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Ein Stern, der Deinen Namen trägt


Die Ein-Sterne-Rezension.

Der Albtraum eines jeden Autoren. Faustschlag UND Roundhousekick in einem. Er zielt direkt auf die neuralgischen Punkte des ohnehin empfindlichen Autorengemüts. Kann das sein, MAG da etwa jemand nicht, was ich schreibe? Oh mein Gott! Ich bin schlecht! Mein Schreibstil ist schlecht! Platt. Und erst die Figuren! Jede Wendung vorhersehbar und alles so UNREALISTISCH! Nichts davon ist spannend. Wie konnte ich nur so dumm sein und glauben, ausgerechnet ICH könnte ein Buch schreiben?

Ein wenig Aufmunterung

Du bist Autor. Darum weißt Du ganz genau, was ich mit dem Absatz sagen will. Ich habe in meiner kurzen Autorenzeit schon einige erlebt, die wegen einer negativen Kritik oder einer schlechten Rezension alles hingeworfen haben.

Kann man trotz einer Ein-Sterne-Rezension oder schlechtem Feedback ein guter Autor sein?

Ja. Ich zeige es Dir. Nimm etwas Popcorn, lehn´dich zurück. Und wenn Du mit dem Text fertig bist, schmeißt Du Deine Sorgen über Bord und probierst es, mit Gemütlichkeit an Deinem Text weiterzuarbeiten. Denn eine Ein-Sterne-Rezension gehört zum Autorenleben dazu, wie Currywurst zum Ruhrgebiet.

Also: Ring frei.

Info: Ich habe die Rezensionen die hier zu lesen sind nicht verändert oder korrigiert. Bei einigen habe ich die Überschrift in den Text eingefügt, da sonst der Zusammenhang des Eingangssatzes nicht deutlich würde.


Serienmörder sind Quark

Ein Serienmörder – gähn. Kommt in der Natur selten vor, in der Kriminalfiktion gefühlt in jedem zweiten Buch oder Film. Die langweiligste narrative Struktur ever. Immer, wenn dem Autor gerade nichts mehr einfällt und die Spannung abzusacken droht, geschieht der nächste Mord. Das kann wirklich jeder, der eine Computertastatur bedienen kann. Und am Ende geraten immer die Ermittler selber in Gefahr – und werden immer in letzter Sekunde gerettet. Man will ja auch noch die nächsten Fortsetzung schreiben. Harry, hole schon mal den Wagen.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Jo Nesbos Bestseller „Durst“, dem 11. Teil seiner Harry Hole Serie. Nesbo hat eine Vielzahl von Preisen für seine Reihe erhalten und Weltweit über 240 Millionen Bücher verkauft.

 

Superlative müssen sein

Die schlechteste Geschichte, die ich je gelesen habe. Und ich lese viel. Am Schluss habe ich die Seiten nur noch soweit oberflächlich überflogen, bis geklärt war, um wen es sich bei dem Mann mit dem Gedächtnisverlust denn nun handelt. Das Buch ist schlecht geschrieben und eigentlich nur eine Anhäufung diverser Verschwörungstheorien.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Sebastian Fitzeks Buch Noah, das wie alle seine Bücher ein Bestseller war. Fitzeks Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt und standen allesamt auf der Spiegel-Bestseller Liste. Fitzek ist Träger des Europäischen Preises für Kriminalliteratur.

Alles konstruiert. Ach?

Leider fand ich das Buch sehr langatmig und langweilig. Ich frage mich wirklich, was an diesem Buch spannend sein soll, denn es passiert ja fast nichts. Wenn die Sprache wenigstens ein literarischer Hochgenuss gewesen wäre oder interessante Ideen oder Gedanken vorhanden wären, aber nichts von dem – alles wirkt so konstruiert, lieblos und oberflächlich. Wenn man dieses Buch nicht liest, hat man nichts verpasst.

Eine Ein-Stern-Rezension zu Trudi Canavans „Die Gilde der Schwarzen Magier“. Die Reihe zählt zu den erfolgreichsten Buchreihen der 2000er Jahre. Canavan ist Träger diverser internationaler Preise und schreibt unter anderem für die Serie „Dr. Who“ auf BBC.

Game of Schrott

Nach langem hin und her habe dieses Buch erstanden…..Ich habe es sehr schnell bereut, das Tempo ist lahm, die Geschichte entwickelt sich nicht wirklich. Ich habe mich zum weiterlesen gezwungen, es wurde aber nicht wirklich besser. Mag ja sein das es den ein oder anderen erfreut, mich jedoch erfuellt es mit purer Langeweile. Einem Terry Goodkind kann es jedenfalls nicht das Wasser reichen. Nicht mal mit einem sehr langen Arm. Besser beim Schwert der Wahrheit bleiben!!!!

Eine Ein-Stern-Rezension zu George R.R. Martins „Die Herren von Winterfell“, Teil 1 der Das Lied von Eis und Feuer Reihe. „Die Herren von Winterfell“ war direkt nach Veröffentlichung Platz 1 der New York Times sowie der Wallstreet Journal Bestseller Liste. Er ist vielfacher Träger des verschiedenster Preise, darunter der Nebula Award und der Deutsche Phantastik Preis. Die auf den Büchern aufbauende Fernsehserie ist Träger dutzender Auszeichnungen.

Aliens im Wunderland

Ich habe einige positive Beurteilungen gelesen, muss aber sagen, dass ich das überhaupt nicht verstehen kann. Für mich ist dieses Buch der – völlig misslungene – Versuch, die Geschichte von Alice im Wunderland in die Science fiction zu übertragen. Was als Kinderbuch nett und ansprechend wirkt, ist hier nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Absurditäten. Nein, kein einziger Stern, eher Negativsterne, falls es soetwas gibt.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“. Das Buch zählt zu den einflussreichsten Werken der Popkultur und ist mehrfach auf verschiedene Arten adaptiert worden. Ein Großteil der Wortspiele, Witze und Bezeichnungen des Anhalters,  wie beispielsweise die Antwort „42“ auf komplexe Fragen, sind bis heute Teil der Internetkultur.

Nichts von Spannung zu spüren.

Ist ja nur ein King Roman.

Zuerst einmal möchte ich erwähnen, dass ich das Buch nach mehreren Wochen immer noch nicht zu Ende gelesen habe…und das hat schon etwas zu heißen. Überall hört man über diese Geschichte nur überragend Positives, sodass man gar nicht daran vorbei kommt es unbedingt lesen muss. Doch wurde ich leider recht schnell eines Besseren belehrt. Das Buch ist langatmig, langweilig und vom erwarteten „Horror“ und der Spannung ist, zumindest für mich, rein gar nichts zu spüren. Nachdem ich mich jetzt knapp 1000 Seiten durchgebissen habe werde ich mir den Rest jetzt auch noch „antun“, aber empfehlen kann ich es definitiv nicht.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Stephen Kings „Es“. King hat bis heute über 400 Millionen Bücher verkauft, die in 50 Sprachen übersetzt wurden. Er gilt als König der Horror-Literatur. Das Buch Es wurde zwei mal verfilmt.

Fakten Aneinanderreihung

Es ist mir schleierhaft, warum dieses Buch so gelobt wird. Bis zur Mitte habe ich durchgehalten, dann konnte ich die Langeweile nicht mehr ertragen. Völlig spannungslos werden Fakten aneinandergereiht, die Charaktere bleiben zweidimensional und blass und das ganze Geschehen bleibt völlig an der Oberfläche. Schade, ich hatte gehofft, auf eine anspruchsvolle Serie historischer Romane gestoßen zu sein.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Bernhard Cornwells „Das letzte Königreich.“ Das Buch stand über Wochen in den englischen Bestsellerlisten, sowie die gesamte „Uthred Reihe“. Das Buch wurde in verschiedene Sprachen übersetzt. Seit 2015 wurde eine Serie zu den Büchern gedreht, die in Deutschland auf Netflix zu sehen ist.

Vorhersehbar und ohne Spannung

Ein recht langweiliges Buch ohne wesentliche Spannung. Die Geschichte ist vorhersehbar und immer wieder gleich gestrickt: Der Hauptmatador gerät in nahezu ausweglose Situationen, aus dem Nichts erscheint ein Helfer und schon kann es von vorne los gehen. Wirklich raffinierte Geschichten oder Lebensläufe, Unvorhersehbares und Überraschendes wird nicht erzählt. In diesem Stil hätte man das Buch noch 1000 Seiten weiter schreiben können.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Rebecca Gablés „Die Hüter der Rose“. Der Roman erhielt den silbernen Lorbeer des Sir Walter-Scott Preises. Sie hat bereits mit ihrem ersten Werk über 200.000 Exemplare verkauft und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Historienroman-Autorinnen.

Kein Herz für Klassiker

Ein Klassiker, ein Roman den man gelesen haben muss, ich hatte ihn in 2 Tagen durch so spannend war er, bla bla bla…Meine Devise… ein Buch das man anfängt wird fertig gelesen… ich habe 2 Monate gebraucht und sehr viel Durchhaltevermögen…Diese komplette Geschichte ist so unglogisch und zieht sich so derbe in die Länge. Allein schon wie Rob alles gelingt was er in die Hand nimmt, Sonderstellung, kann die Sprache einwandfrei sprechen und so weiter… Ja man darf in einem Buch auch mal Glück haben, aber hier hat Gordon mit dem Glück sehr übertrieben und es ist einfach sowas von unrealistisch, dass es überhaupt keine Lust gemacht hat zu lesen, allein schon die zeitlichen Aspekte, die nicht übereingestimmt haben.Ich fande es grausam und möchte es euch ersparen, nutzt die Zeit für andere Bücher, für gute 😉

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Noah Gordons „Der Medicus“. Das Buch wurde 1999 zu den zehn beliebtesten Büchern aller Zeiten gekürt und wurde in 42 Ländern verkauft. Allein die deutsche Übersetzug verkaufte sich über 6 Millionen mal. Das Buch wurde in einer deutschen Produktion verfilmt und von über drei Millionen Menschen gesehen.

Kranke Geschichte, schlechter

Schreibstil (auch kein herz für Klassiker)

Alle Welt spricht ueber dieses Buch, es wird in den Schulen gelesen.. was ist dran an der Geschichte? Leider nichts! Tief enttaeuscht hat es mich, es ist furchtbar geschrieben, totlangweilig und die Handlung zieht sich hin. Wie kann man sich nur so eine kranke Geschichte ausdenken und dann auch noch so schlecht darstellen? Ein besserer Schreibstil haette eventuell etwas an der Qualitaet geaendert! Das Buch ist ueberhaupt nicht zu empfehlen!

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Patrick Süskinds „Das Parfum“. Das Buch wurde in 48 Sprachen übersetzt und über 20 Millionen mal verkauft und gehört damit zu den größten Erfolgen deutschsprachiger Autoren überhaupt. Das Buch stand 9 Jahre lang in der Spiegel Bestseller Liste und erhielt 1987 den World Fantasy Award.

Schlau vermarktetes Buch, das die Dummheit

der Leser zeigt (Vorsicht: Nicht Shades of Grey)

Nachdem meine Freundin und ich uns vorlesenderweise durch die ersten 100 Seiten gequält hatten, ahnten wir schon, was sich nach der Lektüre der übrigen 235 Seiten so darstellt: clevere, sprachlich nicht unbegabte Autorin sucht alles zusammen, was sie jemals an Fantasievollem gelesen hat, also Tolkien, Blyton, Kästner, Carroll, …, mischt dies mit einer großen Portion Grusel aus Heftchenromanen (Sinclair etc.) und fügt zum Schluss noch ein wenig Lebensweisheit aus einschlägigen Ratgebern hinzu. Nun alles gut umrühren und ca. 1 Monat lauwarm köcheln lassen, dabei nicht vergessen, durch reichlich Zugabe von Oberflächlichkeit und etwas originärem Witz (Lob!) alles Echte oder gar Ernsthafte zu vermeiden – fertig ist ein sich schlau vermarktendes, durch und durch inkohärentes, unlogisches und psychologisch unstimmiges Machwerk, dessen Erfolg mir vor allem die Verführbarkeit des Publikums vor Augen führt.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu J.K. Rowlings „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Das Buch wurde bis heute weltweit 107 Millionen mal verkauft und zählt zu den meistverkauften Büchern überhaupt. Die erste Auflage bestand aus 500 Exemplaren, die inzwischen für Preise von bis zu 10.000 Euro gehandelt werden.

Die negativen Rezensionen zu dem ersten Harry Potter sind allgemein sehr lesenswert. Da geht es bis hin zum Untergang des Abendlandes

Facepalmbuch, das jeder Zehntklässler

besser schreiben könnte (Pisa lässt grüßen)

Dieses Buch wirkt dermaßen flach,konstruiert und vorhersehbar,daß es fast schon wehtut.Beinahe nach jeder zweiten Seite möchte man sich mit der flachen Hand vor die Stirn schlagen,so hanebüchen wirkt die ganze Geschichte.Der Stil des Buches ist grausam schlecht,jeder Zehntklässler könnte besser schreiben. So stellt sich der typische amerikanische Vorstadtbewohner,der die Welt nur aus dem Fernsehen kennt,eine Verschwörungstheorie vor.Für jeden,der auch nur den winzigsten Anspruch an die Bücher stellt,die er liest,ist dieses Machwerk eine Beleidigung.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Dan Browns „Illuminati“. Sein Buch „Der Da Vinci Code“ wurde in 35 Sprachen übersetzt. Er gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellern überhaupt.

Die Gurke und das Sieben Punkte System

Ich möchte originell sein, bin es aber nicht! Der Roman um einen 15jährigen mit der Affinität zu Serienkillern liest sich so, als ob ihn ein 15jähriger geschrieben hätte. Diese hochgelobte Gurke taugt weder als Krimi noch als Fantasy und ist ungefähr so spannend wie die Todesanzeigen in der Tageszeitung. Da nützt auch die bemühte (unpraktische) Buchgestaltung nichts. Dagegen ist jeder Roman von Richard Laymon hochkarätige Literatur.

Eine Ein-Sterne-Rezension zu Dan Wells „Ich bin kein Serienkiller“. Dan Wells ist unter Autoren im Internet als Erfinder des 7-Punkte-Systems bekannt. Zusammen mit Brandon Sanderson und zwei weiteren Autor*Innen betreibt er den erfolgreichen Autoren Podcast „Writing Excuses“.

Im Reich der Superlative

Sicher bin ich anspruchsvoll, aber warum nicht gelegendlich mal einen Bestseller lesen von dem alle Welt spricht: Was für eine Enttäuschung ! Meine schlimmsten Befürchtungen sind bei weitem übertroffen worden. Schund erster Güte ! Dieses Buch mag aus den Niederungen der Literatur aus betrachtet ja recht beeindruckend sein, allein schon seines Umfangs wegen, aber inhaltlich und stilistisch bewegt es sich auf einem Niveau das kaum zu unterbieten ist.

Eine Ein-Sterne-Rezension für Ken Folletts „Die Säulen der Erde“. Ken Follett hat weltweit über 160 Millionen Bücher verkauft. Er gilt neben Grisham, Brown, Crichton und King als einer der international erfolgreichsten „Epen“-Autoren überhaupt.

Man kann nicht allen gefallen

Die Ein-Sterne-Rezension ist die Schwerlafette des gemeinen Internetnutzers. Fast allen ist gemein, dass sie einen abwertenden, ironischen oder bisweilen gehässigen Unterton haben. Da fällt wenig ins Gewicht, dass der „sehr anspruchsvolle“ Rezensent die Rechtschreibung und Grammatik nicht so genau nimmt oder Superlative der Standard einer Rezension sind.

In meinen Augen ist eine 1-Sterne-Rezension in den meisten Fällen keine Kritik am Werk, sondern ein Statement des Rezensenten. Ein Statement gegen den Mainstream, ein Statement dafür, anders, klüger, besser zu sein. Fast alle Rezensionen lassen Details vermissen und ziehen es vor, die „Langeweile“ Keule zu ziehen.

Natürlich habe ich mich auch schon bei Filmen oder Büchern gelangweilt. Aber um einem Buch einen Stern zu geben, muss es wirklich einiges falsch machen. So frage ich mich manchmal, was war eigentlich schlecht? Das Buch? Oder nur die Laune des Rezensenten.

Und nun?

Ein-Sterne-Rezensionen gehören dazu. Wir werden sie nicht verhindern können. Sie können aus vielen Gründen kommen, wie ich bereis in meinem Artikel über Kritik geschrieben habe. Nehmt sie euch nicht zu sehr zu Herzen. Die meisten der Rezensenten könnten es nicht besser, auch wenn einer sogar meint, jeder Zehntklässler könne besser schreiben als Dan Brown (warum schreibt der nicht selbst einen Bestseller?).

Alle die genannten Beispiele rangieren insgesamt in einer guten Vier-Sterne-Bewertung. Also bleib locker – es sei denn, Du hast NUR Ein-Sterne-Rezensionen. Dann darfst Du Dir Gedanken machen. Aber Schreiben ist ein Handwerk und vielleicht musst Du nur noch ein wenig lernen.

Bis dahin bleib entspannt. Es  vielleicht nur ein Stern. Aber einer, der Deinen Namen trägt.

Du magst den Artikel? Du kennst jemanden, den das interessiert? Sprich darüber in  sozialen Netzwerken. Ich danke Dir!


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Was Dir niemand über Social Media für Autoren verrät

Als Autor ist man viel beschäftigt. Man muss schreiben, revidieren, recherchieren, organisieren und lesen. Nur sind die meisten von uns nicht nur Autor. Manche sind Lehrerin, andere Bänker, wieder andere studieren. Manche haben Elternzeit, andere sind alleinerziehend. Einige sind nicht nur Autor, sondern sogar Selfpublisher. Wieder andere arbeiten bei der Polizei und mindestens eine, so habe ich mir sagen lassen, ist sogar Psychologin.

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Der richtige Umgang mit Kritik


 „Die meisten Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.“ 

– Sprichwort aus den USA


Als Person des öffentlichen Lebens ist man ständiger Kritik ausgesetzt.

Jogi Löw sieht sich bei jedem Spiel zehntausenden von kleinen Bundestrainern gegenüber. Eine richtige Entscheidung löst Jubel aus; ein Fehler – den möglicherweise nicht einmal der Trainer gemacht hat – und der Mob tobt.

„Mit diesem Bundestrainer können wir ja auch nichts gewinnen.“

Jeder kann ein Tatortdrehbuch besser schreiben als die Drehbuchautoren.

Jeder kann besser schauspielern als die Thomalla.

Jeder kann besser schreiben als Du. Oder zumindest genau so gut.

vigeland-947342_1920In der heutigen Zeit erleben wir ein Phänomen, das neu ist. Die Kritik, ganz gleich welcher Qualität, ist um ein vielfaches wahrnehmbarer als früher. Sie äußert sich in Shitstorms, aber auch in der Einzelkritik.
Wo früher im Wohnzimmer vor sich hingeschimpft wurde, findet Kritik heute Wege in die Öffentlichkeit, kummuliert sich, wird laut. Das kann wunderbar und positiv sein, kann soziale Bewegungen in Gang setzen.
Sie kann auch das Gegenteil bewirken; kann Menschen klein machen oder klein halten. Kann ihnen Angst machen.

Als Autor ist man per Definition eine Person des öffentlichen Lebens, jemand, der gelesen werden will, der wahrgenommen werden will.
Das zieht zwangsläufig Kritik nach sich und wir müssen, ob wohl oder übel, mit diesem Thema leben. Es lohnt sich also, einen Blick auf Kritik zu werfen. Was steckt hinter diesem Begriff? Kann man Kritik vermeiden? Wie geht man am besten damit um, wenn man kritisiert wird?

Was sagt Wikipedia?

Wikipedia definiert Kritik wie folgt:

1.    Unter Kritik versteht man die Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben.
2.    Neben der Bedeutung der prüfenden Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten bezeichnet die Kritik – insbesondere in der Verbform kritisieren ebenso wie monieren[3] und die Monierung[4] – auch eine Beanstandung oder Bemängelung

Kritik bedeutet „trennen“ oder „unterscheiden“. Sie wird sprachlich differenziert von Skepsis, Verriss, Schmähkritik, Tadel, Rüge oder Nörgelei.

So zumindest in der Theorie. In der Praxis kann diese Unterscheidung nur treffen, wer sie kennt und wenn mein Buch auf Amazon eine 1 Stern Rezension erhält, ist es gar nicht so leicht herauszufinden um welche Kritikqualität es sich handelt.

Kritik ist in der heutigen Zeit, und das ist neu, ein Verkaufsargument. Ein Stern auf Amazon trifft nicht nur den Autoren, der mit Herzblut in sein Werk investiert hat, es trifft auch zukünftige Kaufinteressenten. Das verleiht dem Rezensenten eine gewisse „Machtposition“ gegenüber dem zu Kritisierenden.

Dieser Umstand löst bei Autoren sehr häufig Selbstrechtfertigungsreflexe aus, die das Lesen der Kommentare bei Amazon streckenweise spannender machen als das Buch.

Wie Wikipedia aufteilt, bedeutet Kritik zum einen, dass ein Gegenstand (oder ein Roman) an einem Maßstab gemessen und beurteilt wird. Romane sind keine Bananen und man kann sie nicht in DIN Normen zurechtbiegen. Dennoch gibt es bei Romanen Formen, es gibt Dinge die funktionieren und die nicht funktionieren. Eine Reihe Literaturkritiker haben sich mit diesem Thema auseinander gesetzt (Lessing, Schlegel, Heine…).

Es kommt auch darauf an, wer kritisiert

Ich bin ehrlich, ich fände auch eine Kritik eines Markus Heitz, Rainer Wekwerth oder Sebastian Fitzek toll, weil ich weiß, dass allesamt erfahrene Autoren sind.

Es gibt also eine Kritik, die ich (und ihr wohl auch) gerne bereit bin anzunehmen, nämlich wenn die „Beurteilung anhand von Maßstäben“ sich an der Erfahrung des Kritisierenden bemisst.

Beim Jiu Jitsu kritisiert der Sensei meine Körperhaltung und ich nehme die Kritik an, denn ich weiß, dass er es von seiner Position besser sieht und mehr Erfahrung hat.

Ich nehme die Kritik meines Lektoren an, weil er ein Profi ist.

Diese Form der Kritik ist wichtig für uns. Sie zeigt uns auf, was wir besser machen können, sie weist uns eine Richtung und wir akzeptieren sie, weil wir die Eloquenz des Kritikers erkennen.
Wertschätzende Kritik auf der Arbeit und im Leben sind Hinweise, Tipps. Sie ist wertvoll und sie sollte als solche geachtet werden.

Nun ist das beileibe nicht immer der Fall. Im Netz findet sich haufenweise Kritik, die diese Bezeichnung nicht verdient. Sie ist persönlich, beleidigend oder auch einfach nur nicht sachgemäß.

Eine Amazon 1* Rezension mit „Der Roman ist scheiße“ ist für den Autor in etwa so gewinnbringend, als hätte der Rezensent „Die Haare des Autoren sind hässlich“ oder „draußen ist es kalt“ als Begründung genommen. Sie hilft nicht, aber sie verletzt uns.

Es ist jetzt leicht zu sagen, man solle diese Art Kritik nicht so nah an sich heran lassen. Das ist zwar richtig, aber es gelingt dem einen besser, dem anderen schlechter.

Umgang mit unsachlicher Kritik

Wie also umgehen mit Kritik die

•    Unsachlich und verletzend, zu allgemein gehalten, übertrieben oder darauf angelegt ist, uns klein zu halten? Die unsere Person infrage stellt?

Zunächst sollte uns klar sein, dass Kritik eine Meinung ist. Meinungen hat jeder. Man muss nichts können und nichts vorweisen, um eine Meinung zu haben. Es muss nicht mal die eigene Meinung sein, manchmal ist sie einfach von jemand anderem übernommen.
Du hast also das Recht eine Meinung abzulehnen, oder um es mit Terry Cole-Whittakers Buchtitel zu sagen „Es geht mich nichts an, was sie über mich denken“.

Da aber eine 1* Rezension auf Amazon kein Verkaufsargument ist, werden wir uns damit schwer tun. Um eine negative Kritik auszubügeln, benötigt man 3 positive Kritiken. Es ist allerdings festzustellen, dass Bewertungen auf Amazon zunehmend kritischer von anderen Amazonkunden gewürdigt werden, es ist also hier nicht alles verloren. Vor allem der Umgang des Kritisierten mit der Kritik kann hier eine Rolle spielen.

In vielen Fällen ist inhaltsleere Kritik verbunden mit einem Problem des Kritikers selbst.woman-1006102_1920

1.    Er mag dich als Person nicht. Das kommt vor im Leben. Man kann es nun mal nicht allen recht machen. Hier haben wir keine Kritik am Werk, sie ist somit nutzlos. Wenn jemand nicht mag wie ich rede, aussehe oder rieche, dann gehen die Person und ich uns am besten aus dem Weg. Man darf sich fragen, wieso diese Person sich dazu berufen fühlt, dann ein Buch von mir zu kaufen und auch noch zu bewerten.

2.    Du tust nicht, was er will. Das ist eine recht häufige Art der Kritik. Eigentlich ist es keine Kritik, sondern eine als Kritik getarnte Aufforderung dich endlich so zu verhalten, wie der Kritiker es gerne hätte. Das findet man oft im privaten Umfeld. Vorsicht: Bei geliebten Menschen lohnt sich das hinhören und das hinterfragen der eigenen Einstellung. Allerdings nicht immer.

3.    Der Kritiker ist mit irgendwas unzufrieden, das nicht in Deiner Hand liegt und braucht ein Ventil. Wer schon mal im Kundenverkehr gearbeitet hat, kennt das Gefühl ständiger Prellbock für die Launen der Leute zu sein. Diese sind meistens kurzfristig und finden sich nicht in Amazon Rezensionen wider, aber es soll vorkommen.

4.    Der Kritiker hat schlicht und einfach vor, dich aus der Fassung zu bringen oder sich selbst zu erhöhen.

aber

Trotzdem genau hinhören

Wenn die Rezensionen sich häufen und immer und immer wieder die gleichen Dinge angesprochen werden, dann darfst du dir das gerne noch einmal ansehen.
Daher sollte folgendes im Umgang mit Kritik gelten:

1.    Liefere die beste Arbeit ab, die du abliefern kannst.

Du bist Autor. Du trittst an die Öffentlichkeit. Du möchtest Geld für Dein Buch. Leser sind ein gewisses Niveau gewöhnt und sie sind sogar in hohem Maße bereit, Selfpublishern einige Fehler zu verzeihen. Aber Leser mögen es nicht, wenn sie das Gefühl haben, halbfertige unausgereifte Bücher vor sich zu haben. Diese Kritik habe ich schon hundertfach bei Amazon gelesen. Gib Gas, dann hast Du auch das nötige Selbstvertrauen zu Dir zu sagen: „Ich habe mein Bestes gegeben und kann über der Kritik stehen, wenn sie nicht angebracht ist.“

Dazu gehört auch, Dein Buch VOR Veröffentlichung von anderen Personen lesen zu lassen.

2.    Schlafe eine Nacht darüber

Reagiere nicht sofort. Der Nachteil der breiten Kritikmasse bietet auch einen Vorteil. Sie ist nicht so direkt. Anders als mit dem Kollegen im Büro (die sich heute mit Kritik auch vielfach hinter E-Mail verstecken, weil sie doch nicht so mutig sind) musst Du nicht sofort reagieren. Schlafe eine Nacht drüber, lass den Zorn verrauchen.

Auch hilfreich: Schreibe vorher auf, was Du sagen willst. Lass alles raus. Lies es am nächsten Tag und dann schmeiß diesen Zettel in die Tonne.

3.    Rechtfertige dich nicht

Wenn Du das Beste gegeben hast, musst du dich nicht rechtfertigen. Schreibt jemand „der Roman ist scheiße“, dann frage zB „Was genau hat dir nicht gefallen?“. Wenn der Kritiker darauf nicht mehr eingeht, erkennt auch ein Dritter, dass es mit seiner Kritik nicht weit her ist. Aber wer weiß, vielleicht bekommst du daraus sogar einen hilfreichen Hinweis?

4.    Bleibe bei der Sache

Lasse dich nicht auf die persönliche Eben ziehen. Manche machen das nur zu gerne, am Ende büßt du Reputation ein.

Es hilft übrigens auch nicht, den Kritisierenden runterzumachen. Wenn ein Autor sich rechtfertigt oder gerechtfertigt wird (was öfter vorkommt, als ich gedacht hätte), lese ich oft das Wort „Neid“ oder „Neider“. Ich habe am Ende immer das Gefühl, dass niemand diese Diskussion „gewonnen“ hat. Der unbeteiligte Dritte hingegen hat sich ein Bild gemacht und nimmt im Zweifel eher Abstand vom Kauf.

5.    Frage dich, welchen Einfluss die Kritik WIRKLICH hat

Wenn Du Ratschlag 2 nicht befolgst, ist jede Kritik ein grausamer Schlag. Du fühlst dich schlecht, es brodelt in dir. Du willst herausschreien „das stimmt nicht“ oder du kaust auf Deinen Nägeln und denkst „oh nein! Ist da wirklich so schlecht?“.
Am Ende stellst Du fest, dass die Kritik hohl ist. Im besten Fall noch schlecht geschrieben. Geh darüber hinweg, es ist eine Meinung, Du musst sie nicht annehmen, denn sie hat keinen wirklichen Einfluss auf Dein Leben.

6.    Akzeptiere konstruktive Kritik

Sie ist Dein Treibstoff. Jede kritische 2-3 Sterne Kritik macht Dich als Autor besser. Ein wundervolles Beispiel für konstruktive Kritik, gepaart mit professionellem Umgang des Autoren habe ich bei Annika Bühnemann auf Amazon gefunden (Leider funktioniert der Link nicht mehr – sobald ich die Bewertung wieder gefunden habe, ist das Beispiel wieder verlinkt)

7.    Sei dankbar für kritische Worte

In der freien Wirtschaft sind wir dankbar für jeden Kunden, der sich beschwert. Es gibt ganze Abteilungen mit Qualitätsmanagement. Wieso ist das so? Ein Kunde der sich nicht beschwert frisst seine Unzufriedenheit in sich hinein. Er packt seine Sachen und verschwindet, du siehst ihn nie wieder. Ein Kunde der sich äußert kann helfen Fehler und schlechte Prozessabläufe zu erkennen. Er bietet aber auch die Möglichkeit der „Heilung“. Durch freundlichen Umgang, durch Beseitigung des Fehlers (siehe Beispiel oben). So sind aus einstmals unzufriedenen Kunden schon richtige Fans geworden. Das bietet eine Chance, mache Dir das klar.

Ist die Kritik unsachlich, fies und persönlich gibt es ein paar Mittel, um sich aus der Wut und dem angegriffen fühlen herauszuwinden:weather-1611702_1920

•    Bedauere den Kritiker. Er ist kindisch, trampelt auf den Boden weil er nicht bekommt, was er will. Er kann einem leid tun mit seinem Versuch, nach Aufmerksamkeit zu rufen.
•    Stell Dir den Kritiker als Cartoon vor. Als Ralph Wiggum von den Simpsons oder als jemand anderes, dessen Kritik dich eher zum Lachen bringen würde. Inklusive Stimmlage.
•    Such nach dem Motiv des Kritikers. Welcher Typ ist er? Hat er Zuhause Ärger und will den loswerden? Ist er Misanthrop und sowieso immer mit allem unzufrieden

Versuche mit der Kritik abzuschließen und mach Dir klar, dass Kritik etwas wertvolles sein kann, das Kritiker Trainer sein können und dass sie keineswegs immer persönlich zu nehmen ist.

Selbst richtig Kritik üben

Umgekehrt, wenn Du Kritik gibst, achte auf die gleichen Dinge. Kritik ist wertvoll und jeder Autor ist dankbar für eine Rezension auf Amazon.

Achte darauf auf Dich bezogen zu schreiben („In meinen Augen hat …“, „Ich hatte das Gefühl …“). Auch wenn gerne gesagt wird, dass Kritik objektiv sein soll ist das Quatsch und ein Ding der Unmöglichkeit. Kritik ist äußerst subjektiv. Sie soll sachlich – also auf die Sache bezogen sein – aber sie spiegelt Deine Meinung wider.

Sei so konkret wie möglich („In meinen Augen wird zu oft das Wort „XY“ verwendet, so dass sich die Wirkung bei mir schnell abgenutzt hat“)

Lobe, was gut war („Hingegen hat mir sehr gut gefallen, dass …“)

Sei Dir als Kritiker klar darüber, dass Kritik je nach Persönlichkeit des Kritisierten als Angriff wahrgenommen und zu verbaler Verteidigung führen kann. Am besten verweist Du auf diesen Artikel 🙂


    „Nur wenige Menschen sind klug genug, hilfreichen Tadel nichtssagendem Lob vorzuziehen.“ – François de La Rochefoucauld

    „Wer mir schmeichelt ist mein Feind, wer mich tadelt ist mein Lehrer.“ – Chinesisches Sprichwort

   „Ich bin dankbar für schärfste Kritik, wenn sie nur sachlich bleibt.“ – Otto von Bismarck (1815-98), erster deutscher Reichskanzler

    „Man wird nicht dadurch besser, dass man andere schlechtmacht.“ – Heinrich Nordhoff (1899-1968), ehem. Vorstandsvorsitzender von VW

„Um Kritik zu vermeiden: Tu nichts, sag nichts, sei nichts.“ –  Elbert Hubbard (1856-1915), amerik. Schriftsteller

 


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