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Offline!

Heute bekommt ihr von mir einen Erfahrungsbericht meiner Onlineabstinenz. Es handelt sich dabei um einen rein subjektiven Erlebnisbericht. Der Text hat 1.380 Wörter – Du weißt selbst am besten, wie lange Du dafür brauchst.


Digitale Normalität

Ich vertreibe mir seit 1999 online die Zeit. Damals noch in Chatrooms, die nichts konnten außer sich in Echtzeit Texte hin und her zusenden. Weil wir keine Digitalkameras oder Scanner hatten, schickten wir uns die dazugehörigen Fotos noch per Post. Und man traf sich in regelmäßigen Abständen in Echt irgendwo in Deutschland.

Seitdem hat sich viel geändert – aber ich kann nicht von mir behaupten, den digitalen Medien gegenüber feindlich gesinnt zu sein. Doch haben sich in meinem Leben viele Umstände geändert (ich bin zum Beispiel älter geworden) und auch die Anforderungen an das was zu leisten ist, sind über die Jahre mit fortschreitender Karriere und wachsender Familie gestiegen. Mein digitales Leben gehört dabei für mich wie selbstverständlich dazu: Whatsapp, Twitter, Facebook, Spiegel Online, Transfermarkt.de und was es sonst noch gibt. Die nächste Information ist immer nur einen Klick weit weg.

Urlaub

Im Oktober war ich mit meiner Familie in Holland, zusammen mit einer ganzen Reihe Cousins, Cousinen, Onkeln, Tanten, Neffen und Nichten. Der Internetempfang war schlecht und ich hatte weder Zeit noch Lust, meine Accounts zu checken.

Nachdem der Urlaub vorbei war, ging es wieder Richtung Heimat und ich dachte:“So richtig vermisst hast Du das Internet nicht.“ Darauf folgte mein Entschluss: Heute machst du einfach noch mal Pause. Und am Tag darauf dachte ich das Gleiche. Und am Tag darauf ebenfalls.

Je länger meine letzte Twitter- oder Facebookaktivität zurück lag, desto weniger vermisste ich die Sozialen Netzwerke. Statt zu twittern las ich ein Buch. Ich guckte einen ganzen Film, ohne einmal zu meinem Handy zu greifen. Irgendwann fragte ich mich: Was ist eigentlich mit der AfD und dem ganzen Chaos, das dich nach der Buchmesse so beschäftigt hat? Ich hatte seit Wochen nichts mehr mitbekommen und wenn, dann weil ich gezielt auf „die Zeit“ oder bei „Spiegel“ nachgesehen habe.

Man bekommt ja nichts mehr mit

Als politisch interessierter Mensch war meine Sorge, ich würde mich in Luft auflösen, wenn ich nicht täglich alle News mitbekäme. Aber die Sorge war unbegründet, denn ich bekam trotzdem alles Relevante mit. Entweder weil mich jemand nach meiner Meinung fragte, oder weil das Radio an war oder weil ich es eben auf einer Onlineseite nachgelesen habe. Ich habe lediglich nach dem Lesen den Browser zugemacht und das Thema sacken lassen. Alles war leiser, weniger hektisch. Weniger voll Hass.

Zeitgleich habe ich mein Buch überarbeitet. Jeden Wochentag. Ich schaute nicht zwischendurch auf mein Handy. Ich brauchte auch keine Erinnerungen, Motivationsschübe oder gutes Zureden. Was mir an Wissen fehlte, recherchierte ich und ansonsten arbeitete ich einfach.

Mitte Dezember lief dann Star Wars 8 in den Kinos an und hier konnte ich meine von Tag zu Tag gelebte Onlineabstinenz nicht mehr Aufrecht erhalten. Ich brauchte den Nerdtalk und Daniel Bleckmann, Axel Hollmann und Marcus Johanus haben mich mit kreativem Nerdput unterstützt. Allerdings blieb es dann nicht dabei. Die Jahreshauptversammlung der BartBros kam, ich nutzte regelmäßig Discord, checkte Facebook und Twitter. Zwar viel weniger als zuvor und eigentlich nur in bestimmten Diskussionen, aber ich erwischte mich, wie ich teilweise nicht mal wusste, was ich schreiben soll (weil ich so raus war) und trotzdem auf die App glotzte oder sie zehn Mal nacheinander öffnete.

Gestern dann kam mir eine gesponsorte AfD Spendenwerbung in die Timeline gespült, während unter dem Hashtag „Kandel“ wieder Hass und Schuldzuweisungen die Runde machten. Ich war wieder einen Klick entfernt von Diskussionen um Mord, Totschlag, Terror. Nachdem ich schon wieder anfing, die ersten leicht sarkastischen Tweets zu formulieren, bremste ich mich, schloss die App und sagte mir, dass ich nicht wieder in diese Mühle zurückkehren möchte. Mein Verstand ist nicht geeignet, die ganzen Meinungen zu verarbeiten. Es erschien mir fast wie in dem Film „Was Frauen wollen“, in dem Mel Gibson völlig ungefragt alle Gedanken der Frauen um ihn herum hören kann und schier davon überwältigt ist.

Was tun?

Was also tun? Ich genieße die guten Unterhaltungen, bin aber schwer anfällig für den ganzen digitalen Müll, der mir in meine Timelines gespült wird. Ich kann vielleicht eine Weile widerstehen, aber es kostet mich Willenskraft und Mühe und in meinem Hinterkopf ist tatsächlich auch noch das Männchen, das mir rät Social Media Marketing für „Irgendwann einmal“ zu machen. Was mich wirklich beschäftigt ist, dass ich – da ich den Vergleich ja nun direkt vor mir hatte – regelrecht spüren konnte, welche Auswirkungen Social Media und das Internet allgemein auf mich haben und ich somit meine eigenen Recherchen aus dem „Was Dir niemand über Social Media für Autoren verrät“ an mir bestätigen konnte. Der Kopf war auf einmal wieder voll mit Themen, die da vorher überhaupt keinen Platz hatten. Ich habe allerdings nicht auf dem Mond gelebt, sondern habe lediglich weniger auf mein Handy geglotzt. Mit einigen Autoren hatten ich noch via Mail oder Whatsapp Kontakt und diesen Austausch fand ich tatsächlich schön und gewinnbringend.

Ich mag Social Media ja. Wie also umgehen damit? Es ist wie „nur noch auf Parties rauchen“, was ich als Ex-Raucher auch einmal versucht habe, letzlich aber kläglich gescheitert bin (wie nahezu alle, die das versuchen). Wie kann ich das Nützliche und Schöne so handhaben, dass mich der ganze andere Kram verschont. Die Betreiber der Social Media Kanäle haben natürlich keinerlei Interesse mich zu verschonen, denn sie sind Lotophagen unserer Zeit. Wie schaffe ich es, Social Media zu nutzen, ohne dass Social Media mich benutzt? Diese Grenze ist fließend.

Digital Decluttering mit Cal Newport

Passenderweise lud Cal Newport mich (und alle anderen in seinem Newsletter) dazu ein, für eine seiner Recherchen im Januar ein „digital decluttering Experiment“ mitzumachen (zu deutsch: Digitales Entrümpeln). Ich habe mich mit Begeisterung gemeldet und nun steht auch der Januar ganz im Zeichen des analogen Zeitvertreibs – wenn auch diesmal noch einen Schritt weiter, denn Cal möchte sogar, dass man weder Nachrichten aus dem Internet bezieht, noch Whatsapp benutzt.

Für mich wird es eine Herausforderung, weil ich berufsbedingt viel ins Internet und auch dort herumsurfen muss, da ich viel recherchiere und diese Recherchen nicht auf vorher festgelegten Bahnen verlaufen. Es verlangt also ein hohes Maß an Achtsamkeit und Ehrlichkeit mit selbst gegenüber, wann das wirklich berufliche Suchen aufhört und der nächste Klick ein reiner Interessenklick ist. Ich bin sehr gespannt auf diese Zeit. Meinen Blog werde ich möglicherweise weiterführen, das weiß ich noch nicht. Aber da ich mich hier mit ganz konkreten Inhalten beschäftige, steht das für mich aktuell nicht im Widerspruch. Aber der Januar ist nur ein Monat und danach wird sich das alte Spannungsfeld zwischen Social Media Marketing und „wie nutze ich es sinnvoll“ wieder auftun. Dennoch erhoffe ich mir einiges von dem Experiment und dem bewussteren Umgang mit Sozialen Medien.
Interessant übrigens: In meinen 2 Monaten Online-Abwesenheit haben sich meine Twitterfollower nicht wie man meinen könnte reduziert, sondern es sind ganz 21 dazu gekommen. Ohne ein einziges Wort von mir.

Zum Ablenken gehören immer zwei

In seinem Buch „The distraction Action“ schreibt der Autor Alex Soojung-Kim Pang wie er mit Zen-Mönchen spricht, die eigene Blogs und Social Media Accounts betreiben und wie sich die Achtsamkeit des buddhistischen Lebensstils mit den Ablenkungen des Internets vereinen lassen. Er berichtet von den Missverständnissen, die nicht nur an unterschiedlichen Englischkenntnissen, sondern vor allem an unterschiedlichen inneren Einstellungen lagen. Die Mönche verstanden die Fragen schlichtweg nicht. Denn die Sichtweise, dass immer etwas von außen unsere Konzentration unterbricht, ist den Mönchen fremd. Einer der Mönche sagte: „Ablenkungen existieren mit oder ohne PCs. Tasächlich sind Ablenkungen von außen viel einfacher zu handhaben als jene, die aus dem Geist selbst entstehen“. Oder anders gesagt: Eine Ablenkung wird erst eine, wenn ich es zulasse. Es gehören eben immer zwei dazu: Etwas das ablenkt und jemand, der sich ablenken lässt.

Achtsamkeit ist in meinen Augen der wesentliche Faktor, wie ich diese Hürde nehmen kann. Das surfen mit einem Zweck verbinden, vielleicht zeitlich zu beschränken. Zielgerichtet arbeiten und sich nicht dahin treiben lassen im Rausch der Digitalen Versuchungen.

Aber nun ziehe ich ab 01.01.2018 erst einmal den Stecker.

Habt ihr schon einmal eine bewusste Offlinezeit genommen? Was hat das mit euch gemacht? Welche Verhaltensweisen habt ihr danach geändert? Hat es sich für euch gelohnt? Ich freue mich, auf eure Rückmeldungen.
Meine Mail werde ich etwa einmal die Woche abrufen. Ihr könnt mir also wie gewohnt per Mail Nachrichten schicken oder hier Beiträge posten. Diese werde ich regelmäßig freigeben und auch kommentieren.

Was Dir niemand über Social Media für Autoren verrät

Als Autor ist man viel beschäftigt. Man muss schreiben, revidieren, recherchieren, organisieren und lesen. Nur sind die meisten von uns nicht nur Autor. Manche sind Lehrerin, andere Bänker, wieder andere studieren. Manche haben Elternzeit, andere sind alleinerziehend. Einige sind nicht nur Autor, sondern sogar Selfpublisher. Wieder andere arbeiten bei der Polizei und mindestens eine, so habe ich mir sagen lassen, ist sogar Psychologin.

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Augenschelms Netztipps

 

 

 

Hallo, liebe Leser,

Ich habe mich ein wenig im Netz umgesehen und lohnenswerte Seiten für euch:

8 Sequenzen Modell

Ich habe mein aktuelles Manuskript nach dem 8 Sequenzen Modell entwickelt. Dieses Modell kommt aus dem Drehbuchhandwerk und fristet, völlig zu Unrecht, ein Nischendasein zwischen der 3-Akt Struktur und dem 7 Point System von Dan Wells.

Allerdings gibt es Menschen, die besser darin sind es zu erklären als ich, daher lasse ich die Profis von filmeschreiben.de zu Wort kommen.

Sprachen in der Fantastik

Wie mein Einleitungssatz vermuten lässt, spielt Fantasy eine große Rolle. Jens M. Volckmann hat sich auf weltenbauwissen.de mit dem Thema Sprachen beschäftigt.

Original Drehbücher als PDF downloaden

Wer, wie ich, gern auch mal den Blick über den Tellerrand wagt, sollte auch als Prosaautor einen Blick auf Drehbücher werfen. Ich habe einen tollen  Fundus an englischen Originalskripten aufgetan, mit dabei Filme wie Gone Girl, 12 years a Slave, Bridge of Spies, the hateful 8 und und und.

Forger über Rogue One

Wer mir auf Twitter folgt weiß, dass ich von Rogue 1 absolut angetan war und diesen Film großartig fand. Der Filmkritiker Forger ist nicht ganz so überschwänglich, outet sich in seinem Youtube Video aber als echter Vollblut Nerd und ledert über das Disney Merchandise ab. Außerdem bringt er ein paar interessante Hintergundfakten zu Star Wars. Für jeden SW Nerd ein Muss.

Word-Loss-Diet

Die britische Autorin Rayne Hall gibt mit ihrer Word Loss Diet einige handfeste Tipps, wie man besser schreibt. Zwar auf englisch, aber ihre Tipps eignen sich auch für deutsche Autoren.

Werbung für Autoren

Vera Nentwich beschäftigt sich mit damit, wie man am besten Werbung als Autor macht und kommt zu einem Ergebnis, das so simpel wie bekannt ist.

Rezension von Ersticktes Matt auf Librophilee

Zuletzt: Nachdem es in Ausgabe 1 eine Rezension zu Elyseo da Silvas Überraschungsdebut „Mosaik der verlorenen Zeit“ gab, ist nun eine Rezension von „Ersticktes Matt“ von Nina C. Hasse dabei. Das Buch schaffte es am Veröffentlichungstag bis in die deutschen Twittertrends und das nicht ohne Grund.

Viel Spaß beim lesen.