Augenschelm fragt: Sonea von Delvon

 

Willkommen zu meinem Autoreninterview,

heute gibt es ein Novum in meinem Blog. Ich habe Verlagsautoren und Selfpublisher interviewt, Autorinnen und Autoren, Debütanten und Vollblutprofis. Ich habe schon Fantasyautoren, Krimiautoren, Horrorautoren, Autoren von historischen Büchern und Autoren von gesellschaftskritischen Romanen nach ihren Gewohnheiten gefragt.

Heute wende ich mich einer Sparte zu, die ein gänzliches eigenes Leben führt, sogar eigene Begriffe verwendet, in die ich mich erstmal hinein lesen musste. Heute geht es um Fanfiction. Ich selbst habe als junger Teenager die Fanficitons des erweiterten Star Wars Universums verschlungen, die Romane von Timothy Zahn und anderen.

Fanfiction baut auf bereits bestehenden Geschichten, Filmen oder auch Computerspielen auf, arbeitet mit bereits existenten Charakteren und entwickelt diese weiter. Schon aus lizenzrechtlichen Gründen kann dabei oftmal leider kein Buch veröffentlicht werden, aber so gibt es Internetseiten, die sich diesem Thema widmen.

Heute interviewe ich Sonea von Delvon – ein Name aus Trudy Canavans Universum, hinter dem sich aber eine waschechte Vollblutautorin versteckt.

Name: Sonea von Delvon

geboren: 1982 in Bonn unter einem bürgerlichen Namen

arbeitet im richtigen Leben als Softwareentwicklerin, nachdem sie studiert hat, was die Welt in ihrem innersten zusammenhält.

Liest gerne Fantasy und blieb darüber im Sommer 2009 an ’The Black Magician Trilogy’ von Trudi Canavan hängen. Seitdem schreibt sie ihre alternative Fortsetzung, so wie Kurzgeschichten und Prequels rund um die Bücher, die zusammen einen großen Headcanon bilden.

Dabei legt Sonea großen Wert darauf, im Stil der Bücher zu schreiben und Handlung und Figuren logisch und canontreu weiterzuentwickeln.

Band 1 ihrer alternativen Fortsetzung (Die Bürde der schwarzen Magier I – Der Spion) findest du auf www.fanfiktion.de (Link zur Geschichte). „Spoiler – Anfang“ In diesem geht es darum, wie die Geschichte weitergegangen wäre, hätte Akkarin den Angriff der Ichani überlebt, und welche fatalen Auswirkungen jene Schlacht auf die politische Situation mit dem feindseligen Nachbarland Sachaka hat. „Spoiler – Ende“

Sonea lebt mit ihren beiden nach zwei ihrer Charaktere benannten Katzen in Köln.

Twitter @soneavondelvon

FB-Profil

FB-Autoren-Seite: https://www.facebook.com/talesfromkyralia

Blog: talesfromkyralia.wordpress.com

Autoreninterview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Als Fanfiction-Autorin kann ich wegen Urheberrechtsfragen kein Geld mit meinen Geschichten verdienen. Könnte ich das, wäre ich, solange wie ich das inzwischen schon mache, vielleicht schon reich *lach* Tatsächlich habe ich nach der Uni einen Quereinstieg in die Softwareentwicklung gewagt und darüber meinen Traumjob gefunden. Ich träume zwar auch davon, eines Tages mit dem Schreiben von Büchern Geld zu verdienen, aber ich weiß nicht, ob ich hauptberuflich schreiben könnte. Ich brauche den Brotjob als Kontrastprogramm.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu schreiben und seit wann schreibst du?

Ich habe mir schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht und mich in Phantasiewelten geträumt. Die erste längere Geschichte habe ich mit 16/17 geschrieben. In dieser ging es um mein Leben und meine damals unsterbliche Liebe in meinem Karateverein. Mein erster ’richtiger’ Roman war eine Fantasy-Geschichte, die auf Figuren aus meinem eigenen Leben basierte (Karateverein lässt grüßen) und Elemente von Star Wars, Ronja Räubertochter, Song Of The Lioness, Herr der Ringe und einem Konzeptalbum von Iron Maiden enthielt. Danach folgten ein paar RPG-Stories, bevor es während des Studiums eher ruhig wurde. So richtig ambitioniert wurde meine Schreibe erst im Herbst 2009, als ich mit Fanfiction anfing.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichten?

Ich glaube, das war so 1-2 Jahre, nachdem meine Fanfiction-Phase anfing. Bis ich mich wirklich getraut habe, Band 1 meiner alternativen Fortsetzung auf Fanfiktion.de hochzuladen, vergingen allerdings noch zwei weitere Jahre, in denen ich die Trilogie weiterschrieb und die ersten beiden Bände überarbeitete. Allerdings, um fair zu sein, habe ich während meines Studiums mit dem Gedanken gespielt, meinen Fantasysroman an einen Verlag zu schicken, weil ich diesen in den Semesterferien wieder ausgegraben hatte. Zum Glück kam es nie soweit. Heute finde ich das, was ich mir da damals zusammengeschrieben habe, einfach nur grauenhaft und würde es komplett neu schreiben.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Durchgehend positiv, was ich im Nachhinein ziemlich überraschend finde, wenn ich mitkriege, wie es anderen Autoren ergeht. Meine Eltern haben meine kreative Ader schon früh unterstützt. Mit Fanfictions ist es so, dass ich meinem Gegenüber oft erst erklären muss, was das überhaupt ist, doch die wenigsten begegnen dem mit den üblichen Vorurteilen gegenüber diesem Genre (oder lassen sich leicht vom Gegenteil überzeugen). Tatsächlich finden es viele sogar „cool“, dass ich mir meine eigene Fortsetzung meiner Lieblings-Trilogie schreibe.

5. In welchem Genre schreibst Du?

Ich schreibe Fantasy. Man hat hier so viele Möglichkeiten, sich kreativ auszutoben und mit anderen Genres zu kombinieren. Fantasy darf auf mal politisch, erotisch, tragisch, dramatisch, satirisch oder Krimi sein. Sie bietet die Möglichkeit, auf Themen aufmerksam zu machen, die man an dieser Welt anprangert. Und auch um die eigene Kreativität auszuleben, bietet Fantasy eine große Spielwiese,. Sie erlaubt uns, Länder und Kulturen auszuarbeiten, Wesen zu erfinden oder fiktive Sprachen zu basteln – natürlich innerhalb von gewissen logischen Parametern. Und das alles funktioniert selbst mit einer geliehenen Welt, wie jener, in der ich schreibe. Und das macht wahnsinnig viel Spaß.

Zweiter Teil: Publikation und Marketing

6. Ist Verlagspublikation oder Self-Publishing dein Weg?

Sollte ich jemals einen eigenen Roman schreiben, so würde ich zu Selfpublishing tendieren. Ganz einfach, weil meine Art zu erzählen und die Elemente, die ich in meine Geschichten einbringe, wahrscheinlich in kein Verlagskonzept passen. Ich will mich nicht einschränken oder bestimmte Passagen streichen müssen. Als Selfpublisher muss man zwar ziemlich viel Geld in Lektor und Coverdesigner, Buchdruck etc. investieren, doch wenn ich dafür die Geschichte im Author’s Cut veröffentlichen kann und das Cover bekomme, das ich mir vorstelle und mir der Designer obendrein den Roman vielleicht noch illustriert, wäre mir das mir die Investition wert.

7. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

8. Wie lange musstest Du warten, bis ein Verlag ein Manuskript von Dir genommen hat

9. Was sind Deine besten Tipps, um auf einen Roman aufmerksam zu machen?

Uff, um ehrlich zu sein, bin ich unglaublich schlecht darin, mich selbst zu verkaufen. Bei Fanfiction ist es vermutlich noch einmal schwieriger, als bei einem komplett selbstgeschriebenen Roman, da dieses Genre oft nicht als gleichwertig akzeptiert wird. Dazu kommt, dass meine Geschichten nicht die klassischen Fanfiction-Leser ansprechen. Fanfiktion.de bietet zudem keine Möglichkeiten, um Werbung zu machen, so dass ich auf meinen Blog und soziale Medien zurückgreifen muss, um über diese Plattform hinaus wahrgenommen zu werden.

Seit einer Weile versuche ich mich an gelegentlichen Werbetweets und daran, die Leser und solche, die es vielleicht einmal werden, mit kurzen Updates und Zitaten zu begeistern, die ich auf meinem Blog und Social Media poste. So erhalten sie einen kleinen Einblick in meine Arbeit. Bis jetzt läuft das jedoch so semi-erfolgreich.

Generell würde ich raten: Stell Nähe zu deinen (potentiellen) Lesern her. Poste Updates zu deinen Projekten, evtl. kleine Ausschnitte davon, aber auch Dinge, die dich als Menschen greifbar machen, sofern du das vor dir selbst verantworten kannst. Wenn du dich zu transparent gibst, macht dich das verletzlich und angreifbar. Nerve deine Follower nicht mit Werbung (schon gar nicht per DM) und gib dich einfach authentisch. Dann wirst du die passende Zielgruppe mit etwas Geduld anziehen.

10. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

Damit hast du mich jetzt kalt erwischt. Obwohl ich seit drei Jahren veröffentliche, kommt es mir vor, als würde ich noch immer danach suchen. Anfangs ging ich ganz naiv davon aus, dass alle Fans des Originals, die mit dem Ende oder der offiziellen Fortsetzung unzufrieden sind, meine Geschichte lesen würden, aber tatsächlich schreibe ich in einer Nische zwischen klassischer Fanfiction und richtigen Büchern. Tatsächlich finden viele Leser über meinen Blog, Social Media und gelegentlich auch über das NaNoWriMo-Forum zu meinen Geschichten. Insgesamt ist es jedoch nur ein kleiner Teil der potentiellen Zielgruppe. Momentan arbeite ich sehr an meiner Reichweite und daran, mehr Content zu posten, in der Hoffnung, weitere Fans der Bücher für meine Geschichten zu begeistern.

Teil 3: Gewohnheiten

11. Wie sieht sein gewöhnlicher Schreibtag von morgens bis abends aus? 

An Arbeitstagen beschränkt sich das Schreiben auf die Mittagspause und den Abend (zwischen 20-23 Uhr). In den Sommermonaten schaffe ich es, eine Stunde früher aufzustehen und vor der Arbeit oder dem Frühsport (Laufen) zu schreiben. Im Rest des Jahres streikt mein Biorhythmus jedoch bei der Aussicht, um 4 Uhr morgens aufzustehen.

Am Wochenende und im Urlaub setze ich mich an meine Projekte, sobald die Katzen versorgt und der Social Media Kram inklusive des Beantwortens von Mails und Reviews erledigt sind. Bevor diese Dinge nicht von meiner Todo-Liste gestrichen sind, fällt es mir schwer, mich aufs Schreiben zu konzentrieren, weil ich das Gefühl habe, noch etwas erledigen zu müssen. Anschließend ziehe ich mich zum Schreiben zurück, blockiere ablenkende Internetseiten und sitze bis zum frühen Abend an meinen Projekten. Dann folgt kurz Social Media, Einkaufen/Sport, Katzen, Abendessen und ab 20-21 Uhr kommt dann eine zweite Schreibphase.

12. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Es startet mit einigen Gedankenfetzen in meinem Kopf. Irgendwann quälen mich diese so sehr, dass ich sie aufschreiben muss. Je mehr ich schreibe, desto mehr entwickelt sich daraus die Geschichte. Häufig überfallen mich die Ideen dann, wenn ich mich nicht aktiv mit der Geschichte beschäftige, wie beim Laufen oder beim Spazierengehen, wenn ich ausgehe oder auf Reisen – also vorzugsweise dann, wenn ich meine Wohlfühlzone verlasse. Unglücklicherweise hin und wieder auch im Büro. Sich zwischendurch ein paar Notizen zu machen, geht immer. Aber das Warten auf die Mittagspause oder den Feierabend ist eine Tortur.

13. 3-Akte, 5-Akte, 8 Sequenzen. Wie strukturierst Du Deine Geschichte?

Uhm … Davon habe ich erstmals vor ca. einem Jahr gehört, glaube ich. Abgesehen vom klassischen Aufbau eines Dramas, was ich noch aus Schulzeiten kenne. Bis jetzt habe ich mir beim Schreiben darüber nie Gedanken gemacht, was wohl daran liegt, dass ich Discovery Writer bin und einfach das schreibe, was ich gerne lesen möchte. Alleine dadurch, dass ich auf ein Ziel hinarbeite oder auf Etappenziele, wenn mir eine bestimmte Stelle im Plot schon früh klar ist, ergeben sich Plottwists unterwegs von selbst, wodurch die Geschichte ihre Struktur erhält. Wenn ich mir jedoch anschaue, wie z.B. meine alternative Fortsetzung zu Black Magician aufgebaut ist, dann findet sich dort je „Band“ und über die gesamte Trilogie etwas, das ich als drei Akte bezeichnen würde

14. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

Wenn ich die Ablenkungen durch Twitter, FB oder meine Katzen abziehe, komme ich locker auf 30 Stunden pro Woche. Es ist nahezu ein zweiter Vollzeitjob, nur dass mein einziger Lohn Ruhm und Ehre sind *lach* Der Schlaf kommt dabei häufig zu kurz.

15. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Ich bin sehr perfektionistisch. Bevor eine Story so weit gediehen ist, dass ich sie Testlesern antun kann, habe ich sie zweimal komplett überarbeitet. Für die zweite Überarbeitungsphase liefere ich mir jedes Mal eine Schlacht mit dem Drucker, die sich jedoch lohnt, weil mir auf dem Papier andere Dinge auffallen als am Monitor.

Bei meinem Hauptprojekt überarbeite ich zusätzlich während des Schreibprozesses, da ich nicht chronologisch und mit längeren Unterbrechungen durch Nebenprojekte schreibe. Daher muss ich mich häufig wieder in die Story einarbeiten. Das kostet Zeit, hat allerdings den Vorteil, dass man aus einer objektiveren Perspektive auf die Geschichte blickt. Außerdem überarbeite ich jedes Kapitel mindestens ein weiteres Mal, bevor es online geht.

16. Wie gehst Du bei der Überarbeitung vor? Hast Du ein bestimmtes System?
Meine Überarbeitung besteht aus zwei Iterationen, zwischen denen wie zwischen der ersten Iteration und dem Schreiben der Rohfassung mehrere Monate liegen. In der ersten Iteration lese ich die Kapitel am PC und ergänze Szenen oder schreibe Szenen um, wo durch meine unchronologische Schreibweise Inkonsistenzen auftreten. Und ich ändere grausige Formulierungen, wenn ich sie sehe. Parallel dazu habe ich eine ToDo-Liste offen, in die ich alles schreibe, was mir auffällt und was ich im Nachgang erledige, weil es z.B. kapitelübergreifend ist. Weitere ToDos habe ich beim Schreiben direkt im Text hinterlassen und diese behebe ich dann gleich mit. Bei sehr großen Projekten wie meiner alternativen Fortsetzung kann es vorkommen, dass ich diesen Schritt tätige, bevor die letzten Kapitel geschrieben sind. Denn dort laufen alle Fäden zusammen. In der zweiten Iteration drucke ich sämtliche Kapitel aus und lese sie noch einmal. Hier konzentriere ich mich vor allem auf Formulierungen, aber auch darauf, ob die Handlung nun konsistent ist. Anschließend tippe ich alles ein, was ich in meiner Sauklaue an den Rand geschrieben habe, und auch hier findet das Dokument mit den ToDos wieder Verwendung. Außerdem lese ich noch einmal jedes Kapitel, bevor es online geht. Denn irgendeine grausige Formulierung fällt mir immer ins Auge.

16. Wie motivierst Du Dich zum Schreiben?

Gar nicht. Wenn ich motiviert bin, läuft es von selbst. Wenn ich nicht motiviert bin, dann hilft es auch nicht, sämtliche Ablenkfaktoren auszuschalten. Allerdings muss ich noch lernen, mich in diesem Fall vom Laptop zu lösen und etwas anderes zu tun, weil ich andernfalls nur einige wenige leblose Sätze zustande kriege. Ich habe festgestellt, dass die Motivation häufig von alleine zurückkommt, wenn ich meine Wohlfühlzone verlasse.

17. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Kommt darauf an, wie man gleichzeitig definiert. Ich habe zwei Geschichten, die ich regelmäßig aktualisiere (Band 3 meiner alternativen Fortsetzung und Teil 1 meiner Akkarin-Trilogie), während ich an den Folgebänden schreibe bzw. diese überarbeite. Aktuell arbeite ich nur an meiner zweiten Trilogie und einem Weihnachtsprojekt für meine Leser, während Teil 2 der Akkarin-Trilogie bei den Testlesern ist. Zwei große Projekte parallel zu schreiben oder zu überarbeiten ist für mich unmöglich, weil ich mich dafür zu sehr in die Handlung hineindenken muss. Deswegen schreibe ich oft erst an einem anderen Projekt weiter, wenn die Überarbeitung des einen abgeschlossen ist. Die Zeiten des NaNoWriMos und der Camps helfen mir bei der Zeiteinteilung.

18. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im Bezug auf das Schreiben?

Regelmäßigkeit: Ich versuche mich täglich in irgendeiner Weise mit meinen Geschichten zu befassen – sei es Schreiben oder Überarbeiten. Wenn es zeitlich nicht passt oder ich gerade partout keine Lust habe, versuche ich jedoch es nicht zu erzwingen und tue etwas anderes.

Früh aufstehen: Morgens, wenn die Welt noch still ist, ist die beste Zeit zu schreiben oder andere Dinge zu erledigen, die vorher getan werden wollen. So liegt der ganze Tag noch vor einem.

Den Schreibplatz wechseln: Manchmal kann ich nach einer Weile nicht mehr am gewohnten Platz (Schreibtisch) schreiben, weil ich mich dort nicht mehr konzentrieren kann oder der Platz durch irgendetwas negativ belastet ist, und weiche dann ins Wohnzimmer oder bei entsprechendem Wetter auf den Balkon aus. Eine andere Wand anzustarren genügt häufig schon, dass ich mich wieder besser konzentrieren kann.

19. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher harte Arbeit?

Ich würde sagen, das ist so fifty-fifty. Es gibt Szenen, die wenig Spaß machen, weil sie viel Gehirnschmalz erfordern, aber sein müssen. Und es gibt solche, die leicht von der Hand gehen. Das gilt sowohl fürs Schreiben als auch fürs Überarbeiten und Korrekturlesen. Manchmal kommt es mir vor, als wären es eher 90% Quälerei, aber dann schreibe ich meine 200k im NaNo und bin über Wochen hinweg total geflasht.

21. Wie lange hast Du an Deinem ersten fertig geschriebenen Roman gearbeitet?
Wenn wir die Eskapade mit der Adaption von Herr der Ringe, Ronja Räubertochter und dem Konzeptalbum von Iron Maiden außen vor lassen, habe ich für den ersten Teil meiner alternativen Fortsetzung inklusive Überarbeitung ca. zwei Jahre gebraucht. Am Anfang habe ich ziemlich damit gekämpft, die Charaktere originialgetreu wiederzugeben und es brauchte eine Weile, um eine Handlung mit mehreren Erzählcharakteren zu stricken. Obwohl mir das inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist, brauche ich für einen Teil noch immer um die zwei Jahre, weil ich Spaß daran habe, der Handlung mehr und mehr Komplexität zu geben, wodurch der Schreibprozess langsamer wird.

Teil 4: Inspirationen

20. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

Um ehrlich zu sein, lese ich keine Schreibratgeber. Ich habe mir einmal einen gekauft, aber dort standen entweder Dinge, die ich bereits schon kannte, oder die nicht auf meine Arbeitsweise anwendbar waren. Ich bezeichne mich als Chaos-Discovery-Writer, weil ich vorwiegend ohne zu Plotten und unchronologisch schreibe. Wenn ich schreibe, gehe ich danach, was sich ’natürlich’ anfühlt und was ich gerne lesen würde, würde mir jemand diese Geschichte als Buch vorsetzen. Schreiben ist für mich ein sehr intuitiver Prozess. Ich glaube nicht, dass für eine solche Arbeitsweise schon ein Schreibratgeber geschrieben wurde.

21. Was war der beste Ratschlag, den du im Bezug auf das Schreiben erhalten hast?

Das fragst du mich, eine der am meisten beratungsresistenten Personen? *lach* Es gibt tatsächlich einen Ratschlag, den ich auf einem Zeitmanagement-Seminar gehört habe, das ich im Rahmen meiner Diss (frag bitte nicht) besucht habe. Da wurde uns gesagt, dass der erste Draft schlecht sein darf – eine ziemliche Erleichterung für alle, die aus Gründen von Perfektionismus völlig gehemmt vor dem leeren Dokument sitzen. Das hat mir damals so sehr geholfen, dass ich es aufs Schreiben übertragen habe und gerne weitergebe. In der Autorenwelt scheint dieser Schreibtipp jedoch ein alter Hut zu sein.

22. Welche drei Romane haben dich am meisten inspiriert und warum?

The Black Magician Trilogy“ von Trudi Canavan (deutscher Titel: Die Gilde der schwarzen Magier). Durch diese Bücher bin ich nach längerer Pause überhaupt wieder zum Schreiben gekommen. Es sind vor allem zwei Dinge, wegen denen die Bücher mich nicht mehr loslassen: Sonea, der weibliche Hauptcharakter, ist mir so ähnlich, wie ich es noch nie bei einem Buchcharakter erlebt habe. Und dann ist da noch Akkarin, mein erklärter Lieblingsbuchcharakter aller Zeiten. Um post-pubertäres Gefangirle an dieser zu vermeiden, sei nur gesagt, dass mich das Ende unglaublich wütend und fassungslos zurückgelassen hat, so dass ich nicht mehr aufhören konnte, über ein alternatives Ende mit Fortsetzung nachzudenken. Irgendwann haben mich diese Ideen so gequält, dass ich meine ersten Gehversuche als Fanfiction-Autorin unternahm. Mit der Zeit wuchs daraus eine umfangreiche Trilogie, zahlreiche Kurzgeschichten und eine Prequel über Akkarin, die ebenfalls in eine Trilogie ausgeartet ist. Obwohl die Bücher ihre Schwächen haben, bin ich so in die Welt und die Charaktere vernarrt, dass mir die Ideen nicht ausgehen wollen. Es ist das, wofür ich brenne.

23. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Das fragst du noch? Es gibt viele interessante Charaktere, die ich gerne einmal treffen würde. Aber tatsächlich gibt es nur einen, der Vorrang vor allen anderen hat. Wie wir den Tag verbringen, bleibt jedoch mein Geheimnis.

Und psst! Ein Tag mit IHM wäre viel zu wenig.

Fünfter Teil: Organisation und Persönlichkeit

24. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

  1. Ausdauer (besonders bei Schreibflauten, schwierigen Passagen, langen Projekten etc.)
  2. Lernfähigkeit bzw. das Bestreben sich ständig zu verbessern
  3. emotionale Distanz zu Kritik, ausbleibenden Lesern etc.
  4. Einfühlungsvermögen in die Figuren
  5. und die Fähigkeit zu träumen.

25. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit dem Schreiben begonnen hat?

Versuche, deinen Weg zu finden. Wenn Schreibratgeber dich nur verwirren und verunsichern, lass sie weg oder beschränke dich auf einen oder zwei. Presse deine Story nicht in ein Korsett aus Vorgaben, wie Handlung und Charaktere sich entwickeln sollen, sondern lass ihnen Freiheiten. Wenn du an einer Stelle nicht weiterkommst, schreib anderswo weiter und schließe die Lücken später. Oft ergibt sich die Lösung über Umwege. Und gestehe dem ersten (und auch dem zweiten und dritten Draft) das Recht zu, grauenhaft zu sein.

26. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?

Um ehrlich zu sein, fällt es mir schwer, abzuschalten. Am liebsten würde ich jede freie Minute für meine Projekte und alles, was mit diesen zu tun hat, nutzen. Meine beiden Katzen tragen viel dazu bei, den Stress zu reduzieren (auch wenn sie als sie noch kleiner waren, eher anderweitig für Stress gesorgt haben *lach*). Um abends runterzukommen, lese ich im Bett immer noch ein wenig. Außerdem hilft Sport, den Stress zu reduzieren und gestärkt in den Tag zu starten. Ein Abend am Wochenende gehört außerdem ausschließlich dem wichtigsten Menschen in meinem Leben – ganz ohne Ablenkungen und Schreiben.

Teil 6: Ausblicke und Einblicke

27. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben. Was wünschst du dir?

Wenn sie gelten lässt, dass ich als meine Protagonistin in die Welt meiner Lieblingsbücher und meiner Geschichten wechseln kann, würde ich wohl das wählen. Alternativ dürfte gerne Zeit stillstehen, wann immer ich ein Buch zur Hand nehme. Denn es bleibt einfach viel zu wenig Zeit vom Tag übrig, um zu lesen und es gibt zu viele gute Bücher, die mir „Lies mich, lies mich“ zurufen.

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Dass man Fanfictions wie Bücher verkaufen kann *lach* Aber Scherz beiseite: Es würde mir schon genügen, wenn die Politik der Verlage lockerer wäre, weil so für viele Autoren nur der Weg des Selfpublishing bleibt.

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

In dieser Hinsicht habe ich leider keinerlei Erfahrung. Ich bin schon sehr froh, dass ich mich dazu durchgerungen habe, Testleser „einzustellen“. Allerdings sind das Leser meiner Geschichten und die ich in dieser Hinsicht für kompetent halte.

Liebe Sonea, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen so ausführlich zu beantworten. Ich hoffe,

Alle bisherigen Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

Du solltest im Übrigen AUF KEINEN FALL auf den Umschlag hier unten klicken, da sonst fürchterliche Dinge passieren könnten!


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Beliebte Beiträge

4 thoughts on “Augenschelm fragt: Sonea von Delvon

  • Hallo,

    ein interessantes Interview! Ich finde es immer spannend, etwas über die Schreibroutine anderer Menschen zu hören, so individuell, wie dieser ganze Prozess mitunter sein kann. Man erhält ein gutes Bild, wie Sonea an ihren Geschichten arbeitet.

    Das Thema Fanfiction ist für mich hingegen äußerst ambivalent. Ich verstehe die Motivation dahinter sehr gut und ich finde es durchaus bemerkenswert, wenn man in der Lage ist, fremde Geschichten so weiterzuführen, dass das Grundgefühl der originalen Idee nicht verloren geht. Das erfordert ja durchaus Fingerspitzengefühl, kann ich mir vorstellen. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass man durch Fanfiction hervorragend lernen kann, wie man Geschichten erzählt – es ist ja schon eine Basis vorhanden, auf der man aufbauen kann. Charaktere, Handlungen, Orte, Magiesysteme, man kann die Liste beliebig erweitern.

    Genau das ist für mich jedoch auch der Knackpunkt. Man bedient sich Inhalten, die man nicht selbst kreiert hat. Wenn man ganz böse und drastisch spricht, stiehlt man diese Inhalte eigentlich sogar. Gewiss nicht aus einer verwerflichen Intention heraus – Geschichten erzählen zu wollen ist mit Sicherheit nicht verwerflich –, aber Fakt ist und bleibt, dass man das Gedankengut des Urhebers benutzt. De facto wäre ohne ebenjenes Gedankengut ja nicht ein einziges Wort der Fanfiction überhaupt möglich. Von daher halte ich es für mehr als nur fair und korrekt, dass Fanfiction nicht über Verlage veröffentlicht werden kann. Den Wunsch hinter einer solchen Veröffentlichung verstehe ich schon, immerhin ist ja immense Arbeit investiert worden. Andererseits finde ich die Bereitschaft, mit etwas Profit machen zu wollen, was man ohne das Gedankengut des Urhebers (in diesem Fall Trudy Canavan) niemals hätte erschaffen können, schon ziemlich frech – selbst, wenn es wegen den rechtlichen Vorgaben lediglich bei der Bereitschaft bleibt.

    Wie gesagt: Interessantes Thema. Was mich an dieser Stelle aufrichtig interessiert – was hält Sonea davon ab, eigene Werke zu erschaffen? Sie erweckt den Eindruck, viel Potential mitzubringen. Warum das also nicht in etwas stecken, was dann auch tatsächlich bei einem Verlag eingereicht werden kann? Das stelle ich mir auf Dauer wesentlich erfüllender vor.

    Schöne Grüße,
    F.

    • Hallo liebe F. ( ;-))

      vielen Dank für Deinen Beitrag und die Gedanken, die Du Dir dazu gemacht hast. Natürlich kann ich hier
      nicht für Sonea sprechen und werde sie deshalb mal fragen, ob sie Dir Deine letzte Frage nicht beantworten kann.

      Lieben Gruß

      Bruno

    • Hallo F.

      Tja, was hält mich davon ab, eigene Geschichten zu schreiben? Was veranlasst einen Autor überhaupt dazu, eine Geschichte zu schreiben? Eine Idee. Eine Idee, die aus dem Kopf heraus will. Eine Idee, für die man brennt. Und das ist erfüllend. Es ist erfüllend über das zu schreiben, wofür man brennt und, im Idealfall, andere damit glücklich zu machen. Vielleicht würden andere Autoren mir da widersprechen, weil sie andere Aspekte um das Thema Schreiben erfüllend finden.

      Insofern finde ich es sehr bedauerlich, dass meine humorig-flapsige Bemerkung zum Thema Fanfiction und Geld verdienen so falsch angekommen ist. Natürlich wäre es schön, mehr als nur Ruhm und Ehre für das Schreiben zu bekommen. Kein Mensch würde nein zu Geld sagen, das er für eine Arbeit erhält, schon gar nicht, wenn es in einem legalen Rahmen geschieht, der bei Fanfictions jedoch zurzeit nicht gegeben ist. Ohne die rechtliche Grundlage und das Einverständnis von Frau Canavan würde ich kein Geld für meine Arbeit nehmen wollen.

      Geld sollte bei etwas, das man mit Leidenschaft betreibt, keine Rolle spielen. Ginge es mir ums Geld, dann hätte ich schon längst einen eigenen Roman geschrieben. Aber das würde meinem Prinzip das zu schreiben, wofür ich brenne, widersprechen, weil dabei nicht viel Gutes bei rumkäme, solange ich von meiner Romanidee nicht vollständig überzeugt bin.

      Warum also sollte es erfüllender sein, bei einem Verlag zu schreiben? Weil ich dort Geld machen kann? Weil ich dort nicht exakt das schreiben kann, was ich gerne schreiben möchte, sondern an das Verlagskonzept gebunden ist? Weil ich Deadlines einhalten muss?

      Ich kann mir nichts vorstellen, was mir die Freude an dem, was ich tue, mehr wegnehmen würde.

      Oder anders gefragt: Wenn man in seiner Freizeit in einem Fußballverein spielt, wird dann von einem erwartet, dass man damit Geld verdient, weil die Profi-Fußballer es tun?

      Es ist schwierig, bis unmöglich, das Rad neu zu erfinden – es gibt einfach zu viele Geschichten und von irgendwo bezieht ein Autor immer seine Inspiration. Wenn man ein Buch schreibt, das in der realen Welt spielt, dann bedient man sich bereits existierenden Schauplätzen, politischen und historischen Fakten, lebenden Personen bzw. solchen, die einst gelebt haben, wenn wir von historischen Romanen sprechen, etc. pp. – all dies sind Inhalte, die man nicht selbst kreiert. Ist man dann weniger kreativ, bloß weil das Genre ein gewisses Worldbuilding schon vorwegnimmt?

      Fanfictions, insbesondere solche, die in fiktiven Welten spielen, bieten ausreichend Platz für eigenes kreatives Gedankengut und Worldbuilding. Keine fiktive Welt und kein Magiesystem sind bis ins kleinste Detail erschlossen, man kann alles angefangen von der Landkarte über Völker bis hin zur Flora und Fauna erweitern oder gar fiktive Sprachen erfinden – die Herausforderung besteht darin, es so zu tun, dass es mit der bereits bestehenden Welt konsistent ist. Je mehr man in einer Welt schreibt, desto mehr wächst und gedeiht sie und umso intensiver muss man sich diesen Themen widmen. Und natürlich kommen mit der Zeit immer mehr eigene Figuren hinzu.

      Ich schreibe seit mittlerweile mehr als sieben Jahren in dieser Welt und in dieser Zeit kam entsprechend viel an Worldbuilding und neuen Charakteren zusammen. Insofern steckt darin, rein schreibtechnisch betrachtet, vermutlich so viel Eigenleistung, wie andere Autoren in ein eigenes Werk stecken würden. Aber wieso sollte ich etwas Eigenes zu schreiben, wenn mein Herz so sehr an dieser Welt und ihren Charakteren hängt und dieser darüber zu einer Art geistiger Wahlheimat und Refugium geworden sind? Eines Tages, wenn ich all meine Ideen dazu niedergeschrieben habe, sieht das vielleicht anders aus. Doch für den Moment interessiert es mich nicht.

      LG
      Sonea

  • Hallo,

    Zu dem sehr interessanten Interview kann ich mir dann doch zwei Kommentare nicht verkneifen:

    1.: Fanfiktion ansich:

    Ich selber kenne dieses Genre auch noch nicht so lange, und bin ehrliche gesagt erst über DGDSM darauf gestoßen.
    Für mich hat das Thema zwei Seiten die durchaus konträr zueinander sind. Zum einen ist dies ein sicherlich nicht verkehrtes Hobby, bei dem durchaus bemerkenswerte Ergebnisse entstehen – wenn auch nicht viele.
    Deine FF’s sind rühmliche Ausnahmen im großen Feld der Mittelmäßigkeit. Bei den meisten Sachen die es da gibt wird sehr schnell klar warum sie nicht „kommerziell“ verlegt werden. Sicher, das sind Leute die das als Hobby machen -.diese sollten aber über eine Veröffentlichung nicht mal im Ansatz nachdenken.
    Deine Ergebnisse sind anders – diese zeichnen sich in der Tat durch eine aus der Menge hervorstechende Professionalität aus, welche zumindest aus dieser Sicht für eine Veröffentlichung sprechen.
    … wäre da nicht ein großes ABER: Ich halte es für ziemlich ausgeschlossen das irgend ein Originalautor seine Zustimmung zu einer Veröffentlichung gibt. Warum das so ist liegt eigentlich auf den Hand, denn selbst deine ursprüngliche Motivation FF zu schreiben lag ja darin das du mit dem Ende der Trilogie nicht einverstanden warst. Letztlich sagt jeder FF Autor ja eigentlich „Du Autor, deine Idee war ja gut, aber die Umsetzung kann ich besser“. Welcher Autor würde dann da sagen „Klar, du hast recht. Dann veröffentlichen wir doch mal deine verbesserte Version meinen Buches“. Wohl keiner – außer es stehen entsprechende finanzielle Interessen dahinter.
    Ein FF-Autor muss sich halt selber klar werden was er denn will:
    a) Einfach so für sich schreiben – und wenn es jemand anders gut findet ist auch nicht verkehrt: Das ist sicher gut für ein kleines Hobby.
    b) Beruflich Autor werden: Das bedeutet zumeinen die Abkehr vom FF – und somit die Erschaffung einer eigenen Welt mit allem was dazu gehört, UND vermutlich auch sich an einen Verlag zu binden (das Thema „Selbstverlag“ halte ich für jemanden der neu ist und wirklich von seinem Schreiben leben will für nicht zielführend).Das bedeutet: Der Verlag nimmt massiven Einfluss auf Inhalt und Art eines Buches – und auch wie es vermarktet wird. Dazu gehören dann auch Sachen wie Autorenlesungen und ähnliches. Ich kann mir gut vorstellen das dies manchem Autor zu viel „Lesernähe“ ist. Zudem bleibt das Risiko das man das Buch am Ende nicht mehr als wirklich sein eigenes Werk wahrnimmt, sondern vielmehr als das des Verlagslektors – gerade was auch deine Bücher angeht. Kein Verlag bringt einen Roman mit 8000 Seiten, und auch das Aufteilen auf mehrere Bücher würde ja bedeuten das jedes Buch ausreichend in sich abgeschlossen ist, aber trotzdem Lust auf den Nachfolger macht.

    bleibt noch:
    c) Hobbyautor bleiben – mit dem Anspruch trotz allem Bekanntheit zu erreichen. Diese Variante ist das was du gerade machst – und offensichtlich selber erlebst wie schwer es ist auch eine wachsende Fangemeinde zu bekommen. Denn: Genau da sind wir wieder bei b). „Fans“ sind nichts anderes als „Kunden“ – auch wenn sie nicht wirklich „bezahlen“. Kunden wollen ernst genommen werden – und auch das Lesen was ihnen gefällt. Sicher hat auch ein FF-Autor sich sehr gut überlegt was er denn wie schreibt, aber der Leser fühlt sich nicht ernst genommen wenn seine Einwände mit einem „Ich will’s aber anders“ abgebügelt werden. Und ja, zur „Fanpflege“ gehört auch eine gewisse Lesernähe – das ist im Bereich Literatur nichts anderes als beim Fußball. Eine „graue Eminenz“ die aus dem quasi anonymen Meisterwerke auf den Markt bringt und ansonsten möglichst viel Distanz zu seinen Lesern will kann man dann werden, wenn man schon ein entsprechendes Renommee erreicht hat. Dazu reicht Schreibqualität alleine nicht aus. Sicherlich muss man sich von einem Leser nicht alles gefallen lassen, aber zu jeder kontroversen Meinung eine umfangreiche Abhandlung zur Selbstrechtfertigung erreicht eher Leservergraulung – und nicht Leserbindung. DAS ist übrigens auch ein Punkt den ein Verlag entsprechend der gewünschten Marktwirkung beeinflussen würde.

    Du – als Hobbyautorin – bist da in der angenehmen Position dir selbst auszusuchen welche Variante denn angenehm für dich ist.

    Noch kurz zum Thema Verlage – auf denen ja so gerne rum geprügelt wird:
    Man darf nicht vergessen: Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen wie jedes andere auch. Nur weil dort vermeintlich mit „Kunst“ gehandelt wird ist dies nicht anders. Entsprechend sind Verlage daran interessiert Bücher auf den Markt zu bringen, von denen sie der Ansicht sind genügend Kunden zu finden. Das hat weniger was mit „offen für neues“, sondern mit puren Gewinnkalkulationen zu tun. Entsprechend wollen Verlage dann eben auch das Ergebnis entsprechend beeinflussen – denn letztlich invertieren sie in Produktion und Marketing einiges an Geld.
    Diesen Fakt kann man mögen oder auch nicht – ändern kann man daran nichts. Es steht natürlich jedem Frei einen eigenen Verlag zu gründen und „offen“ für neues zu sein. Ob man damit überlebt ist eine andere Frage.
    Das Problem hat man auch direkt beim Selbstverlag: Hat man die Kosten für Dinge wie Lektorat, Design und Druck aufgebracht steht man vor dem großen Problem des Marketings. Ich behaupte: Dies kann ein Einzelkämpfer nicht lösen. Er wird niemals die Mittel haben eine auch nur im Ansatz ausreichende Bekanntheit zu erreichen. Ausnahmen hiervon sind allenfalls sehr spezielle Fachbücher, bei denen ohnehin kein großes Marketing nötig ist da die Entsprechenden Fachleute den Autor ohnehin kennen.

    Alles Gute
    D.

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