshops und Lehrgänge habe ich nie besucht. Korrektoren kenne ich nicht persönlich. Von den freien LektorInnen arbeite ich gerne mit Hanka Jobke (Lektographem) zusammen, und bei Covern empfehle ich Anke Koopmann (Designomicon).

Liebe Markus, vielen Dank für Deine Antworten. In meinem „über mich“ habe ich mich bereits als Markus Heitz Fan geoutet, von daher könnt ihr euch vorstellen, wie glücklich ich über die Antworten bin.

Der Einblick eines erfahrenen Vollprofis ist goldwert.

Alle bisherigen Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

Wenn Du keine Interviews mehr verpassen willst (was ich Dir empfehle), trage Dich in meinen Newsletter ein. Klicke dazu auf diesen schönen Briefumschlag über den Kommentaren.

Na los, ich warte.

Ich warte immer noch.

Los, los…

Glaub nicht, ich merke das nicht.

Wer weiß, vielleicht bringt es Glück?

Danke 🙂


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Wer schreibt, der bleibt


„Sie gehören wohl auch zu den Menschen, die Organisation für ein Verbrechen halten.“

„Richtig. Man hört schließlich überall von organisiertem Verbrechen. Das Wort Verbrecherorganisation kommt ja nicht von ungefähr. Damit will ich nichts zu tun haben.“

„Ich dachte auch eher an die Organisation ihres Arbeitsplatzes.“

„Mein Arbeitsplatz hat eine eigene Organisation?“

„So wie ich das sehe nicht, nein.“

„So ein Glück, für einen Moment haben Sie mich ganz schön erschreckt.“


Am ersten Arbeitstag stand ich mit einem Lächeln im Büro. Endlich der langersehnte neue Job. Firmenkunden, wow. Man steckte mich zu Kollegen A, zu Kollegen B, zu Kollegen C.

A gab mir eine Aufgabe. B gab mir zwei, C gab mir fünf. Am nächsten Tag hatte ich gerade einmal eine davon erledigt, weil ich die Hälfte nicht verstand, die ganzen Infos direkt wieder aus meinem Hirn herauspurzelten und drei neue Aufgaben dazu kamen.

Ich notierte alles auf einem Post-It, klebte ihn irgendwohin und vergaß, wo das war. Manchmal verstand ich meine eigene Notiz nicht. Andere Kollegen erfuhre, dass ein neuer Trainee da war und schoben mir allerlei Kram auf den Tisch, der den Stapel wachsen und wachsen ließ. Ich fing immer an das abzuarbeiten, was mir als letztes auf den Tisch gelegt wurde.

Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass ich etwas ändern musste. Ich bin von Natur aus vergesslich, ein wenig unordentlich und schlecht organisiert. So gesehen bin ich der Prototyp eines Kreativen. Ich gehe von Raum A nach Raum B um etwas zu holen, während meine Gedanken sonstwohin wandern. Dann stehe ich in Raum B und habe vergessen, was ich dort wollte.time-273857_1920

Bei der Arbeit ist das hinderlich. Beim Schreiben ist das hinderlich. Es ist sogar zu Hause beim Ordnung halten hinderlich. Ich setze hierbei relativ viel auf Gewohnheiten, aber es gibt noch eine Reihe anderer Möglichkeiten.

Von Autoren höre ich immer wieder, dass Selbstorganisation unnötig und eher hinderlich für die Kreativität sei.

Ich hätte bis heute wahrscheinlich noch kein einziges Wort zu Papier gebracht, wenn ich mich nicht mit diesem Thema und dem damit verbundenen Blick auf sich selbst beschäftigt hätte.

Wieso ich der Meinung bin, dass wir als Selfpublisher und Autoren uns irgendwie organisieren müssen? Nun, die meisten von uns können vom Schreiben nicht leben, dass bedeutet, wir haben noch einen anderen Beruf. Wir haben noch eine Familie und Freunde. Wir haben vielleicht (wenn auch sehr selten) andere Hobbies. Ich habe mich mal zehn Minuten hingesetzt und ein Schaubild erstellt. Hier geht es nur um das Schreiben und die Übersicht ist nicht vollständig.

Autorenleben - Whiteboard

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da kommt schon einiges zusammen, wenn man sich das einmal vor Augen führt.

Die Basis überhaupt um Dinge geregelt zu bekommen, ist sie nicht zu vergessen. Das klingt banal, aber wie ich schon gesagt habe, wird das schwieriger mit der Zahl der Aufgaben. Viele von uns, mein früheres Ich inklusive, sind der Meinung, dass man sich Dinge irgendwie merken kann, oder um es mit Oma zu sagen: „Wenn ich es mir nicht merken kann, war es nicht wichtig.“

In der Realität führt das oft dazu, dass man immer nur das macht, was einem zuletzt in den Sinn kommt oder was uns jemand zuletzt zugerufen hat.

Jetzt kommen bei uns neben den klassischen Aufgaben aber noch Ideen für Bücher hinzu. Einfälle für Plotwendungen, Charaktere oder Worldbuilding. Das alleine nicht zu vergessen, ist schon eine Herausforderung. Was passiert da nur mit den anderen Aufgaben?

Manchmal muss man Tabula Rasa machen. Einen Moment inne halten und den Kopf leeren. Erstmal sammeln, was überhaupt da ist und das aufschreiben.

Ich mache das mit der gleichen Technik, wie ich das Schaubild oben erstellt habe, einer Aufgaben Mind-Map. Daraus ergeben sich automatisch die Schritte, die man als nächsten machen muss. Ich empfehle, möglichst kleine Schritte zu wählen. Wenn ich oben zum Beispiel „Recherchieren“ geschrieben habe, ist das natürlich Nebel in Tüten und hilft nicht. Da müsste noch konkreter folgen für was recherchiert werden soll und wonach gesucht werden soll. Dann, sollte Dr. Google nicht genügen, ruhig schon Namen und Telefonnummer notieren und „anrufen“ dazu schreiben – dann haben wir eine richtige Aufgabe 😉

Ich persönlich stehe auf Listen und schreibe das ganze hinterher in eine solche, aber viele von uns sind eben keine Listentypen – da kann man direkt von der Mindmap arbeiten oder sich etwas anderes überlegen – den Zauberhut zum Beispiel. Was das ist, verrate ich ein anderes mal. Es gibt schöne Mittel – tolle Notizbücher, Arbeitsbücher und bunte Onlinetools, die auch für den Kreativen geeignet sind.

Vielen von uns werden Notizbücher liegen; Autoren lieben Notizbücher und sind glücklich, wenn sie mit irgendwas vollschreiben können. Burkhard Heidenberger von Zeitblueten.de empfiehlt ein Superbuch. Ich arbeite ebenfalls mit einem Notizbuch, habe aber für meinen Bürojob und das Schreiben noch jeweils projektbasierte Listen, die mir helfen den Überblick zu behalten. Beim Schreiben nutze ich neben einem Notizbuch auch ein Onlinetool, weil ich viel im Zug arbeite und meine Ideen so vernetzt bleiben.

Die Liste der Tools die ich probiert habe ist lang und ich werde in der nächsten Zeit auf die einzelnen Dinge eingehen und sie in der „Tooltime“ ablegen. Ich habe zig Kurse besucht und eine ganze Reihe Bücher gelesen. Ich werde auch ein wenig über mein Zeitmanagement schreiben – das ist was für alle, die wie ich Chaoten sind und denen das Organisieren und Aufgaben abarbeiten nicht in die Wiege gelegt wurde.

Wie geht ihr mit den Dingen des Lebens um? Seid ihr Naturtalente? Vergesst ihr nie etwas, oder geht bei euch auch immer alles unter, bis jemand in der Tür steht und euch nett daran erinnert? Schreibt in die Kommentare.

Ach – und trage Dich doch bei der Gelegenheit in meinen Newsletter ein 🙂


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Zu viel des Guten


„Alles, was zu viel ist, wird der Natur zuwider“

– Hippokrates von Kos


Ich muss noch zehn Aufgaben erledigen heute. Da sind noch drei Blogs die ich lesen will, vier Bücher. Arbeite ich jetzt an Projekt eins, zwei oder drei weiter? Die Rezension für einen befreundeten Autoren  muss ich auch noch machen. Twitter eben checken und Facebook und Instagramm und Snapchat und Pinterest. Oh, eine Nachricht auf Whatsapp! Der Chef kommt rein, schnell das Handy weg. Dann noch ran an meinen Charakter, ich muss noch einen Persönlichkeitstest für ihn machen und mindestens ein Zwanzig-Seiten-Interview erstellen. Dann ich brauche noch die Grundlagen der Philosophie meiner neuen Rasse und muss heraufinden, welche Auswirkungen das auf die Grammatik des Volkes hat.

Boom.

Es ist eine alte Erkenntnis, dass man sich mit Aufgaben übernehmen kann. Die letzten Tage standen bei mir voll und ganz unter dem Gestirn des Zuviel im Zeichen des Ach leck mich doch. Zu viel lauert überall. Zu viele Aufgaben, zu viele Ziele. Zu viel zu tun. Aber ich habe ein ganz anderes zu viel bei mir entdeckt. Zu viele Adjektive, zu viele Adverbien, das kennt man als Autor. Aber zu viele Details?

Entgegen aller Empfehlungen habe ich einen unüberarbeiteten Entwurf meines Buchs an eine Autorenkollegin gegeben und gebeten, darüber zu gucken. In mir rumorte es seit Wochen. Etwas stimmte mit meinem Buch nicht. Die Hauptfigur wusste nicht, wo sie eigentlich hin wollte. Irgendwas fehlte, dachte ich. Dazu sollte die Meinung eines Autors her. Von jemandem, der auf die richtigen Stellen schaut.

Meine Einschätzung deckte sich mit dem Feedback.

Der Antagonist war ganz gut ausgearbeitet. Das Gefühl hatte ich auch, aber der Protagnonist war blassnäsig und beliebig. Wie kommt das? Ich habe doch nach bestem Wissen und Gewissen ausgearbeitet. Ich hatte doch das Äußere beschrieben, das Innere, Konflikte entwickelt um sein Verhalten in frog-1339896_1920Streitsituationen zu erspüren. Ich hatte viel mehr Arbeit in den Protagonisten investiert, als in den Antagonisten. Am besten gefiel der Kollegin eine Nebenfigur, die ich auf gerade mal einer Seite erstellt habe.

In meinem Charakter sollte alles hinein, er sollte so echt, so dreidimensional wirken wie es nur ging. Wieso war genau er der blasseste von allen?

Es passierte das Gleiche das passiert, wenn man sich zwanzig Aufgaben auf einmal vornimmt. Oder wenn man versucht, zehn Gewohnheiten in einer Woche zu verändern. Ich bin in alle Richtungen gleichzeitig gelaufen. Meine Hauptfigur war alles und nichts zugleich.

Die letzten Tage habe ich mit einer Kurzgeschichte verbracht und mein Hauptwerk einfach liegen lassen. Dazwischen habe ich mir Gedanken gemacht und ein paar Schreibratgeber durchstöbert. Ich wollte lediglich die Denkrichtung ändern. Dabei erinnerte ich mich daran, dass ich ein ähnliches Problem schon einmal hatte, als ich die Story meines Romans auf zehn Seiten zusammenfassen sollte und es mir nicht gelang.

Prägnante Kürzungen. Kurz fassen. Generell nicht meine Stärke.

Für Romane haben wir die Prämisse. Diesen einen bedeutungsschwangeren Satz der uns helfen soll, den Fokus zu behalten.

Wieso haben wir so etwas nicht für Charaktere? Oder für die Welt in der unser Held herum läuft? Einen Anker, zwei Sätze, die mich durch die Geschichte leiten.

Der Grund ist wahrscheinlich die Angst, dass die Charaktere zu eindimensional wirken. Jeder zweite Blogbeitrag handelt davon, wie man Charaktere vielschichtig macht, wie man sie so lebendig wie möglich macht und jedes mal denke ich mir: „Wie soll man DAS alles umsetzen ohne den roten Faden zu verlieren?“

Ein blasser Charakter ist die Nemesis für jeden Autor. Der Satz, der wie ein Damoklesschwert über jeder Rezension hängt. Wir tun alles, damit unsere Charaktere nicht mit diesem Prädikat ausgezeichnet werden. Viele Autoren lösen das durch möglichst viel. Sie lassen den Charakter einfach jede erdenkliche Situation durchleben, jede Emotion mitnehmen, die man sich nur vorstellen kann.

Ich habe eine Idee. Die Idee es anders zu machen und die werde ich nun umsetzen. So wie es auch auf der Arbeit funktioniert. Wie es mit Zielen und Gewohnheiten funktioniert. Mit Fokus! Weniger ist mehr, radikal entrümpeln. Im ersten Entwurf muss die Skizze stehen, messerscharf. Dann, erst dann, nehme ich die Farbe und beginne mit den Schattierungen. Ob das funktioniert? Das weiß ich noch nicht. Wir werden es sehen.

Es hat meine Geschichte schon einmal weit nach vorne gebracht, mal sehen, ob es noch einmal hilft.

Wie macht ihr das? Charaktertests? Interviews? Zwanzig Seiten über die Vergangenheit des Charakters? Oder ist auch für euch weniger mehr?


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Augenschelm fragt: Nike Leonhardt


Heute konnte ich Nike Leonhard für ein Interview auf meinem Blog gewinnen. Nike ist eine Kollegin aus Frankfurt, die sich für das kleine Format entschieden hat.

Sie schreibt phantastische und historische Kurzgeschichten und Erzählungen, die sie unter dem Label Codex Aureus digital veröffentlicht. Außerdem bloggt sie über Fantasy und Selfpublishing. Ihre aktuelle Erzählung „Steppenbrand“ findest Du auf Amazon, sowie allen Händlern der Tolino-Allianz (Hugendubel, Mayersche, Weltbild, Thalia etc.)

Steppenbrand erzählt vom scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg von Dejasir no’Sonak, dem schon bei der Geburt Reichtum, Schlachtenglück und ein langes Leben vorausgesagt wurden. Die Prophezeihung erfüllt sich – aber anders als gedacht und bedroht am Ende den Fortbestand eines ganzen Volks. Dejasir aufzuhalten, wird zur Frage nach Leben oder Tod.

Wenn ihr Nike Leonhard folgen wollt, könnt ihr das über ihr Blog: https://nikeleonhard.wordpress.com, Twitter https://twitter.com/nike_leonhard oder Facebook: https://www.facebook.com/Nike-Leonhard

Interview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Vom Schreiben leben? Nein, das ist (noch) ein schöner Traum. Zum Glück habe ich (Achtung Klischee!!!)einen gut verdienenden Mann, so dass ich wirtschaftlich nicht darauf angewiesen bin, mit dem Schreiben Geld zu verdienen.
Nebenbei lektoriere ich gelegentlich für einen Kleinstverlag und führe höchst erfolgreich ein kleines Familienunternehmen. Das klingt nicht nur besser, als „Hausfrau und Mutter“, sondern ist auch sachlich zutreffender, weil einer meiner Söhne leider schwer krank ist. Dadurch stehe ich in einem regen Austausch mit Ämtern, Ärzten, Krankenkasse, Handwerkern, Hilfsmittelanbietern und Therapeuten. Das „bisschen Haushalt“ erledige ich eher nebenbei.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu schreiben und seit wann schreibst du?

Wann ich genau mit dem Schreiben angefangen habe, kann ich nicht sagen. Meine ersten Geschichten waren kleine Comic-Strips, in der Oberstufe habe ich eine (geschriebene) Geschichte zu einem Wettbewerb eingereicht und damit einen der total lieben Kalender gewonnen, die damals total in waren.
Dann kam eine seeeeehr lange Schreibpause, bis zu meinem ersten Romanversuch Ende der 90er.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichen?

Ich gestehe, dass ich diesen Vorsatz schon hatte, als ich mit dem ersten Roman angefangen habe. Zum Glück ist er nie fertig geworden. (lacht)

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Unterschiedlich aber überwiegend gelassen. Innerhalb meiner Familie dominierte die Ansicht, Schreiben sei immerhin nichts ehrenrühriges. Außerdem hatte ja einen seriösen Beruf (und später Mann und Kinder), da kann man über gewisse Exaltiertheiten hinwegsehen.
Mein Mann hat mich allerdings immer unterstützt und in meinem Freundeskreis überwog von Anfang an Neugier im positiven Sinne.

Zweiter Teil: Das Publizieren

5. Ist Verlagspublikation oder Selfpublishing dein Weg?

Für meine Kurzgeschichten definitiv Selfpublishing.
Für die Romane, die ich unter Pseudonym schreibe, halte ich mir noch alle Optionen offen.

6. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

Verlage fassen Kurzgeschichten nach wie vor nur mit sehr spitzen Fingern an, auch wenn Rowohlt in dem Punkt offensichtlich gerade umdenkt. Andererseits glaube ich an die Zukunft des Formats als Lektüre für den kleinen Lesehunger zwischendurch – egal, ob nun auf dem Smartphone, Tablet oder eReader.
Bei Romanen bin ich gespalten. Einerseits bedeutet Selfpublishing einen riesigen Aufwand, weil man sich um alles selber kümmern muss. Andererseits hat man aber auch deutlich mehr Entscheidungsfreiheit und Kontrolle. Ich glaube, am Ende wird es darauf hinauslaufen, ob mir jemand ein Angebot macht, das ich nicht abschlagen kann.

7. In welchem Genre schreibst Du?

Die Kurzgeschichten sind aus dem Bereich Phantastik und historisches, meine Romane realistische Polizei-Krimis mit starkem regionalem Bezug (allerdings benutze ich da ein Pseudonym).

Dritter Teil: Gewohnheiten

8. Wie sieht Dein gewöhnlicher Schreibtag von morgens bis abends aus?

6:00 Uhr Aufstehen, Kinder hochscheuchen, Frühstück fertig machen, Tabletten für Kind 2 rauslegen, Sachen für die Schule vorbereiten, Kaffee kochen, mit Kaffee aufs Sofa plumpsen, Twitter u. Emails checken, Kinder zur Schule scheuchen, einen Blick auf Blogs und Facebook, kalt gewordenen Kaffee austrinken, anziehen, mit dem Hund raus.

Ca. 9:30 – 14:00 Uhr schreiben, editieren, lektorieren, Ideen für Cover, Klappentexte o. Marketing entwickeln, Buchhaltung usw. (Jedenfalls in der Theorie, d. h. wenn kein Kind krank wird und keine anderen Termine anstehen)

Ab 14:00 Uhr Haushalt, Behandlungstermine für Kind 2, Familienleben, 2. Kaffee, Twitter.
Abendessen

Blogartikel schreiben, lesen, spielen oder Handarbeiten fürs Hobby (Living History).
Gegen 23h: Hund raus, schlafen

 

9. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Die Idee bzw. das Thema kommt meist von alleine. Oft springt es mich unvermittelt an, während ich eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt bin.

Die Herausforderung besteht darin, ihr Form und Struktur zu verleihen. Dazu spiele ich die verschiedenen Möglichkeiten durch, bis sich grob die Geschichte herauskristallisiert. Das heißt, ich kenne jetzt ungefähr den Anfang und das Ende und habe eine Vorstellung, was im Mittelteil passieren könnte.

Außerdem habe ich dann schon eine grobe Vorstellung der handelnden Personen.

Diese Storyline schreibe ich auf und daraus wächst nach und nach die Handlung.

10. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

Gute Frage. Das hängt ein bisschen davon ab, woran ich gerade arbeite und in welcher Phase ich mich befinde. Im Durchschnitt sind es vermutlich 20 – 25. Im November, während des NaNoWriMo wird es deutlich mehr. Dafür gibt es aber auch Phasen, in denen ich gar nichts tue.

11. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Auch das lässt sich schwer sagen. „Steppenbrand“, die Geschichte, die ich zuletzt im Codex Aureus veröffentlicht habe, hat bestimmt zehn Überarbeitungen hinter sich, wenn nicht sogar mehr. „Der Kinobesuch der alten Dame“ (nachzulesen auf meiner Webseite), war nach fünf Durchgängen fertig.

12. Wie wichtig ist für Dich die Struktur Deiner Geschichte?

Sehr. Je komplexer der Inhalt ist, desto wichtiger wird die Struktur. Anderenfalls verliert man als Leser zu leicht die Übersicht und damit auch schnell das Interesse.

Vierter Teil: Inspirationen

13. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

Das schon erwähnte von Fritz Gesing (Kreativ schreiben, Dumont Verlag) und „Romane und Kurzgeschichten schreiben“ von Alexander Steele (Hrsg.) aus dem Autorenhausverlag.
Beide sind sehr umfassend, mit vielen Praxistipps und Checklisten.

Das Buch von Alexander Steele liest sich ein bisschen besser und abwechslungsreicher, hat aber den Nachteil, dass ausschließlich amerikanische Schriftsteller zitiert werden, deren Werke hier oft gar nicht verlegt werden. Da ist Gesing vorzuziehen, weil er hauptsächlich Beispiele aus der deutschen bzw. europäischen Literatur anführt.

14. Was war der beste Ratschlag, den du in Bezug auf das Schreiben erhalten hast?

Weitermachen. Das Ergebnis ist vielleicht nicht so gut, wie du hoffst, aber mit großer Wahrscheinlichkeit längst nicht so schlimm, wie du befürchtest.

15. Welche drei Bücher haben dich am meisten inspiriert und warum?

Oje, das klingt jetzt vielleicht anmaßend, aber ich habe so viel gelesen, dass ich beim besten Willen nicht sagen kann, wo genau meine Inspirationsquellen liegen. Da ist natürlich der Herr der Ringe, zu dem ich meine ersten Fanfictions geschrieben habe. Aber noch davor kamen diverse Märchen aus aller Welt, die europäischen Sagen aus Antike und Altertum, die Bücher von Astrid Lindgren und Michael Ende, ganz viele Krimis …
Sorry, aber was mich davon wie beeinflusst hat, weiß ich wirklich nicht.

16. Wie motivierst Du Dich zum Schreiben?

Da brauche ich keine Motivation. Die ist immer da. Das einzige Problem ist, die Ablenkungen auszuschalten. Vor allem die durch Familie und Internet.

17. Was sind Deine besten Tipps, wenn es darum geht Deinen Roman an den
Mann zu bringen?

Jetzt hast du mich kalt erwischt. Ich blogge zwar über Buchmarketing, aber den heißen Tipp bzw. den absoluten Erfolgsweg habe ich selbst noch nicht gefunden. Deshalb bin ich immer auf der Suche nach heißen Marketingtipps und Verkaufsstrategien. Wer welche hat, immer her damit. ^^

18. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Noch eine schwierige Frage. Ehrlich gesagt glaube ich, dass mir die meisten Romanhelden viel zu anstrengend oder zu langweilig wären, um es länger als eine Stunde mit ihnen auszuhalten. Ok, ein Gespräch mit Sam Gamdschie über die verschiedenen Zubereitungsmöglichkeiten für Kartoffeln würde vermutlich länger dauern – aber einen ganzen Tag? Die strahlenden Helden finde ich sowieso meist schon beim Lesen hohl und so eine gebrochene, aber hyperaktive Gestalt ist zwar im Roman sehr unterhaltsam, aber im echten Leben reicht mir die Unruhe und das Chaos, das meine Kinder verbreiten.

Wobei: Mit V. I. Warshawski, der Privatdetektivin aus den Romanen von Sara Paretsky könnte ich es vermutlich wirklich länger aushalten. Die ist taff, intelligent, hat einen angenehmen Humor und mag Hunde. Mit ihr durch Chicago zu streifen und den Tag bei einem Black Label im Golden Glow ausklingen zu lassen, könnte mir gefallen.

19. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen
Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben.
Was wünschst du dir?

Was für eine Frage! Lebenslangen freien Zugriff auf alle je verfassten Bücher natürlich. Damit käme ich zwar vermutlich nicht mehr zu Schreiben, aber zu LESEN! ^^

20. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

1.    Ausdauer
Ein Roman ist kein Marathon, sondern eher moderner Fünfkampf. Das Manuskript fertig zu schreiben, ist nur die erste Disziplin, aber schon das dauert und danach folgen noch mehrere Überarbeitungsdurchgänge und die Konfrontation mit Testlesern. Ganz am Ende steht die Ochsentour der Agenten- bzw. Verlagssuche bzw. für Selfpublisher das Marketing.
Und nicht zu vergessen: Mit einem Roman ist es in der Regel nicht getan. Ein Autor bzw. Schriftsteller zeichnet sich dadurch aus, dass er dauerhaft schreibt.

2.    Mut
Als Autor muss man bereit sein, Grenzen zu überschreiten und anzuecken. Nur wer zulässt, dass die Geschichte einen selbst berührt, wird auch seine Leser berühren. Aber das macht das Schreiben teilweise auch verdammt schwer.

3.    Selbstbewusstsein
Ohne Selbstbewusstsein schreibt man höchstens für die Schublade. Die Welt wartet keinesfalls auf Autoren, um sie mit Geld, Ruhm und Ehre zu überhäufen. Das zeigt sich schon, wenn du irgendwo erzählst, dass du an einem Buch schreibst. Sofort wird dein Gegenüber erklären, das habe es auch schon lange vor oder wenigstens mit einem Bekannten kontern, der genau das Gleiche tut. Aber auch, wenn du veröffentlichst, wird es nicht unbedingt leichter. Ja, es gibt Bücher, die einen phantastischen Start hinlegen. Aber die meisten Neuerscheinungen werden schlicht ignoriert. Gerade die von Selfpublishern. Und wenn sie nicht ignoriert werden, muss man mit schlechten Kritiken leben, auch wenn die noch so unberechtigt sind.

4.    Lernfähigkeit
Selbstbewusstsein ist das Eine, aber als Autor muss man auch mit Kritik umgehen können. Damit meine ich, berechtigte Kritik anzunehmen und wenigstens zu versuchen, daran zu wachsen. Besser zu werden.
Ich habe in verschiedenen Schreibgruppen Autoren erlebt, die von allem frei sein wollten. Frei von den Zwängen des Genres, den überkommenen Erzählmustern und möglichst auch den kleinkarierten Regeln der Rechtschreibung. Kann man machen. Nur sollte man dann kein begeistertes Echo erwarten. Meiner Meinung nach muss man Regeln erst mal (er-)kennen, bevor man sie bricht.

5.    Neugier
Alles, was einem im Leben passiert, kann irgendwo in einer Geschichte wieder auftauchen. Je mehr man zulässt, desto mehr Stoff hat man. Außerdem schützt Neugier davor, in Klischees und Stereotype zu verfallen.

21. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit
dem Schreiben begonnen hat?

Die Rohfassung ist immer Mist, also gib nicht auf. Laufen- und sprechenlernen ist so viel schwerer, aber das hast du trotz aller Anlaufschwierigekeiten auch gepackt, weil du nicht aufgegeben hast.

Fünfter Teil: Organisation

22. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

Bin noch auf der Suche. Aber gerade heute habe ich einen schlauen Satz über Marketing gelesen. Er lautete (aus dem Englischen übersetzt)sinngemäß, beim Marketing gehe es nicht darum, Käufer für die eigenen Bücher zu finden, sondern darum, die eigenen Bücher für die Käufer auffindbar zu machen. In diesem Sinne hoffe ich, dass meine Zielgruppe irgendwann mich – oder genauer gesagt: meine Bücher findet.

23. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?

Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?
Ich balanciere trotz Johanniskrauttabletten dauernd am Rand einer Erschöpfungsdepression. So lange ich nicht reinfalle, macht das sogar Spaß. Wenn ich doch reinfalle, helfen ein bis zwei Tage Computerabstinenz.

24. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher Quälerei?

Siebzig zu dreißig etwa. Spaß machen das Ausdenken und Plotten. Das Schreiben an sich und das Überarbeiten sind dagegen oft harte Arbeit. Allerdings gibt es auch darin immer wieder Flow Momente, die alles aufwiegen.

25. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Aktuell sind das ein Roman in der Rohfassung, der komplett umgeschrieben werden muss, eine Kurzgeschichte die noch mindestens eine Überarbeitung und ein Korrektorat braucht, bevor sie veröffentlichungsreif ist (sie soll im Oktober erscheinen) und zwei weitere, bei denen die Storyline steht (die sollen zu Weihnachten erscheinen).

26. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im Bezug auf das Schreiben?

Nie im Schlafanzug oder Nachthemd zu schreiben, sondern immer angezogen, um das Gefühl er Ernsthaftigkeit zu haben. Vorher mit dem Hund zu laufen, weil das den Kopf lüftet und die Gedanken in Bewegung bringt und als drittes die Kinder anzublaffen, wenn sie mich zu sehr stören.

27. Wie stehst du zu den Begriffen Autor, Schriftsteller, Hobbyautor?

Autor ist der umfassendere Begriff. Auch Sachbücher, Blog- und Zeitungsartikel haben Autoren. Schriftsteller beschränken sich auf „schöne“ Literatur, also Belletristik mit allen Genres. Vielleicht kann man den Begriff auch noch für Poeten verwenden. Die Begriffe Dichter oder Poet sind nach meinem Gefühl ziemlich aus der Mode gekommen.

Im Gegensatz dazu hat „Hobbyautor“ für mich einen abwertenden Beiklang, in dem unterschwellig Unkenntnis, Stümperei und Naivität mitschwingen. Dabei ist es Fakt, dass nur die wenigsten Autoren von ihren Veröffentlichungen leben können und daher auf ein zweites Standbein angewiesen sind. Deshalb würde ich bei denen, die die Schriftstellerei ernst nehmen, eher von Teilzeitautoren sprechen.

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Den Umsatzsteuersatz von eBooks an den von Büchern angleichen. Es ist ein Unding, dass man für eBooks die volle Umsatzsteuer abführen muss, während für Printausgaben der ermäßigte Satz gilt. So weit ich es verstanden habe, soll diese Ermäßigung der Kulturförderung dienen. Aber die Kultur besteht ja wohl in den Inhalten und nicht im Trägermaterial.
Außerdem widerspricht diese unterschiedliche Besteuerung dem Umstand, dass eBooks (obwohl sie steuerrechtlich nicht als Bücher gelten) trotzdem generell der Buchpreisbindung unterliegen (was ich gut finde).

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

Da ich Coverdesign, Lektorat und Korrektorat bisher immer selbst gemacht habe, fehlt mir da leider die Erfahrung. Aber ich kann die Lehrgänge der Textmanufaktur Leipzig sehr empfehlen. Ihr Leiter, André Hille, war ursprünglich Lektor beim Aufbau Verlag. Er hat hervorragende Kontakte in die Buchbranche und findet immer wieder ganz ausgezeichnete Referenten für seine Kurse. Die sind zwar nicht ganz billig, aber ich habe mehrere besucht und aus jedem sehr viel für mich mitgenommen. Inhaltlich sind die knackig und es wird viel diskutiert. Aber der Umgangston ist immer kollegial und wertschätzend (blödes Modewort, aber mir fällt kein besserer Begriff ein). Wenn ich mal wieder das Gefühl haben sollte, neue Impulse zu brauchen, würde ich zuerst gucken, ob ich bei André fündig werde.

Liebe Nike, vielen Dank für Deine Antworten, es es hat mir viel Spaß gemacht.

Beim nächsten „Augenschelm fragt:“ hat mir einer der erfolgreichsten Fantasyautoren Deutschlands, Markus Heitz, Frage und Antwort gestanden. Freut euch darauf.

Alle bisherigen Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

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Augenschelm fragt: Marcus Johanus


Ich freue mich, euch heute einen ganz besonderen Leckerbissen in der Kategorie „Augenschelm fragt“ präsentieren zu dürfen.

Vielen dürfte Marcus Johanus ein Begriff sein als Mitglied des vielleicht bekanntesten deutschen Autoren-Podcasts, der Schreibdilletanten.

Wie viele andere, so habe auch ich meine ersten Schreibversuche mit den Schreibdilletanten an meiner Seite unternommen und sie sind seit inzwischen 231 Folgen als Inspiration, Unterhaltung und Schreibratgeber an meiner Seite.

Deswegen war ich ganz besonders erfreut, als Marcus sich dazu bereit erklärt hat, die 29 „Augenschelm fragt“ Fragen zu beantworten.

Marcus ist Thriller Autor und 1972 in Berlin geboren. Den aktuellen Roman »Tödliche Wahrheit« findest du überall, wo es E-Books gibt, darin geht es um Patricia Bloch. Sie will nur eines: ein ganz normales Leben führen. Doch als ein Teenager mit übernatürlichen Kräften ist das alles andere als einfach.

Patricia muss sich nämlich nicht nur mit ihrem Gefühlschaos auseinandersetzen, sondern so ganz nebenbei auch noch die Welt retten. Und das obwohl sie gerade erst lernt, ihre Kräfte zu nutzen und unter Kontrolle zu bringen. Als plötzlich Iwan Ostermann wieder auftaucht, der Mann, der einst ihren Vater und viele andere Menschen tötete, geraten Patricia und ihre Freunde in große Gefahr. Der Gegner scheint übermächtig und die Jugendlichen merken bald, dass sie niemandem mehr trauen können.

Vielleicht nicht mal sich selbst …

Wenn ihr Marcus folgen wollt, könnt ihr das auf www.marcus-johanus.de oder bei https://twitter.com/marcusjohanus, https://www.facebook.com/marcus.johanus und https://www.instagram.com/marcus.johanus.

Von Marcus sind bisher folgende Bücher erschienen:

Interview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was51Vb8N3O1DL._SY346_
machst Du, außer zu schreiben?

Nein, ich kann nicht vom Schreiben leben. Ich möchte das auch gar nicht. Ich bin Lehrer für Psychologie, Politikwissenschaft und Deutsch – und das bin ich sehr gerne. Mich erfüllt und bereichert die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, sodass ich sie nicht missen möchte.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu schreiben und seit wann schreibst du?

Ich schreibe, seit ich richtig denken kann. So mit vier Jahren ungefähr muss ich das erste Mal einen Superheldencomic in die Hand bekommen haben. Der hatte mich nachhaltig in seinen Bann geschlagen. Ich konnte nur die Bilder anschauen, weil ich ja noch nicht lesen gelernt hatte. Deswegen dachte ich mir die Geschichten zu den Bildern selbst aus.

Selbst, nachdem ich dann Lesen gelernt hatte, dachte ich mir weiter Superheldengeschichten aus und zeichnete Comics. So mit zehn oder elf Jahren schrieb ich meinen ersten Roman. In der Zwischenzeit hatte ich vor allem Science-Fiction-Literatur entdeckt. Robert A. Heinleins Jugendbücher waren das Größte für mich. Also schrieb ich eine ziemlich schamlose Heinlein-Kopie.
Seitdem schrieb ich Romane, Kurzgeschichten und Artikel.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichen?

Ich schreibe eigentlich nie für die Schublade. Selbst als Grundschüler hatte ich damals kleine Zeitschriften gebastelt, in denen ich meine Texte dann im Verwandten- und Freundeskreis verschenkte.

Es folgte eine Zeit, in der ich viele andere Sachen geschrieben und veröffentlicht hatte. Rezensionen, Fachartikel, Kurzgeschichten – so was halt.

Das erste Mal so richtig in die Hände gespuckt habe ich mit Anfang dreißig. Da dachte ich, jetzt wird es wirklich Zeit, endlich einen Roman in Angriff zu nehmen und zu veröffentlichen.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Positiv bis wohlwollend skeptisch. Von manchen wurde ich belächelt.

Zweiter Teil: Das Publizieren

5. Ist Verlagspublikation oder Selfpublishing dein Weg?

Bisher habe ich beides gemacht.

6. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

Entschieden ist vielleicht ein bisschen das falsche Wort. Ich nutze Gelegenheiten. Zur Zeit haben Autoren viele Möglichkeiten, Romane auf den Markt zu bringen. Ob da der eine besser oder schlechte ist, als der andere, hängt von vielen Faktoren ab, manchmal halt von der Situation.

7. In welchem Genre schreibst Du?

Thriller. Meine Kelltin-Romane »Tödliche Gedanken«, »Tödliche Wahrheit« und die Novelle »Lelana« sind paranormale All-Age Thriller. Zur Zeit schreibe ich an einem Thriller ohne paranormale Elemente.

Dritter Teil: Gewohnheiten

8. Wie sieht Dein gewöhnlicher Schreibtag von morgens bis abends aus?

Ich stehe in der Regel zwischen vier und fünf Uhr morgens auf. Dann mache ich, was ansteht. Entweder hacke ich Wörter in ein aktuelles Manuskript oder ich plane oder überarbeite gerade. An manchen Tagen schreibe ich Blogartikel oder ähnliches.

Diese Zeit ist meine Produktivste, deswegen achte ich darauf, in ihr keinen Social-Media-Kram zu machen, was mir aber nicht immer gelingt.

So zwischen sechs und sieben mache ich mich dann für die Arbeit fertig. Im Laufe des Tages ergeben sich dann Gelegenheiten, kleine Zeitfenster von fünf bis vielleicht dreißig Minuten hier und da, wenn ich in der U-Bahn sitze, Pause habe, auf jemanden oder etwas warte etc. In denen widme ich mich dann sozialen Medien, meinem Blog oder schreibe halt noch mehr, überarbeite ein bisschen usw.

9. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?51AG+BFMCAL

Ich verfolge zunächst eine Grundidee. Davon habe ich mehr, als ich je Romane schreiben könnte. Die Grundidee arbeite ich aus, bis ich zur Überzeugung gelange, dass sie eine gute Grundlage für einen Roman sein könnte.

Dann mache ich mich daran, die Figuren zur Grundidee zu entwerfen. Dabei entstehen auch viele Einfälle zum Plot, die ich festhalte. Diese ordne und entwickele ich mit Hilfe des Sieben-Punkte-Systems zu einem Plotgerüst.

Auf dieser Grundlage verfasse ich ein Exposé. Wenn ich wiederum mit diesem zufrieden bin, schreibe ich ein Treatment, also eine Übersicht aller Szenen des Romans. An denen feile ich in der Regel sehr lange herum, bis ich mit dem ersten Entwurf des Romanmanuskripts beginnen kann.

10. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

Im Schnitt so um die 15 Stunden, schätze ich. Aber das variiert sehr stark.

11. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Schwer zu sagen. Wahrscheinlich so um die sieben bis zehn Mal.

12. Wie wichtig ist für Dich die Struktur Deiner Geschichte?

Eine komische Frage. Ohne Struktur gibt es keine Geschichte.

Vierter Teil: Inspirationen

13. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

Stephen Kings »Das Leben und das Schreiben«. Da sind nicht unbedingt die handfestesten Tipps über das Schreiben drin. Gerade, was das Handwerkliche angeht, macht Stephen King einige Dinge vollkommen anders als ich. Aber es hat mich mehr als jedes andere Schreibbuch berührt und motiviert.

14. Was war der beste Ratschlag, den du in Bezug auf das Schreiben erhalten hast?

Dass es wichtig ist, den ersten Entwurf schnell zu schreiben und unbedingt zu beenden.

15. Welche drei Bücher haben dich am meisten inspiriert und warum?

Neben »Das Leben und das Schreiben« sind das James N. Freys »The Key« und Anna Baseners »Heftromane schreiben und veröffentlichen«.

16. Wie motivierst Du Dich zum Schreiben?

Inzwischen muss ich mich nicht mehr motivieren. Schreiben gehört für mich zu meiner alltäglichen Routine wie Zähneputzen und Kaffee kochen.

17. Was sind Deine besten Tipps, wenn es darum geht Deinen Roman an den
Mann zu bringen?

Ein gutes, professionelles Manuskript.

18. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Doktor Watson.

19. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen
Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben.
Was wünschst du dir?

Dass »Tödliche Gedanken« auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste steht.

20. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

Durchhaltevermögen, Geduld, Empathie, Kreativität, gute Manieren.

21. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit
dem Schreiben begonnen hat?

Mach weiter.

Fünfter Teil: Organisation

22. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

Ich analysiere zunächst meinen eigenen Roman im Hinblick auf Elemente, die ihn im Kern ausmachen. Dann suche ich andere, bereits veröffentlichte und möglichst bekannte Romane und schaue mir Kundenrezensionen auf Amazon, Buchblogs und YouTube-Kanälen an und analysiere wiederum, was welchen Leuten aus welchen Gründen gefallen hat oder halt eben auch nicht.

23. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?

Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und treibe ein bisschen Sport. Ich laufe gerne in der Natur.

24. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher Quälerei?

Quälerei ist es nie, sonst würde ich es nicht machen. Es gibt frustrierende Erlebnisse. Aber die empfinde ich nicht als quälend. Frust gibt es immer und bei allen Dingen im Leben. Den muss man einfach aushalten. Die frustrierenden Erlebnisse sind ja in der Minderheit.

25. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

In der Regel höchstens an zwei.

26. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im Bezug auf das Schreiben?

Früh aufstehen. Viel Planung. Viel Überarbeitung.

27. Wie stehst du zu den Begriffen Autor, Schriftsteller, Hobbyautor?

Inzwischen ist mir die Bezeichnung Romanautor am liebsten, nachdem ich festgestellt habe, dass das für Feuilletonisten ein Schimpfwort ist.

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Die Einstellung einiger Leser und Leserinnen gegenüber den Preisen von Büchern und vor allem E-Books. Mir ist die Schnäppchen-Mentalität einfach fremd. Ich denke tatsächlich, dass Bücher in allen Formen viel zu billig sind. Das ist auf die Dauer für alle Beteiligten nicht gut.

Ich verstehe diese Mentalität nicht. Ein E-Book kostet selten mehr als rund vier Euro. Eine Kinokarte kostet das Dreifache. Das steht in keinem Verhältnis.

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

Am liebsten empfehle ich an dieser Stelle den Podcast »Writing Excuses«. Jeder, der halbwegs Englisch kann und den Gedanken hat, ein Buch zu veröffentlichen, stößt hier auf eine Goldgrube. Zudem macht er einfach unglaublich viel Spaß.

Ich möchte Marcus an dieser Stelle ganz herzlich dafür danken, dass er sich die Zeit genommen hat die Fragen zu beantworten.

Alle Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

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