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Augenschelm fragt: Benjamin Spang

Langsam geht es mit Staffel 1 meiner Interviews dem Ende entgegen.

Heute habe ich Benjamin Spang interviewt, der sich seinen Traum vom Buch auf unkonventionelle Art erfüllt hat, nämlich durch Crowd Funding.

Sich das Buch von künftigen Leser „vorfinanzieren“ zu lassen ist eine gute Idee, die dem Selfpublisher Überblick verschafft, was er Investieren kann, ohne zu seinem eignen Druckkostenzuschussverlag zu werden. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, wie agil und kreativ die Branche ist.

Benjamin schreibt „Dark Fantasy“ mit Steampunkelementen. Sein Buch „Blut gegen Blut“ könnt ihr auf allen gängigen Plattformen erwerben. Teil 2 ist aktuell in Arbeit und wird seine nächste Veröffentlichung werden.

Darüber hinaus ist Benjamin Spang einer meiner Schreibbuddies, ich hatte also schon die Ehre seine Geschichte vor Veröffentlichung testlesen und kommentieren zu dürfen.

Er hat mir noch eine alte Version meines Interviews beantwortet, weswegen heute einige Fragen mehr enthalten sind als sonst.

Ihr könnt (und solltet) Benjamin auf so ziemlich allen Social Media Kanälen folgen, bestimmt auch auf solchen, die es aktuell noch gar nicht gibt. Die wichtigsten habe ich hier für euch zusammengestellt:

Homepage: http://benjaminspang.de/

Twitter

Facebook

Instagram

YouTube

Viel Spaß beim Lesen

Interview mit Benjamin Spang

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Leider noch nicht, ich arbeite aber daran ;).
Ich habe einen Brotjob als Mediengestalter, in dem Beruf habe ich
eine Ausbildung gemacht.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu Schreiben und seit wann Schreibst du?

Ich war schon immer kreativ. Früher Comics gezeichnet, dann
Computerspiele gebastelt und über ein solches Spieleprojekt dann zum
Schreiben gekommen. Das war so Mitte 2011.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu
veröffentlichten?

Ich habe schon immer mit diesem Vorsatz geschrieben :). Ich wollte
schon immer raus in die Öffentlichkeit mit meinen Texten.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Positiv.

5. Ist Verlagspublikatiom oder Selfpublishimg dein Weg?

Selfpublishing.

6. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

Weil ich die volle Kontrolle habe und selbst entscheiden kann wo die
Reise hingeht.

 

7. In welchem Genre schreibst Du und was begeistert Dich an diesem
Genre?

Dark Fantasy. Zum einen das düstere, melancholische, was ich schon immer
mehr mochte als Fantasy im Auenland. Und an Fantasy allgemein mag ich, dass
ich mir auch die verrücktesten Dinge ausdenken kann, um den Leser zu
faszinieren.

8. Wie sieht sein gewöhnlicher Schreibtag von Morgens bis abends
aus?

Ich stehe um 5 Uhr morgens auf, schreibe 2 Stunden und begebe mich
dann zu meinem Brotjob.
Nach Feierabend mache ich meist noch Grafik- oder Videoarbeiten.

9. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Das passiert ganz unterschiedlich. Filme, Bücher oder Dinge aus dem
Internet. In letzter Zeit habe ich oft auch Nebencharaktere erstellt,
die mir so gut gefallen haben, dass ich weitere Storys mit ihnen
schreiben werde.

10. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

10 bis 14 Stunden.

11. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Kann ich pauschal nicht sagen, hängt vom Plot, der Erstfassung und
dem Feedback der Testleser ab.

12. Wie wichtig ist für Dich die Struktur Deiner Geschichte?

Sehr wichtig. Der Leser soll sich ja nicht langweilen.

13. 3-Akte, 5-Akte, 8 Sequenzen. Wie strukturierst Du Deine Geschichte?

Ich schreibe nach dem 7-Punkte-System.

14. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt
weiterempfehlen?

„Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben“ heißt es glaube ich. Das ist
sehr prakrisch und bietet kompaktes Wissen.

15. Was war der beste Ratschlag, den du im Bezug auf das Schreiben
erhalten hast?

Meine Autorenkollegin Sabine Osman hat mir mal einen Tipp gegeben wie
ich ganz einfach mit Scrivener und dem Tool Sigil ein sauberes Ebook
ausgeben kann. Das hat meine Arbeit enorm erleichtert!

16. Welche drei Bücher haben dich am meisten inspiriert und warum?

Die ersten beiden Bücher der Darkblade-Reihe was meine
Genreausrichtung „Dark Fantasy“ angeht. Ansonsten lese ich auch sehr
viele „psychologische“ Sachbücher zum Thema Kreatives Arbeiten.
Aktuell lese ich die Steve Jobs Biografie. Auch sehr inspirierend!

17. Wie motivierst Du Dich zum Schreiben?

Ich werde irgendwann sterben. Vielleicht schon morgen. Was will ich
dieser Welt hinterlassen? Das motiviert mich. Ich will lieber bekannt
dafür sein, gute Bücher geschrieben zu haben als dafür, viel TV
oder Youtube geguckt zu haben. Für mich ist es keine Option nach der
Arbeit auf die Couch zu fallen und mein Leben an mir vorbeizehen zu
lassen.

18. Wie gehst Du bei der Überarbeitung vor? Hast Du ein bestimmtes
System?

Ich mache alles am Computer. Nach der Erstfassung lasse ich das Manuskipt
erst einmal eine zeitlang liegen und schreibe an einem anderen Projekt
weiter. Dann geht es mit frischen Augen zurück und dann wird Satz für Satz
gelesen und überarbeitet.
Danach folgen Testleserunden mit befreundeten Autoren und „normalen“ Lesern.
Dann wird das Manuskript wieder überarbeutet aufgrund deren Feedback.

19. Wie lange hast Du an Deinem ersten fertig geschriebenen Roman
gearbeitet?

Drei Jahre.

20. Was sind Deine besten Tipps, wenn es darum geht Deinen Roman an
den Mann zu bringen?

Accounts auf Twitter, Facebook, Snapchat, Instagram und Youtube. Und
darüber dann täglich deinen Schaffensprozess und deinen Weg zum
Bestsellerautor dokumentieren.
Content, Content, Content!

21. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Malus Darkblade. Rumhuren und Brandschatzen.

22. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir
einen Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu
tun haben.
Was wünscht du dir?

Vom Schreiben leben zu können.

23. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

1. Geduld.
2. Geduld.
3. Geduld.
4.Geduld.
5.Den Willen, hart an sich selbst und dem eigenen Text zu arbeiten.

24. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst
mit dem Schreiben begonnen hat?

Lerne dein Handwerk! Gewöhne dir ab, deine Zeit mit TV oder Internet
zu vergeuden.
Beginne gleichzeitig deinen Weg zum Autor via Social Media für die
Öffentlichkeit zu dokumentieren. Dadurch bildest du mit der Zeit
deine eigene Fanbase, die lesen will was du schreibst.

25. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

Durch Recherche. Ich schaue mir an, wer das liest, was ich schreiben
will und konzentriere mich dann auf diese Zielgruppe.

26. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social
Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen
dabei?

Ich liebe das was ich mache. Das bewahrt mich davor. Ich meine jeder
von uns hat 24 Std. Zeit am Tag. Wenn dir das abendliche TV-Programm
wichtiger ist, okay! Du hast dich dafür entschieden.

Mir macht mein Selfpublisher-Dasein zu viel Spaß, um meine Zeit mit
anderem Kram zu verplempern. Ich meine ich sitze gerade im Flugzeug in
den Urlaub, während ich diese Interviewfragen beantworte ;). Solche
Wartezeiten kann man auch immer produktiv nutzen.

Ansonsten natürlich auch wirklicher Urlaub. Wenn ich gleich lande
werde ich auch zwei Wochen nicht schreiben. Aber meine Social Media
Kanäle werde ich weiter bedienen.
Solche Erholungsphasen sind auch wichtig. Wer das ganze Jahr über
100% gegeben hat, darf das :).

27. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel
ist eher Quälerei?

Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Man kann sich selbst
sehr viel Leid ersparen, wenn man vor dem Schreiben ordentlich
plottet! 🙂

28. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Unterschiedlich. Zuletzt an vier gleichzeitig.

29. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im
Bezug auf das Schreiben?

1. Meine Routine. Jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen und 2 Std.
schreiben.

2. Meine Ausdauer. Mein Text wird erst veröffentlicht, wenn ich
damit zufrieden bin.

3. Meine Passion zum Marketing. Ich liebe es, meine Bücher zu
vermarkten :).

30. Wie stehst du zu den Begriffe. Autor, Schriftsteller, Hobbyautor?

Die ersten beiden wollen vom Schreiben leben.

31. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Puh, da fällt mir grad nix ein. Aber da gibt es bestimmt was :).

32. Zum Schluss was handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge,
Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du empfehlen?

Barcamps kann ich empfehlen wie z.B. das Literaturcamp in Heidelberg.
Allgemein auf viele Veranstaltungen gehen wie auch die Frankfurter
Buchmesse und viele Leute kennen lernen! Da gibt es dann auch viele
Workshops usw.

Auch Lektorin Nina C. Hasse kann ich empfehlen. Sie darf aktuell meine
Novellen bearbeiten :).

Lieber Benjamin, vielen Dank für Deine Antworten!

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Brandon Sandersons Gesetze der Magie


„Magie muss man nicht erklären. Magie passiert, darum heißt sie ja Magie.“


Wer Fantasy schreibt, kommt in der Regel um das Thema Magie nicht herum. Seit J.R.R. Tolkien den Herrn der Ringe schrieb, ist Magie ein ebenso fester Bestandteil des Genres wie eigene Weltkarten, Sprachen oder Völker.

Es ist der sanfte Zauber des Unbekannten, das Mythische.

Dass Wesen und Menschen Dinge tun können, die normale Menschen nicht tun können.

Das Wort Magie leitet sich von dem griechischen Wort „Magoi“ ab, was ursprünglich einen Stamm in Norden Irans bezeichnete, der für die Vielzahl an weisen Personen (i.e. Männern) bekannt war. Der Philosoph Tomaso Companella definierte Magie lediglich als eine Vorstufe der „normalen Wissenschaft“, also eine Art Dinge zu erklären, was man erlebt und sieht, aber (noch) nicht logisch erklären kann.

Aus diesem Grund ist Magie, ähnlichen den Religionen, mit fortschreitendem Wissen aus unserem Alltag verdrängt worden. Wo Blitze früher Magie der Götter waren, sind sie heute erklärbar.

Es führt also dazu, dass „verstandene“ Magie nicht mehr als solche, sondern als Wissenschaft verstanden wird. Ergo müsste ich mich als Autor davor hüten, meine Magie in irgendeiner Form zu erklären, wenn ich sie nicht ihrer Wirkung berauben will.

So hat Tolkien es in seinem Hauptwerk gehalten. Die Magie der Istari wird nicht erklärt. Ebensowenig erklärt J.K. Rowling wie GENAU ihre Zaubersprüche funktionieren. Sie funktionieren halt innerhalb ihrer magischen Welt.

Es gibt aber auch Autoren die das anders sehen.

Brandon Sanderson ist bekannt dafür, in seinen Romanen ausgeklügelte Magiesysteme zu entwerfen, die einen großen Reiz seiner Romane ausmachen. Mir ist vor allem die „Allomantie“ im Gedächtnis geblieben, die Magie der „Kinder des Nebels (org: Mistborn)“ Reihe.

Sanderson schlägt dabei aus meiner Sicht einen Bogen zwischen Magie und Science Fiction, die letztlich auch nur die Magie des durch Technologie Möglichen ist. Sie muss dabei auch keinesfalls logisch oder falsifizierbar sein, sie muss lediglich in dem in sich geschlossenen Systems des Romans konsistent sein.

Was mir bei Sanderson gefällt und seine Art Magie zu schreiben für mich interessant macht: Er verwendet sie als ein Mittel der Dramaturgie. Sie macht Dinge nicht einfacher für die Protagonisten, sondern schwerer.

Wie das? Nun, Brandon Sanderson hat über den Lauf von Jahren die „Sanderson´s Laws of Magic“ entwickelt, die ich nun im Folgenden vorstellen möchte. Die original Posts findet ihr ganz am Ende dieses Beitrags als Link.

Sanderson´s First Law

Sanderson’s First Law of Magics: An author’s ability to solve conflict with magic is DIRECTLY PROPORTIONAL to how well the reader understands said magic.

Als Sanderson das erste Mal mit anderen Autoren darüber sprach, dass in seinen Augen zwei Regeln elementar für Magie seien, wurden ihm direkt die oben aufgeführten Zweifel entgegen gebracht. Magie zu erklären führt dazu, dass Du das „Zauberhafte“ und „wunderartige“ Deiner Magie nimmst.light-1611224_1280

Der Lektor John Campell sah genau hier die Schwäche der Fantasy gegenüber der Science Fiction. Fantasy fehle die konsistente Logik. Das Risiko einer Deus ex Machina sei zu groß und der Leser könne ständig in Situationen geworfen werden, aus denen der Held mit Hilfe einer Magie entkommt, die der Leser nicht nachvollziehen könne.

Natürlich ist das ein Einfwurf aus den Anfängen der Fantasy, denn man hat dazu gelernt. Dennoch, wer seine eigene Magie nicht kennt, läuft Gefahr hier den Leser zu verprellen.

Sanderson ist sich aber bewusst, dass seine Art Magie zu schreiben nicht das Non plus Ultra ist, schließlich sind der Herr der Ringe und eben Harry Potter auch ohne das Welterfolge geworden.

Darum unterteilt er Magie in mehrere Typen:

  • Soft Magic

Als Beispiel für Soft Magic nimmt er den Herrn der Ringe. Tolkien erklärt seine Magie nicht. Der Leser identifiziert sich jedoch in erster Linie nicht mit Gandalf, sondern mit den Hobbits. Die Undurchsichtigkeit der Magie macht die Welt dadurch weiter, undurchdringbarer, schwerer zu verstehen. So wie sie auch für die Hobbits ist.

Entscheident auf dieser Seite der Magie, die möglichst wenig Regeln und Einblicke in das „Wie es funktioniert“ offenbart, ist, dass die Magie so selten wie möglich dazu genutzt wird, um Probleme zu lösen. Was hingegen gut funktioniert ist, dass Magie Probleme verursacht, welche die Protagonisten dann auf ihre Weise und mit ihren Fähigkeiten lösen (vgl. Lied von Eis und Feuer).

Es gibt einen Grund, wieso Gandalf Frodo nicht zum Schreckensberg fliegt und ihn dort abwirft, oder wieso er nicht gleich den Ring an sich nimmt.

Diese Regel verhält sich gleich der Regel, dass Zufälle nach Möglichkeit niemals ein Problem eines Protagonisten lösen sollten, wohl aber Probleme bereiten können.

Je weniger Du also von Deiner Magie preisgibst, desto weniger sollte sie ein Rolle bei der Lösung von Konflikten spielen, oder

An author’s ability to solve conflict with magic is DIRECTLY PROPORTIONAL to how well the reader understands said magic.

Wenn es eine Seite gibt, dann gibt es natürlich auch eine andere Seitewizard-1293759_1280

  • Hard Magic

Bei dieser Art Magie zu entwickeln beschreibt der Autor exakt, wie seine Magie funktioniert. Das ermöglicht dem Leser, mit den Magiern mitzufühlen, die Fähigkeiten zu entdecken und klevere Twists und Wendungen zu entwickeln.

Die Leser und der Autor verstehen wie die Magie funktioniert, was sie kann und was sie nicht kann. Daher kann sie verwendet werden, um Probleme zu überwinden. Neben Erfahrungen und cleveren Gedanken, wird auch die Magie ein legitimes Mittel für die Figur, um Probleme zu lösen.

Sanderson sieht Isaac Asimovs Robot Serien auf dieser Seite der Magie. Ich habe die Bücher nicht gelesen, kann deswegen zu dieser Einschätzung nichts sagen.

Sanderson betont, dass diese Art Magie in keinem Fall den Gesetzen der Wissenschaft folgen muss oder das genau erklärt werden muss, wieso die Figuren Magie nutzen können. Es gehe ihm nur das Verständnis der Leser, was diese Magie zu tun in der Lage ist.

Aus diesem Grund definiert er die meisten Superhelfenfähigkeiten als „Hard Magic“, da zwar deren Entstehung oftmals abenteuerlich ist, aber das was der Held kann oder nicht kann sehr klaren Vorgaben folgt.

  • The middle Ground

Wo es ein links und ein rechts gibt, gibt es auch ein dazwischen. Sanderson sieht Harry Potter in dieser Ebene. Jedes der Bücher bietet gewisse Grundlage an Regeln und Gesetzen, was bei der Magie geht und was nicht und sie werden in den Büchern genutzt, um beim Klimax der Geschichten hilfreich zu sein.

Nichtsdestotrotz, so Sanderson, ist es unmöglich das System als Ganzes zu verstehen. Teilweise widersprechen sich die Fähigkeiten, es werden neue Regeln mit jedem Buch ergänzt und Figuren vergessen Fähigkeiten, die sie einem anderen Teil noch benutzt haben.

Sanderson selbst sieht sich bei 80% der „Hard Magic“, was noch genügend Platz für Rätsel lässt, aber den Leser so gut mitnimmt, dass Magie ein probates Mittel zur Lösung von Konflikten ist.

Zusammenfassend kann man sagen:

Jede Form der Magie ist gut und gerechtfertigt. Achte lediglich darauf, wie Du die Magie in Deiner Geschichte verwendest und widerstehe der Versuchung, Dinge mit Magie zu lösen, wenn Du nicht vorher im Buch irgendwo dafür die Grundlage gelegt hast (Plants and Payoffs). Vermeide es, dem Helden neue Fähigkeiten hinzuzufügen, nur weil es gerade für die Situation hilfreich ist.

Wenn Du am harten Ende des Skala unterwegs bist, frage Dich stets „wie kann der Charakter das, was er bereits hat, verwenden, um Herr der Lage zu werden“, ohne etwas Neues hinzuzufügen.

Sanderson´s Second Law

Limitations > Powers

Das Second Law ist für mich das noch Wichtigere. Am zweiten Gesetz merkt man, dass Sanderson Schreiben studiert hat und nach Wegen für Dramaturgie sucht. Folglich schaut er nicht als erstes drauf, was Magie alles kann, sondern welche Basis für Konflikte Magie bietet. Was kann die Magie eigentlich nicht?

Deswegen handelt der Herr der Ringe auch nicht von Gandalf und seinen unglaublichen Fähigkeiten, sondern von den Hobbits, den schwächsten und unfähigsten Figuren des gesamten Werks.

Wenn also ein Magiesystem enwickelte wird (und es ist nahezu unmöglich etwas zu entwickeln, was es nicht bereits gibt), ist es wichtig auf die Grenzen, die Kosten und die Schwächen der Magie zu achten.

So sind in dem von Robert Jordan erdachten System beispielsweise die Kosten, dass man zwar Magie nutzen kann, diese einen aber bei jeder Benutzung in den Wahnsinn treibt.

Ich habe im Feuerträger ein System entwickelt, das den Wirkenden maximal wenigen Sekunden seiner Fähigkeit nutzen lässt und ihn so erschöpft zurück lässt, als wäre er einen Marathon gelaufen. Dadurch sind die Cavarii (oder Magier) durch jeden Normalsterblichen zu besiegen, was bei meinem Worldbuilding ein Checks-and-Balances System zur Folge hatte. Zudem gibt es noch eine Reihe weiterer Beschränkungen und Schwächen, die ich aber noch nicht ausführen möchte 🙂

In der Mistborn Trilogie können die Magier Telekinese, aber mit der Einschränkung, dass sie etwas nur wegdrücken oder zu sich ziehen können und das es aus Metall sein muss. Ein schweres Objekt drückt dich weg, ein leichtes wird von dir weggedrückt.

Das zwingt die Charaktere dazu, härter für ihre Ziele arbeiten zu müssen.owl-1727370_1280

Die drei Schwerpunkte unterteilt er wie folgt:

Limitations (Grenzen): Was die Magie ganz simple nicht tun kann.

Supermann kann beispielsweise nicht druch Blei sehen. Spiderman kann nicht fliegen. David Eddings Magiesystem erlaubt nahezu alles, aber mit der Grenzen, dass nichts was jemals getan wurde wieder rückgängig gemacht werden kann.

Widerstehe dem Drang, Limitationen aufzuheben, weil du dadurch ein Problem leichter lösen kannst.

Weaknesses (Schwächen): Anders als das simple „was die Magie nicht kann“, sind Schwächen innerhalb der Magie verankert. Dinge, welche die Magie „verletzlich“ machen.

Zum Beispiel Kryptonit, das Superman sämtlicher Macht beraubt.

So ist es keine Schwäche, wenn Dein Magier 100 Meter in die Luft springen kann, aber nicht 200. Das sind lediglich die Grenzen. Eine Schwäche wäre es, wenn er dafür während des Sprungs keine seiner anderen Fähigkeiten nutzen könnte oder leuchtet wie ein Weihnachtsbaum.

Sanderson warnt jedoch, dass die „Wegnahme sämtlicher Fähigkeiten“ in gewisser Weise zu einem Cliché geworden ist, dem mit Vorsicht zu begegnen ist.

Kosten (Costs)

Der eine Ring macht dich unsichtbar, aber die dunklen Mächte sehen wo du bist und das Tragen des Rings macht dich nach und nach Paranoid.

Wenn Du kein Spice mehr hast, bist Du nicht mehr in der Lage mit Lichtgeschwindigkeit zu fliegen.

Du kannst Magie nutzen, wirst aber verrückt dadurch.

That´s it.

Sanderson´s third Law:

Expand what you already have before you add something new.

Autoren, die Jahre damit verbracht haben Worldbuilding zu betreiben, laufen Gefahr in ihren Romanen zu viel langweilige Exposition zu vermitteln. Sie haben zwar das Worldbuilding perfektioniert, nicht aber jahrelang ihre Schreibfähigkeiten trainiert.

Worldbuilding ist ein unbestreitbar elementarer Teil der Fantasyliteratur, aber genau so ist es mit dem Plotten, dem Entwickeln von Figuren und der simplen Fähigkeit zu Schreiben.

Sanderson outet sich als großer Fan des Worldbuildings und um dieser Worldbuilders Disease entgegen zu treten, hat er das dritte Gesetz entwickelt.

Oftmals entstehen die besten Geschichten, wenn man etwas Bekanntes nimmt (eine frustrierte Schülerin, die ins Niemandsland zieht und auf eine Schule muss etwa) und etwas Neues dazu tut (Vampire die glitzern).

Entschuldigt dieses Beispiel, es gibt natürlich unzählige glitzerfreie (Kick Ass, Pulp Fiction, Django Unchained, Casino Royale etc etc).

Als Gegenbeispiele kann man den Trend des „Je mehr, desto besser“ nehmen, dem viele Superhelden Filme zum Opfer fallen nach gewisser Zeit (Spiderman 3, Civil War, X-Men Apocalypse).

Also prüfe einfach, welche Auswirkungen kleine Änderungen in Deiner Welt haben. Sanderson nennt das Extrapolation, also die „was wäre wenn“ Frage (die ich mir am Anfang jeder Storie stelle).

Was wäre wenn ein Magier aus Luft Essen herstellen könnte und dadurch riesige Armeen ständig mit Nahrung versorgen könnte, egal wo sie wären?

Verbinde Kräfte, Kulturen und Themen die du bereits entwickelt hast, prüfe wie sich Magie ergänzen würde. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, auf dem bestehenden Aufzubauen, ohne jedesmal voll in das Worldbuilding einzusteigen und die ersten Jahre jedes Buchs damit zu verbringen. Interessant sind in diesem Kontext auch Fanfictions, die auf bestehenden Systemen aufbauen, aber je nach ihrer eigenen Art Erweiterungen in dem System fortführen.

Die Originalbeiträge findet ihr hier, ich muss nicht erwähnen das ich es empfehle, die zu lesen.

Sanderson´s First Law

Sanderson´s Second Law

Sanderson´s Third Law

Nicht vergessen, der Newsletter. Am Ende eines Monats informiere ich über alle Beiträge. Du wirst also nicht zugespamt, sondern bekommst in der Regel nur einen Newsletter pro Monat von mir.

Alle Fotos habe ich Lizenzfrei bei pixabay.com bekommen.

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Augenschelm fragt: Tanja Hanika

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zu meinem Interview mit Tanja Hanika. Ich haber der Autorin meine berühmt berüchtigten 29 Fragen gestellt. Tanja ist überzeugte Self-Publisherin mit Schwerpunkt auf dem Horror Genre. Sie bietet aktuell bei Amazon 7 Bücher an.

Tanja ist Self-Publisherin aus Überzeugung und verrät euch, wie sie auf Ideen kommt, Ihren Alltag organisiert und gibt euch ein paar handgreifliche Tipps.

Viel Spaß beim lesen! Mehr von Tanja findet ihr auf:

Tanjas Amazonseite

Tanjas Homepage

Tanjas Facebookprofil

und natürlich auf Twitter

Interview

Erster Teil – Über Dich

1. Zu Deiner Person: Kannst du vom Schreiben leben? Falls nicht, was
machst Du, außer zu schreiben?

Vom Schreiben kann ich nicht leben. Einen Brotjob habe ich dennoch nicht, ich bin Mama und Autorin. Mein Mann verdient die Brötchen.

2. Wie bist Du dazu gekommen zu schreiben und seit wann schreibst du?

Als ich acht Jahre alt war, habe ich mir in der Bücherei eine Kinderversion von Bram Stokers „Dracula“ ausgeliehen und war absolut begeistert, was Geschichten mit der eigenen Fantasie anstellen können. Seit da wollte auch ich solche spannenden, atmosphärischen Geschichten erzählen und bin dem Horrorgenre seit fast 20 Jahren verfallen und schreibe ebenso lange.

3. Seit wann schreibst du mit dem festen Vorsatz, zu veröffentlichten?

Ich habe in Trier Germanistik (und Philosophie) studiert und gemerkt, dass ich keinen Beruf ergreifen möchte, der sich nicht mit Literatur beschäftigt. Nach und nach wurde es dann für mich immer deutlicher, dass ich es einfach versuchen sollte, mein größtes Hobby zum Beruf zu machen. Self-Publishing wurde immer beliebter und seit 2012 habe ich mit der Absicht geschrieben, meinen Roman „Redthorne Castle“ später auch zu veröffentlichen. Probeweise habe ich mich in dieser Zeit (bis ich dann mit dem Self-Publishing 2015 angefangen habe) an Geschichten-Wettbewerben versucht und so einige Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien zustande gebracht. Das war ein guter Test, welche Geschichten ankommen und welche nicht.

4. Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Mein Umfeld, also mein Mann, meine Familie und Freunde, waren glücklicherweise begeistert und haben mich unterstützt und von Anfang an ernst genommen. Manche meinten, dass es klar gewesen wäre, dass es so kommen würde, und wussten es wohl sogar vor mir, dass ich Autorin werden würde.

Zweiter Teil: Das Publizieren

5. Ist Verlagspublikation oder Self-Publishing dein Weg?

Ich bin überzeugte Self-Publisherin.

6. Wieso hast du dich für diesen Weg entschieden?

Ich liebe die Freiheiten, die einem das Self-Publishing bringen, ebenso wie die vielen unterschiedlichen Aufgaben, um die man sich kümmern muss. Deadlines setzt man sich selbst (z.B. in Absprache mit Testlesern, Lektoren o.Ä.) und bei einem selbst liegt die letzte Entscheidung, wie was gemacht wird. Bisher habe ich mich mit keinem Projekt bei einem Verlag beworben. Ob ich das in Zukunft doch noch ausprobieren möchte, weiß ich noch nicht.

7. In welchem Genre schreibst Du?

Ich schreibe Horror- und Schauerromane. Zwei Kurzromane sind der Dark Romantasy zuzuordnen, aber noch lieber schreibe ich Horror.

Dritter Teil: Gewohnheiten

8. Wie sieht sein gewöhnlicher Schreibtag von morgens bis abends aus?

Momentan schreibe ich überwiegend abends / nachts, sobald mein Sohn im Bett ist. Wenn er bald in den Kindergarten geht, werde ich auch die Vormittage nutzen können. Ich bin selbst schon gespannt, welche Struktur sich dann im Alltag ergeben wird.

9. Auf welche Art entwickelst Du eine Idee zu einer Geschichte?

Zunächst überlege ich, welche Möglichkeiten ich erzähltechnisch habe, bzw. welche Geschichte mir am besten zu der Idee gefallen würde. Abgesehen vom Plot überlege ich, welche Figuren ich dafür brauche und wie diese sein sollen und müssen.

Ich plotte und plane dann anhand einiger worksheets, die ich überarbeitet und zum „Arbeitsbuch für Schriftsteller“ zusammengefasst habe, das bei Amazon erhältlich ist. Allerdings lasse ich mir dabei noch den nötigen Spielraum, damit Figuren und der Plot sich entwickeln und mich überraschen können. Ganz detailliert ist meine Plotvorarbeit deshalb nicht, aber einen Rahmen habe ich schon.

10. Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche an Deinem Buch?

Das ist momentan noch ganz unterschiedlich. Aber ich würde sagen, dass ich im Schnitt auf zwei Stunden pro Abend komme. Ich schreibe / arbeite jeden Abend in der Woche, also auf ganz grob geschätzt vierzehn Stunden die Woche. Wobei in dieser Zeit ja nicht nur am Buch gearbeitet wird, sondern auch alles andere, das im Autorenalltag anfällt, erledigt werden muss. E-Mails, Marketing, Finanzamtaufgaben, etc.

11. Wie oft überarbeitest Du im Schnitt?

Nach der Rohfassung überarbeite ich meistens drei Mal, bevor die Testleser den Text bekommen. Ab und zu auch ein viertes Mal.

Anschließend arbeite ich deren Kommentare ein.

Danach kommt dann das Lektorat, welches ja auch einen Bearbeitungsdurchgang erfordert. Und dann folgt noch das Korrektorat, das ich auch ziemlich gründlich durchgehe. Also bearbeite ich alles in allem mindestens sechs Mal, aber wenn nötig, auch öfter.

12. Wie wichtig ist für Dich die Struktur Deiner Geschichte?

Eine gute Struktur macht es dem Leser schwer mit dem Lesen aufzuhören, sofern auch die Story stimmt. Ich achte auf die Spannungsbögen meiner Handlung und liebe es Twists einzubauen. Daher ist mir Struktur wichtig, für deren Planung ich mein bereits genanntes „Arbeitsbuch“ immer wieder nutze. 🙂

Vierter Teil: Inspirationen

13. Welches Buch über das Schreiben kannst du unbedingt weiterempfehlen?

Ich finde Stephen Kings „On Writing“ inspirierend. Weniger, um etwas daraus zu lernen, sondern vielmehr, weil es so locker geschrieben ist als würde man ihm gegenübersitzen und Mr. King persönlich zuhören dürfen. Man möchte sich sofort hinsetzen und selbst etwas schreiben.

An klassischen Schreibratgebern gibt es zu viele sehr gute, um da einen herauszugreifen.

14. Was war der beste Ratschlag, den du im Bezug auf das Schreiben
erhalten hast?

Mir persönlich hat der Schreibpraxis-Tipp am meisten weitergeholfen, dass man sich in der Rohfassung ruhig austoben soll, natürlich ohne das Plotgerüst aus den Augen zu verlieren. Korrigieren und verbessern kann man hinterher, aber wenn man so perfektionswütig ist, dass nicht einmal eine Rohfassung zustande kommt, kann auch nichts verbessert werden. Das hat mir sehr geholfen, mich bei der Rohfassung zu entspannen.

Als Schreibtipp selbst finde ich das gute alte „Show, don´t tell“ wahnsinnig wichtig.

15. Welche drei Bücher haben dich am meisten inspiriert und warum?

Wie bereits erwähnt hat mir „Dracula“ als Kind die Augen geöffnet und mich mit dem Lese- und Schreibvirus infiziert. Das ist für mich das Buch schlechthin.

Ein anderes wunderschönes Buch ist „The Nightcircus“ von Erin Morgenstern. Ihre Sprache und die Bilder, die sie erzeugt, sind schlichtweg fantastisch. Nach dem Lesen hatte ich auch hier den dringenden Wunsch, irgendwann einmal so wie sie schreiben zu können.

Es fällt mir schwer nun nur noch ein drittes Buch nennen zu dürfen, aber emotional mit am meisten berührt hat mich in der letzten Zeit „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak. Absolute Leseempfehlung für jeden, der es noch nicht kennt. Hut ab vor jedem Autor, der es schafft beim Leser so starke Gefühle zu wecken.

16. Wie motivierst Du Dich zum schreiben?

Ich muss mich hierfür nicht motivieren, sondern ich liebe es in meine Schreib-Fantasie-Welt zurückzukehren. Auch müde oder krank kann ich die Finger kaum von der Tastatur lassen.

Marketingposts auf meinen Social Media Kanälen zu verfassen fällt mir da deutlich schwerer. Die Möglichkeit, die Verkaufszahlen etwas anzukurbeln bietet da aber ausreichend Motivation. 🙂

17. Was sind Deine besten Tipps, wenn es darum geht Deinen Roman an den Mann zu bringen?

Ich denke es ist hilfreich eine eigene Homepage zu haben und sich frühzeitig Social Media Kanäle zu suchen und dort möglichst viele Kontakte aufzubauen. Rezensionsexemplare für Blogger (nach Absprache!) sind sehr empfehlenswert. Mit meinem nächsten Projekt möchte ich einmal schauen, ob sich eine Leserunde organisieren lässt. Den ultimativen Tipp habe ich also selbst noch nicht.51yd5ous2jl

18. Mit welchem Romanhelden möchtest Du gerne einen Tag verbringen?

Da ich Horrorautorin bin, lege ich mich bei der enormen Auswahl an Möglichkeiten einmal auf ein gruseliges Szenario fest: Ich würde gerne den Protagonisten eines Zombieapokalypse-Romans einen Tag lang bei seinem Überlebenskampf begleiten (und natürlich auch selbst überleben). Da würde man bestimmt viel über sich selbst und das Thema „Angst“ lernen.

19. Glückwünsch! Du hast eine Fee gefunden und sie erfüllt Dir einen
Wunsch. Einzige Einschränkung, es muss etwas mit Büchern zu tun haben.
Was wünschst du dir?

Ich würde mir wünschen, mich als Horrorautorin etablieren zu können. Dass meine Bücher viele begeisterte Leser finden und ich davon leben kann. Und ganz fabelhaft wäre es dann, wenn jemand Fremdes auf die Frage nach seinem absoluten Lieblingsbuch, einen meiner Romane nennt.

20. Welche fünf Eigenschaften sollte ein Autor unbedingt besitzen?

Kreativität, Durchhaltevermögen, Sprachkompetenz, Zielstrebigkeit und Mut.

21. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem mitgeben, der gerade erst mit dem Schreiben begonnen hat?

Schreib das, was du selbst gerne lesen möchtest. Denn selbst wenn das Projekt nicht zu Ende geschrieben oder später nicht veröffentlicht wird, hattest du eine wunderbare, spannende und schöne Zeit mit dem Text.

Fünfter Teil: Organisation

22. Wie findest Du Deine Zielgruppe?

In Bücherforen wird ganz gut deutlich, welche Menschen welche Bücher lesen und wie sie sie bewerten. Man kann aber auch im Internet nach Informationen suchen, es gibt ja für alles Statistiken. Oder man hört sich mal im privaten Umfeld (Familie, Freunde, aber auch Nachbarn oder weiter entfernt Bekannte) um, wer welche Bücher liest.

23. Familie, Arbeit, Studium, Schreiben, Vertrieb der Bücher, Social
Media. Der Kalender ist voll, was tust du, um nicht auszubrennen dabei?

Damit habe ich momentan keine Probleme. Vielleicht hat man mehr Energie, wenn man den Traum zum Beruf machen konnte. Ab und zu sollte man es sich gönnen mal eine Nacht auszuschlafen, wenn möglich, aber ansonsten habe ich dafür keinen Trick 17.

 24. Wie viel der Zeit die Du schreibst macht dir Spaß und wie viel ist eher Quälerei?

Natürlich gibt es Szenen oder Abschnitte eines Romans, die sich schwieriger schreiben lassen als andere, aber mir macht das Schreiben wirklich immer Spaß. Gerade kniffelige Stellen hinzubekommen ist ein tolles Gefühl.

Mein Trick ist, nie an einer schwierigen Stelle aufzuhören, denn dann fällt es einem am nächsten Tag leichter, wieder in den Schreibfluss hineinzukommen. Quälerei ist es eher, wenn ich mal einen Tag nicht zum Schreiben komme.

25. An wie vielen Projekten arbeitest du gleichzeitig?

Meisten zwei bis drei, da ich vor / zwischen den Korrekturphasen die Projekte eine Weile liegen lasse. In diesen Pausen plotte, schreibe oder korrigiere ich dann andere Projekte.

26. Was sind, aus Deiner Sicht, Deine 3 wertvollsten Gewohnheiten im
Bezug auf das Schreiben?

Dranbleiben, egal wie müde oder erledigt man vom Tag ist.

Selbstkritik aufs Überarbeiten verschieben, aber dann gnadenlos zu sich selbst sein.

Und am Wichtigsten: Das Schreiben, was man liebt.

27. Wie stehst du zu den Begriffen. Autor, Schriftsteller, Hobbyautor?

Ein Autor ist für mich jeder, der veröffentlicht.

Ein Schriftsteller kann meinem Verständnis nach vom Schreiben leben. Aber es kann sich selbst gerne jeder Schriftsteller nennen, der das lieber mag als Autor. 🙂

Ein Hobbyautor ist für mich jeder, der keine Ambition hat zu veröffentlichen, und einfach gerne mal schreibt, wenn er Muße dazu hat

28. Wenn Du eine Sache am Buchmarkt ändern könntest, was wäre das?

Von mir aus könnte gerne das Horrorgenre beliebter werden. Leute, traut euch ruhig euch zu gruseln. Es passiert ja nichts. 🙂

29. Zum Schluss was Handfestes: Welche Workshops, Lehrgänge, Coverdesigner, Lektoren und Korrektoren kannst du aus deiner bisherigen Arbeit empfehlen?

Ich arbeite sehr gerne mit der hervorragenden Lektorin / Korrektorin Alice Scharrer (von Korrektar) zusammen. Auch Doris Eichhorn-Zeller (von Perfekte Texte Coburg) ist eine zuverlässige und freundliche Korrektorin.

Mein Veranstaltungshighlight 2016 war das Literaturcamp in Heidelberg, das ich auch 2017 gerne wieder besuchen möchte.

Ansonsten bin ich noch am Ausprobieren bzw. hatte leider noch keine Zeit für Lehrgänge, was ich bald zu ändern hoffe, sobald sich eine passende Gelegenheit bietet.

 

Liebe Tanja, ich danke Dir für Deine ausführlichen und spannenden Antworten, die mal wieder einen tollen Einblick in die Arbeit einer Autorin gegeben haben.

Alle bisherigen Interviews von Augenschelm fragt findest Du hier.

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Die Tücken der Fantasy


Marlakim hob den Arm. Einige Sekunden … achnee, Augenblicke … später erzitterte er von dem harten Schlag des geschliffenen Stahls … Stahl? Gab´s das wohl schon? Egal.

Er schwang nach vorne, legte all seine Kraft in diesen einen Stoß. Wozu hatte er Monate … Monate? Zyklen? Verdammt, haben die Monate? Wie messen die denn die Tage? Egal, ist ja der erste Entwurf … Monate trainiert. Echt jetzt? Trainiert? Hatte er auch einen Job? Und einen Boss? Geübt! Geübt ist besser! Wozu hatte er Monate geübt?

by Pixabay

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Kommt euch das bekannt vor? Wenn ihr Fantasy schreibt, vielleicht. Ich bin stetig auf der Suche nach den richtigen Worten. Von Zeit zu Zeit ist es eine Qual, sich zum weiterschreiben zu zwingen. Die Fragen die auftauchen kommen von einem nicht bis ins kleinste Detail zu Ende gedachten Worldbuilding.

Für mich ist Worldbuilding Mittel zum Zweck. Es dient der Geschichte. Es muss stimmig und gut überlegt sein, aber man kann sich bis ans Ende aller Tage mit Worldbuilding beschäftigen. Deshalb habe ich irgendwann damit aufgehört und merke jetzt während des Schreibens, wo ich nachbessern muss.

Würde ich das beim nächsten Mal anders machen? Vielleicht die ein oder andere Sache, aber manches fällt eben erst beim Schreiben auf.

Schwierig wird es, wo ich als „High Fantasy“-Autor nicht auf Referenzen zurückgreifen kann. Gerade bei „Show don´t tell“ ist es auch wichtig mit Bildern und Vergleichen zu arbeiten. Aber viele Begriffe habe ich nicht. Es gibt sie schlichtweg in meiner Welt nicht.

Er kann nicht gucken wie ein Auto, kalt sein wie die Arktis, dröhnen wie ein Presslufthammer. Er kann keine Frisur wie Friedrich der Große haben, eine schiefe Lippe wie Michael Douglas oder eine Stimme wie Mickey Mouse.

In der hohen Fantastik muss ich mir meine Referenzen selbst erschaffen und gleichzeitig aufpassen, dass ich den Leser nicht mit Exposition erschlage. Ich glaube, das ist ein Grund wieso Urban Fantasy so gut funktioniert und wieso so manche High Fantasy nur schwer zu Ende zu lesen ist.

Die Hintergründe müssen aus den Dialogen der Charakere entstehen, aus Konflikten und vereinzelten Internalisierungen der Charaktere. Immer in Scheiben, immer so viel, dass es die Geschichte vorran bringt und nicht ausbremst.

Ich habe mich dazu entschlossen, nicht alles neu zu erfinden. Noch hadere ich mit mir, ob es „Meter“ und „Kilometer“ geben soll. Auch bei den „Monaten“ bin ich mir nicht sicher. Aber ich nutze Referenzen, die der Leser bereits kennt und ändere sie etwas ab. Ich erfinde keine neuen Tierarten oder Pflanzen, sondern ergänze Bekanntes, wie George R. R. Martin das auch gemacht hat, bei den Schattenkatzen als Beispiel.

Im Feuerträger gibt es Legionäre, Zenturios und Konsule, auch wenn dort kein Latein gesprochen wird. Es ist ein schmaler Grat, auf dem man hier wandert – wo kann ich einen Begriff nutzen, wo ist dieser Begriff zu eng an einer bestimmten Epoche oder Historie gebunden? Ist es okay, einen Legionär statt einen Soldaten zu verwenden? Wäre Soldat denn in Ordnung? Sollte der Vollmond nicht lieber anders genannt werden?

Wenn es zu exotisch wurde, habe ich als Leser immer abgeschaltet. Ich habe lieber einen guten Lesefluss und bin dafür bereit, ein paar „geklaute“ Referenzen hinzunehmen, statt dass der Autor sich alles neu ausdenkt und mir Knoten in die Synapsen schreibt.

Wie denkt ihr darüber? Ist das ein No-Go in der fantastischen Literatur? Was geht, was geht nicht?

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