Was Dir niemand über Social Media für Autoren verrät

Posted by on Jul 14, 2017 in Blog, Business, Organisation, Schreiben | 9 Comments
Was Dir niemand über Social Media für Autoren verrät

Als Autor ist man viel beschäftigt. Man muss schreiben, revidieren, recherchieren, organisieren und lesen. Nur sind die meisten von uns nicht nur Autor. Manche sind Lehrerin, andere Bänker, wieder andere studieren. Manche haben Elternzeit, andere sind alleinerziehend. Einige sind nicht nur Autor, sondern sogar Selfpublisher. Wieder andere arbeiten bei der Polizei und mindestens eine, so habe ich mir sagen lassen, ist sogar Psychologin.

Zeit ist ein wertvolles Gut

Das ist nicht neu. Jeder von uns kämpft täglich darum, alles hintereinander zu bekommen. In meinem Fall heißt das Job, Pendeln, Familie und Schreiben. Du kennst solche Rahmenbedingungen, bist vielleicht selbst komplett eingespannt. Wie soll man denn da Zeit fürs Schreiben, Lektorieren und Marketing finden. Dennoch: Wir alle besitzen 24 Stunden am Tag und es liegt lediglich an uns, wie wir diese 24 Stunden nutzen. Zeit ist das Einzige, was für uns alle gleich verteilt ist.

Der einzige Unterschied sind die Dinge, die uns jeden Tag in die Quere kommen.

Für uns alle sind nur manche Dinge kontrollierbar. Andere stehen völlig außerhalb unseres Einflussbereichs. Ich empfehle Dir, nur auf die Dinge zu blicken, die Du ändern kannst. Natürlich kannst Du Dich auch bei jeder Wetterlage beschweren. Ändern kannst Du es hingegen nicht. Die gute Nachricht ist, die Dinge die Du ändern kannst sind mehr, als Du glaubst.

Heute möchte ich mich einem besonders ausgefuchsten Zeitfresser zuwenden. Einem, den man als solchen kennt, den man aber mindestens genauso oft ignoriert. Einem, über den viele Blogartikel für Autoren geschrieben wurden und in denen es meistens nur heißt, man solle dort mehr Zeit verbringen statt weniger.

Ich spreche von Social Media.

Ohne Social Media verkaufst

Du kein einziges Buch

Das ist der allgemeine Tenor. Du schreibst ein Buch, aber dann brauchst Du Marketing! MARKETING! Für Autoren und vorneweg Selfpublisher gibt es nur eine einzige Art des Marketings: Social Media. Ohne Social Media verkaufst Du kein einziges Buch.

Ich selbst war zu Beginn meiner Autorenzeit fest davon überzeugt. Auf jedem Kanal habe ich mir Profile angelegt.

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Ich habe an Challenges teilgenommen, mir lustige Tweets und originelle Fotos überlegt. Bei jedem Like war ich stolz. Klar – ohne Social Media verkauft man keine Bücher. Man muss bekannt werden, sich zur Marke machen. Hinterfragt habe ich das nicht. Lediglich der Eiertanz zwischen Blog (den man ja auch haben MUSS), Schreiben, Familie und Arbeit wurde nicht leichter. Statt gemütlicher Fernsehabende hatten wir Second-Screen-Abende.

Ohne Zweifel hat Social Media unglaublich viele Vorteile. Sie führt dazu, dass man sich vernetzen kann. Sie leitet Dich auf tolle Blogs, zeigt Dir interessante Artikel, verbindet Dich mit Gleichgesinnten. Das ist wirklich so. Ohne Twitter würde ich heute weder Benjamin Spang, Nina Hasse oder Katrin Ils kennen. Ich wäre kein Mitglied der BartBroAuthors. Wolfgang Lamar hätte mir nie geholfen, meine Kurzgeschichte zu überarbeiten. Ich würde nicht einmal Clue Writing kennen und hätte somit noch kein Buch in einer Kurzgeschichtensammlung, die man bei einem Verlag kaufen kann.

Vieles wäre einfach so an mit vorbei gezogen. Dafür ist Social Media absolut wertvoll. Hier liegt der Fokus voll auf dem sozialen, auf Vernetzung, dem Austausch. Social Media hilft, Dich als Person für das interessant zu machen, was Du so auf den Social Media Kanälen treibst. Lieferst Du guten und unterhaltsamen Content, dann folgen Dir die Leute.

Aber es heißt ja, ohne Social Media verkauft man kein Buch. Was ist daran? Müssten wir nicht alle schon Bestsellerautoren sein, bei den ganzen Profilen, Tweets, Facebookposts und Instagramfotos die wir raushauen? Hat einer von euch mal gemessen, wie viel Zeit er oder sie eigentlich für Social Media – ähm, ich meine Marketing – aufbringt? Kann das denn sein, dass die einzige Antwort darauf immer nur lautet, noch mehr zu machen?

In keinem meiner Interviews hat

eine Autorin den Rat gegeben,

mehr Zeit in Social Media zu investieren

Wieso eigentlich nicht? Die Antwort darauf ist relativ einfach. Bevor Du Dich um Werbung kümmerst, kümmere Dich darum, ein gutes Buch zu schreiben. Sonst hast Du nichts, wofür du werben kannst.

Selbstverständlich kannst Du twittern, instagrammen und was sonst gerade Kanal der Wahl ist, aber an erster Stelle, muss immer das Schreiben kommen. Du bist Autor, kein Social Networker. Das Netzwerk ist nur ein Kanal, ein Transportmittel. Es ist nicht Mittel zum Zweck.

Social Media bietet nicht nur Chancen, sondern birgt auch eine handvoll Gefahren für Dich und Deine Karriere und diese möchte ich mit Dir bewerten. Wenn Du Selfpublisher oder Autor bist, wirst Du bis dato nur auf Blogbeiträge stoßen, die sich um Social Media How-Tos drehen, darum wie wichtig es ist und wie man es richtig macht. Ich zeige Dir heute auf, was Dir keiner über Social Media sagt, damit Du am Ende in der Lage bist, eine informierte Entscheidung über Dein Social Media Marketingverhalten zu treffen.

Social Media Marketing

ist im Trend

Zunächst zu den weniger überraschenden Punkten. Laut dem Deutschen Institut für Marketing, liegt Social Media bei Unternehmen in einem wachsenden Trend. 90% aller Unternehmen nutzen Social Media und halte diese für wichtig, wie in der Umfrage „Social Media in Unternehmen 2016“ herausgearbeitet wurde. Für diese Studie wurden die Unternehmen selbst befragt.

Der Hauptgrund liegt dabei auf der Interaktion mit den Kunden (33%), gefolgt von Zielgruppenansprache (33%), Imagebildung (28,3%) und Kundengewinnung (25%).

Nahezu alle Unternehmen gehen davon aus, dass die Bedeutung von Social Media weiter steigen wird.

Social Media wird über alle Branchen hinweg genutzt. Die Unternehmen haben dabei häufig Schwierigkeiten ihre Social Media Strategien in die Unternehmensabläufe zu integrieren. Meistens macht es die Marketingabteilung, sofern diese denn vorhanden ist, wo sich im Schnitt 2 Personen ausschließlich um Social Media kümmern.

44,6 % der Unternehmen verfolgen eine konkrete Social Media Strategie, nach der sie systematisch vorgehen. Dabei handelt es sich nahezu ausschließlich um weltweit und international agierende Unternehmen. Konkrete Startegie bedeutet auch, dass der Erfolg der Maßnahmen konsequent überprüft wird.

In zwei von drei Fällen werden die Social Media Aktivitäten direkt mit einer parallel laufenden Offline-Kampagne geführt. Social Media Marketing stellt somit keine für sich stehende Form dar, sondern ist Teil des Marketing-Gesamtkonzeptes von Unternehmen.

Große Bedeutung kommt hierbei dem Content Marketing zu, also dem Bewerben der eigenen Produkte über Blogs. Wobei Bewerben in diesem Fall bedeutet, die Vorteile des Angebots über Content darzustellen.

Absoluter Spitzenreiter bei der Bewertung der Wichtigkeit ist Facebook, gefolgt von eigenen Blogs, YouTube und Twitter. Dann kommen Instagram und die anderen Kanäle, wobei Instagram als „Rising Star“ eingestuft wird.

Eine Vergleichbare Studie für Einzelunternehmer, die Ihre Geschäfte alleine regeln, gibt es nicht. Und somit schlagen wir den Haken vom Unternehmen zum Autor.

 Social Media

verlangt Pflege

Ich bin Bänker und arbeite im Gewerbekundenbereich. Dabei hatte ich auch immer wieder mit Existenzgründern und deren Businessplänen zu tun. In keinem fehlte der Hinweis auf die weitreichenden Social Media Aktivitäten. Das liest sich gut, das macht sich gut. Nun wussten die meisten nicht, dass ich selbst ein aktiver Social Media Nutzer bin, also die Anzahl an Followern, Tweets, Likes und Aktivität durchaus einschätzen kann. In den meisten Fällen konnte ich sagen: Ja, ihr habt ein Profil. Aber es ist für das was ihr tut und vor allem wie ihr es tut völlig irrellevant. Das ist nicht abwertend gemeint – nur hat es sich rumgesprochen, dass man eben Social Media Kanäle braucht.

Was sich vor allem im Mittelstand noch nicht überall rumgesprochen hat, ist, wie man es nutzt.

Viele unterschätzen, dass Social Media Pflege bedeutet. Wenn Du es als Kundenbindungsinstrument nutzen willst – und da geht es in erster Linie um Reichweite, also wer bekommt alles Deine Nachrichten unter die Nase – musst du qualitativ hochwertige Nachrichten verfassen, die entweder unterhalten, Content (Inhalte) liefern, oder in anderer Art und Weise interessant sind. Darüber hinaus wollen Social Media Nutzer Interaktion. Sie wollen nicht frontal mit Inhalten zugeworfen werden, sondern sich austauschen. Das kennst Du als Autor, denn Du bist nicht nur Sender, sondern auch Empfänger und weißt ziemlich genau, was Dich nervt.

Vergiss es also, zig Accounts anzulegen nach dem Motto „viel bringt viel“. Lieber weniger und kümmere Dich ordentlich. Aber da kommen wir zum Ausgangpunkt: Ordentlich kümmern braucht Zeit. Wir Betriebswirte sprechen hier von Opportunitätskosten. Einfach gesagt  bedeutet das, dass Du nur eine Sache gleichzeitig machen kannst. Du kannst twittern ODER an Deinem Buch arbeiten. Du kannst an einer Fotochallenge für Instagram pfeilen ODER einen Schreibratgeber lesen. Das was Du jeweils nicht tun kannst, ist dein entgangener Nutzen. Hier musst Du genau abwägen, was für Dich einen höheren Nutzen hat.

Twittern, schreiben, lesen, Instgram?

Zuerst kommt das

Produkt

Das kann ich nicht oft genug sagen. Quality counts. Immobilienmakler sagen: „Die Lage, die Lage und nochmals die Lage.“

Stell Dir vor, Du gehst in ein das neue Restaurant bei Dir in der Straße. Der Besitzer twittert 20 mal am Tag, hat ein

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tolles Blog, Facebookpräsenz und wirkt total nett. Du hast schon oft mit ihm geschrieben. Jetzt ist es soweit. Du setzt Dich an den Tisch und beginnst voller Freude zu essen. Und nach dem dritten Bissen merkst Du, dass Dein Steak zu durch, die Bohnen aus der Dose und das Frittenfett sechs Tage alt ist.

Du zahlst, schließlich mag man sich, gehst enttäuscht nach Hause und setzt nie wieder einen Fuß in das Restaurant.

Es wäre gut gewesen, wenn der Restaurantbesitzer etwas weniger getwittert und dafür mehr Zeit in seine Kochkünste gesteckt hätte. Oder die Zeit wenigstens genutzt hätte, einen guten Koch zu finden.

Der Punkt ist, dass ich keinen Autoren kenne, der schreibt und sagt: „Wow, das war so super, ich muss eigentlich gar nichts mehr lernen.“

Fast alle sind wir mit unseren Selbstzweifeln beschäftigt. Wir alle fragen uns, ob gut genug ist, was wir tun. Bis ich ein gewisses Niveau erreicht habe, auf dem ich mich sicher bewege, heißt es für mich, alle Energie zuerst ins Schreiben.

Die Leser kaufen Dein Buch, wenn es gut ist. Sie erzählen von Deinem Buch, wenn es gut ist. Es nützt Dir nichts, wenn Du bei Deinem ersten Buch 35 Alibikäufer hast, die Dir einen 99 Cent-Gefallen tun, dann aber nicht mehr an Dir und Deiner Schreibe interessiert sind, weil sie bestenfalls mittelmäßig war. Dann nützen Dir auch Deine Social Media Aktivitäten nichts.

Schaue auf Deine Zeit und prüfe sorgfältig, wie Du sie nutzen möchtest.

Habe RESPEKT vor Deiner Zeit! Wie gesagt, wir müssten sonst alle bereits Bestsellerautoren sein.

Reichtweite schlägt

Qualität nicht

Eingangs bin ich auf die Sicht der Unternehmen eingegangen. Es gibt aber auch Umfragen, die an die Nutzer gerichtet waren.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens YouGov im Auftrag der Beratungsgesellschaft ServiceRating wurde herausgefunden, dass nur knapp jeder zweite Social Media nutzt, um sich über neue Produkte zu informieren. Spitzenreiter sind die Homepages der Unternehmen, gefolgt von Bewertungsportalen. Dafür erwarten knapp 45% der Nutzer, auf Social Media Gutscheine für eben jene dort angebotenen Produkte zu bekommen – mit denen sie dann vielfach auch noch unzufrieden sind. Lediglich als Kundenserviceinstrument schneidet Social Media gut ab. Um Fragen zu stellen, Beschwerden los zu werden und Kontakt aufzubauen.

Die Macher der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass zielgerichtetes Marketing wichtig ist. An dieser Stelle wäre es wichtig zu klären, was Merketing eigentlich bedeutet, aber das geht zu weit und wird von mir in einem anderen Beitrag geklärt werden.

Was die Kosten-Nutzen Rechnung angeht, möchte ich an dieser Stelle auf BuzzFeed eingehen. BuzzFeed gilt das Vorzeigeunternehmen, was Reichweite über diverse Social Media Kanäle angeht. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 2015 etwa 5 Milliarden Video-Views pro Monat (!) generiert. Der Umsatz von BuzzFeed lag bei etwa 150 Millionen Dollar, was dem Wert eines Views von 0,0025 Dollar entspricht.

Die Seite erreicht 400 Millionen User und erwirtschaftet pro User etwa 4 Cent. Natürlich ist es gut 150 Millionen Dollar zu erwirtschaften, allerdings sind sich Experten unsicher, ob BuzzFeed nicht deutlich überbewertet ist.

Zum Vergleich: Die New York Times, die eher auf Qualität statt Quantiät setzt, erreicht pro User allein durch digitale Werbung 5 Dollar pro User. Was im übrigen nicht bedeutet, dass die NYT kein Social Media nutzt. Nur liegt der Fokus nicht nur auf der Reichtweite von Artikel, sondern zuerst auf deren Qualität.

Ein Follower ist

kein Käufer

Geil, 1.000 Follower auf Twitter. Ich weiß noch, wie super ich das fand. Es war ein kleiner Aufstieg in den Twitterolymp. Zwar noch die unterste Stufe, die wo die Gehilfen der Kinder der Halbgötter sitzen, aber es war die erste Stufe.

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Gerade in diesem Moment ist meine Followeranzahl auf 1.648 angewachsen und das finde ich nicht schlecht. Die meisten davon sind echt und die Anzahl ist relativ stabil. Tatsächlich agiere ich mit etwa 100 Followern, die zu meinem engeren Kreis gehören. Man mag und kennt sich. Ich habe aus Jux und Dollerei eine Umfrage gemacht und gefragt, wer denn wirklich ein Buch von mir kaufen würde.

An der Umfrage nahmen 101 Person teil, was ziemlich exakt meiner vermuteten Menge entsprach. 29% sagten: „Ich kaufe dein Buch“ und zwar, bevor sie je eine Zeile von mir gelesen haben. 29 Leute kaufen einfach so ein Buch von mir, weil sie mich scheinbar mögen. Das finde ich schon mal nicht schlecht. 57% der Leute sagen: „Kommt drauf an, was Du für ein Genre schreibst.“ Ihnen ist egal ob ich nett bin. Fürs nett sein genügt Twitter, fürs Bücherlesen muss es schon das richtige Genre sein.

Denk an das Restaurant. Wer nicht gerne griechisch ist, geht nicht zum Griechen, egal wie nett der Besitzer ist.

Dazu muss man sagen, dass ich inzwischen seit Februar 2015 twittere, also gut 2 1/2 Jahre. In dieser Zeit habe ich 10.100 Tweets abgeschickt, von denen ein Großteil echte Interaktion oder zumindest ein paar Minuten Überlegung gekostet haben. Das macht in meinem ganz persönlichen Fall einen Wirkungsgrad von 1 verkauftes Buch pro 348 Tweets. Wenn wir davon ausgehen, dass ich für das Formulieren eines Tweets 30 Sekunden brauche (was deutlich untertrieben ist, aber velleicht kaufen ja ein paar der Unentschlossenen), dann muss ich also 174 Minuten twittern, um ein Buch zu verkaufen. Das sind fast drei Stunden.

Ein anderer Ansatz: Umgerechnet auf meine Follower heißt es, dass jeder 57. Follower bereit ist, mein Buch wegen meiner Social Media Aktivitäten zu kaufen.

Eigentlich nicht verwunderlich. Jeder, der wie ich einen Blog betreibt, kann ja die Klicks nachvollziehen, die er für das eigene Blog generiert. Die Inhalte hier sind kostenlos und BEVOR ich nicht guten (lesenswerten) Content kreiere, verläuft sich auch kein Leser auf meinen Blog. Selbst mit Werbung auf Social Media bleibt es bei einer handvoll Klicks und die guten Beiträge werden nicht geteilt, weil man so ein Spitzentyp ist, sondern weil den Lesern gefällt, was sie lesen.

Ein Follower ist eben kein Käufer. Er ist es vielleicht und es kommt stark darauf an, wie zielgruppengerichtet Du schreibst, was aber auch schon wieder ein wenig des lockeren Social Media Nutzens nimmt. Zielgruppen zu definieren ist den meisten Autoren zu anstrengend, denn es bedeutet oft (fachfremde) Arbeit, sich einlesen, Gedanken machen. Es hält vom Schreiben ab. Und weil es, anders als Social Media, keinen Spaß macht, lassen wir es auch.

Content Marketing ist

schwer für Autoren

Die Studie zu Beginn hat auf die Wichtigkeit von Contentmarketing im Rahmen einer Social Media Strategie hingewiesen.

Wenn Du Dir die erfolgreichen Vlog und Blog anschaust, dann vermarkten sich die Leute dort selbst. Bibi und Co vertreiben keine Produkte, sondern sich.

Damit kommen wir zu dem wichigen Punkt Content Marketing. Eingangs sagte ich, dass Content Marketing bedeutet, auf Blogs über den Kundennutzen der angebotenen Produkte zu sprechen. Gute Beispiele für Content orientierte Einzelunternehmer sind marathonfitness.de, Markus Cerenak, Ivan Blatter oder auch die Selfpublisherbibel.

Für Autoren ist Content Marketing äußerst schwierig, denn der Content den sie liefern, sind ja die Bücher, welche die Leser kaufen sollen. Man könnte also seine Bücher auf Blogs veröffentlichen, aber so weit gehen die meisten nicht, denn dann fielen die Käufe bei Amazon weg. Nur über das Blog zu gehen ist riskant und aus meiner aktuellen Einschätzung heraus, wenig nützlich.

Diese Hilflosigkeit merkt man in den Themen, die wir so in unseren Blogs abarbeiten (und da schließe ich mich selbst nicht aus), die zu 90% an andere Autoren, nicht aber spezifisch an Leser gerichtet sind. Nahezu alle (Klick-)erfolgreichen Autorenblogs geben Schreibtipps, denn das ist der Content, den sie liefern können. Das hat zu einem inflationären Anstieg an Schreibratgeberliteratur und Schreibkursen geführt. Natürlich sind auch Autoren Leser, aber wenn wir nicht alle in ein paar Jahren nur noch Schreibratgeberliteratur schreiben wollen, dürfen wir uns hier mal etwas Neues überlegen.

Wir gehen also fast alle den Weg: Schreiben – unter Autoren bekannt machen – gute Bewertungen bekommen – hoffen, so weiter sichtbar zu werden.

Viel hilft viel, sagt Parteo…

…nicht

Twitter, Instagram, Facebook, Snapchat, WordPress, Wattpad, Lovelybooks und und und. Bestäube jeden Kanal mit sinnvollen, geistreichen Posts, Fotos und Beiträgen. So ist der Tipp. Denk ans Marketing.

Da sind alle dabei. Zig Accounts aller Autoren zeigen es. In diesem Punkt nehmen wir Marketing ernst. Weniger

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ernst nehmen wir Marketing, wenn wir sagen: Steuere Deine Beiträge zielgruppenrelevant. Nutze unterschiedlichen Content auf unterschiedlichen Kanälen. Das geht dann schnell zu sehr in Richtung „Der will mir was verkaufen“.

Ja, richtig. Darum geht es doch. Du willst Deine Bücher verkaufen. Oder willst du eigentlich nur prokastinieren und nennst Social Media „Marketing“, so wie Du Netflix gucken unter „lernen und Recherche“ verbuchst?

Viel hilft aber nur dann viel, wenn Du Deine Inhalte verteilst. Wieso?

Vielleicht kennst Du das Pareto Prinzip. Es besagt, dass 20% unseres täglichen Tuns zu 80% unserer Ergebnisse führen. Umgekehrt bedeutet es, dass wir 80% unserer Zeit auf die restlichen 20% vergeuden. Wie äußert sich das bei Deinen Social Media Aktivitäten?

Schau mal in Deine Facebook, Twitter und Instagram Freundesliste. Und dann zähl nach, wie viele Deiner Follower auf mindestens 2 dieser Kanäle mit Dir befreundet sind.

Mein followerintensivstes Medium ist Twitter mit über 1.600 Followern. Hier bin ich am aktivsten.

Von meinen 249 Instagramfollowern sind etwa 200 auch auf Facebook oder Twitter mit mir befreundet. Teilweise sogar beides. Meine Facebookquote ist ähnlich erschreckend. Unterm Strich steuere ich aber pro Plattform lediglich 1/5 NEUE Follower an, die ich nicht bereits über Twitter anspreche. Gehen wir der Einfachheit halber von einer identischen Follower-Kauf-Quote wie bei Twitter aus, dann haben meine 195 Instagramfotos (die weit mehr als 30 Sekunden Zeit benötigen!) genau 0 Bücher verkauft, denn erst ab dem 57 Follower verkaufe ich ein Buch. Alle anderen habe ich ja bereits über Twitter abgefrühstückt, sie folgen mir auf beiden Kanälen.

Für Dich und Dein Marketing heißt das, dass Du mit jedem Kanal erstmal überwiegend dieselben Leute bespaßt. Der Nutzen jedes einzelnen Posts und damit das Aufwand/Nutzen-Verhältnis nimmt drastisch ab.

Du solltest also dafür sorgen, dass Deine Kanäle zielgerichtet unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, die für Dein Buch infrage kommen (was per se schwierig ist, den die meisten Bücher sprechen nur eine Zielgruppe an), möglichst unterschiedliche Kanäle verwenden, auf denen Du nicht die gleichen Follower hast (Benjamin Spang und Annika Bühnemann zB sind die einzigen die ich kenne, die gezielt Snapchat verwenden), deine Posts so einstellen, dass sie mehrere Kanäle gleichzeitig ansteuern (zB über IFTT, aber das ist nur ein Behelf) oder Dich schlicht und ergreifend auf einen Kanal konzentrieren.

Grade das ansteuern unterschiedlicher Kanäle mit einem Post via IFFT oder Zapier wird zB auf Twitter nicht gerne gesehen. Wenn Du dort nur Facebook-Links teilst, kannst Du das twittern auch lassen. Mit Instagramfotos habe ich hingegen ganz gute Erfahrungen gemacht – die werden automatisch auch auf Twitter gepostet und dort auch häufig noch geliked.

Was heißt das jetzt

in Zahlen?

Ich habe mir erlaubt, eine Preiskalkulation für ein selbstveröffentliches Buch durchzukauen. Wenn wir davon ausgehen, dass du an einem Buch 50 Cent verdienen möchtest und es Dich in der Herstellung mit Lektorat, Cover und allem etwa 2.300 Euro gekostet hat und Du das Buch für 3,99 Euro bei Amazon anbietest, dann musst du etwa 1.110 Bücher verkaufen, damit Deine Kosten gedeckt sind und du knapp 550 verdient hast – also etwa einen Monat Miete.

Bei meinem Wirkungsgrad bedeutet das, ich muss 186.480 Minuten twittern. Das sind etwa 130 Tage. Ununterbrochen.

Ich könnte natürlich auch Bücher schreiben, aber ihr wisst ja: Marketing.

Einzelunternehmer wie Selfpublisher oder Autoren haben eben keine Marketingabteilung, die zwei Leute dafür bezahlen kann, zu twittern. Ja, diese Leute werden dafür bezahlt. Wir nicht. Wir werden für Bücher bezahlt.

Social Media vernichtet

deine Konzentrationsfähigkeit

Nachdem ich nun ein wenig an der Behauptung gerüttelt habe, dass Social Media für Dein Buchmarketing das A und O ist, möchte ich noch zu einem anderen Punkt kommen. Denn für Autoren ist nicht nur Zeit ein wichtiges Gut. Konzentration ist es auch.

Also lass uns einen Blick darauf werfen.

In einer Studie der Wissenschaftlerin und Unternehmensberaterin Gloria Mark kam heraus, dass Angestellte im Büro etwa alle 11 Minuten in ihrer Tätigkeit unterbrochen werden. Eine Mail trudelt ein, jemand kommt ins Büro, das Telefon klingelt. Im Schnitt dauerten die Unterbrechungen 25 Minuten, ehe die Angestellten sich wieder ihrer Arbeit zuwenden konnten.

Daraus folgte, dass viele Dinge angefangen und nicht beendet und somit am Ende gleichzeitig bearbeitet wurden. Das sogenannte Multitasking. Ihr kennt es. Die Mail wurde angefangen zu schreiben, das Telefon klingelt, der Kollege kommt herein.

Wir sind inzwischen so schlau zu wissen, dass es Multitasking nicht gibt. Es ist eine Illusion. Unser Gehirn kann lediglich eine Aufgabe in kurzen Zeitabständen unterbrechen und dafür eine andere ausführen. Multitasking ist also lediglich eine schnelle Abfolge von extrem kurzen Konzentrationseinheiten.

Zwar geben die meisten Multitasker zu Protokoll, dass sie mehr schaffen durch das Multitasking, allerdings sprechen sie immer nur von ihrem eigenen Eindruck.

Studien haben inzwischen belegt, dass dem nicht so ist. Multitasking reduziert die Produktivität erheblich, es reduziert gleichzeitig die Qualität der Aufgabe, mit der wir uns beschäftigen und, das ist wohl das am wenigstens zu Erwartende, es reduziert unsere Fähigkeit mit mehr als einer Aufgabe gleichzeitig klarzukommen.

Darüber hinaus verbraucht Multitasking Glukose in rohen Mengen, was dazu führt, dass man sich nach reichlich Multitasken erschöpft oder sogar orientierungslos fühlt.

Es hat Auswirkungen auf die Struktur Deines Gehirns – es reduziert die Dichte der grauen Substanz in Deinem Schädel und das wiederrum hat Auswirkungen auf so nutzlose Dinge wie die Herzfrequenz, Blutdruck, Impulskontrolle, Empathiefähigkeit, Entscheidungsfindung und Emotionsregulierung.

Was hat das jetzt mit der Nutzung von Social Media zu tun? Nun, zum einen führt Social Media Nutzung zu einem

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hohen Multitaskinggrad. Schnell ablaufende Nachrichten, am besten zwei geöffnete Fenster um zwischen dem verlinkten Artikel und den neu aufpoppenden Nachrichten hin- und herzuwechseln während man parallel im Chat Neuigkeiten austauscht. Und nebenbei am Buch plotten oder den neuen Schreibratgeber lesen.

Nun wissen wir, dass wir im Schnitt alle 11 Minuten unterbrochen werden und Multitasking schlecht für uns ist. Interessant hierbei ist, dass wir uns an diese Art zu arbeiten gewöhnen. Wir verlernen quasi das konzentrierte arbeiten über einen längeren Zeitraum.

Unser Geist ist auf die regelmäßigen Unterbrechungen eingestellt, sagt Prof. Thomas Metzinger in der Juli Ausgabe der „Psychologie Heute“. Das bedeutet, wenn wir nach 11 Minuten nicht von außen, einer Mail oder einem Kollegen unterbrochen werden, dann unterbrechen wir uns selbst. Mit einem Blick ins Konto. Mit dem Checken der Mails. Mit Twitter oder Facebook.

Man kann seine Aufmerksamkeit trainieren. Mit Mediation zum Beispiel. Es gibt auch andere Wege, vor allem aber muss man Willenskraft aufbringen, um sich nicht ablenken zu lassen – also aktiv dagegen ansteuern.

Willenskraft wiederrum ist eine begrenzte Ressource. Sie hat weit weniger mit dem Charakter zu tun, als man gemeinhin glaubt. Sie ist eher wie ein Muskel – sie kann trainiert werden – aber sie erschöpft auch durch die verschiedensten Tätigkeiten. In der Wissenschaft wird dieses Phänomen unter dem Namen „Ego-Depletion“ behandelt. Welche Aktivitäten einen Menschen erschöpfen ist nicht ganz geklärt – dazu gehört interessanterweise beispielsweise Opfer von Vorurteilen zu sein – und die Forschungsergebnisse sind auch nicht unumstritten, aber es lässt sich relativ verlässlich sagen, dass es an deinen Ressourcen nagt, wenn du Entscheidungen triffst.

Es strengt Dich also an, gegen die ständige Verlockung von Twitter und Facebook anzukämpfen und je öfter und je mehr du das tust, desto wahrscheinlicher ist es, dass du diesen Kampf irgendwann verlierst. Das führt dazu, dass Du Dich schlecht fühlst, weil es Dir das Gefühl von Ausgeliefertsein gibt. Der ein oder andere kennt das vielleicht von Süßigkeiten, die man nicht essen wollte oder weil man sich wieder nicht zum Sport aufraffen konnte – oder eben zum Schreiben. Vor allem Menschen, die abends Schreiben und die nicht gerade für ich Buch brennen, sondern eher in einer der vielen „Arbeitsphasen“ sind, sind dann anfällig für Prokastination.

Social Media macht es Dir also nicht einfacher, sondern schwerer über lange Zeiträume an komplexen Werken wie dem eigenen Buch zu arbeiten. Wir wissen das. Meistens flüchten wir uns in den berühmten Autoren-Prokastinations-Humor.

Eine Studie hat sich Studenten beim Lernen angesehen und festgestellt, dass viele von ihnen während des Lernens vor dem PC saßen. Im Schnitt dauerte es 6 Minuten, bis die Studenten das Lernen unterbrachen und sich dem Social Media Profil zuwandten. Studenten, die Facebook während des Lernens geöffnet hatten, hatten im Schnitt schlechtere Punktzahlen (vgl. Rosen, Carrier, Cheever 2012).

Ich umgehe diese Fallen, indem ich morgens schreibe. Zudem sind alle meine Social Media Zugänge mit 2-Wege-Authentifizierungen gesichert. Mein Handy schließe ich morgens in meinem Spind ein. Um daran zu kommen muss ich erst einen 300 Meter Weg zurücklegen. Ich kann mich also tagsüber weder mit dem Handy, noch mit dem Browser in meine Social Media Netzwerke einloggen, außer in der Pause oder zu anderen Zeiten, wenn ich grade an mein Handy musste um zu telefonieren zum Beispiel.

Social Media kämpft

mit biologischen Waffen

Wenn Du eine Tüte Chips aufreißt und Dir vornimmst, nur einen einzigen Chip zu essen, klappt das meistens nicht. Der Grund dafür heißt Dopamin. Das ist das Glückshormon in Deinem Hirn, das reagiert wenn Du fettige und salzige Dinge zu Dir nimmst. Das kommt noch von ganz früher, denn Fett und Salz waren selten und daher wertvoll. Und das macht uns gierig. Das ist ein sinnvolles Naturprogramm, ohne das es uns heute womöglich gar nicht geben würde. Aber die Zeiten haben sich geändert.

So wichtig wie Nahrung ist für den Menschen auch soziale Interaktion. Zu einer Gruppe zu gehören konnte damals entscheidend für das Überleben sein. Darauf zielt Social Media ab. Ein Like, eine neue Nachricht, ein Mention – gehen direkt auf Dein Belohnungszentrum. Und machen Lust auf mehr. Das ist ein Teufelskreis, aus dem man erst herauskommt, wenn man es schafft, eine Zeitlang vom Netzwerk ignoriert zu werden. Und auch dann nur bedingt, denn die immer neue Flut von Informationen bieten Ablenkung – und die findet unser Gehirn gut, denn es wird mit Hormonen dafür belohnt, ihnen nachzugehen.

Es gibt ein Experiment bei Ratten, bei dem die Tiere durch einen Tastendruck direkt einen Elektroimpuls in das Belohnungszentrum ihres Gehirns senden konnten. Diese Belohnung hat die Ratten so süchtig nach mehr gemacht, dass sie schlafen und essen vergaßen und schließlich verhungert sind.

Social Media zieht dich in Themen hinein, mit denen du dich gar nicht beschäftigen wolltest

Dazu brauche ich eigentlich nichts mehr Schreiben. Jetzt wo Du weißt, dass Deine Aufmerksamkeit aktiv gegensteuern muss und Social Media Dich mit biologischen Waffen bekämpft, weißt Du, dass Du irgendwann zu Dir kommst und die letzten 30 Minuten die Du eigentlich schreiben wolltest mit dem klicken auf irgendwelche Links verbracht hast. Wie bin ich hier nochmal hingekommen? Wieso streite ich mich jetzt mit diesem User darüber, was falsch und was richtig ist?

Ich beispielsweise brauche auf Twitter nur einen „XY-Filme“ Trend zu sehen und mein Gehirn beginnt sofort mit der Suche nach lustigen Wortspielen. Das beschäftigt mich zuweilen mehrere Stunden. Oder Du lässt Dich auf eine Diskussion mit einem Troll ein. Die beschäftigt Dich mitunter den ganzen Tag. Du regst die über Politik auf, über Parkgebühren, über Leute, die sich über Leute aufregen. Dein Gehirn bekommt in 45 Minuten Social Media soviele unterschiedliche Themen serviert, dass deine Gedanken zum „Affengeist“ mutieren.

Mach mal die Probe aufs Exempel. Mach mal eine Woche lang Social Media Abstinenz und lies stattdessen Schreibratgeber oder arbeite an Deinem Buch. Achte mal darauf, wie sehr Dein Verstand sich mit diesen Themen beschäftigt, auch in der Zeit, in der Du nicht liest oder nicht schreibst. Wenn Du den Fokus nur auf eine Sache legst.

Ich mache selten eine ganze Woche Social Media Abstinenz, wohl aber mal an den Wochenenden und es ist spannend, wie mein Kopf sich dann ums Schreiben dreht, obwohl ich am Wochenende weder schreibe noch besonders viel lese.

 

Also Finger weg von

Social Media?

Um Himmels Willen, nein. Social Media ist toll. Wenn man die Nachteile kennt und seine eigenen Social Media

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Aktivität richtig einsortieren kann. Social Media ist toll zum Vernetzten und für den Austausch – wie ich schon gesagt habe, ich würde viele tolle Autoren gar nicht kennen, wenn es Twitter nicht gäbe.

Aber es ist wichtig, das richtige Verhältnis zwischen Social Media und Schreiben zu finden. Schreiben ist Dein Ziel, gute Bücher schreiben ist Dein Merkmal und dafür ist Social Media im besten Fall egal, in einigen oben aufgeführten Fällen sogar hinderlich.

Mir war es vor allem wichtig darauf hinzuweisen, dass ein Twitteraccount nicht der Heilsbringer für Bücherverkäufe ist. Mir wird zu viel einseitig auf das Medium Internet geguckt und zu viel versprochen, das womöglich so nicht Bestand hat.

Was also tun? Wir Autoren müssen uns überlegen, wie wir mit der begrenzten Ressource Zeit umgehen sollen. Wie wir es schaffen, den Großteil unserer Energie dahin zu lenken, wo sie hingehört – in unsere Bücher und trotzdem unsere Bücher platzieren.

Folgende Möglichkeiten solltest Du dabei in Betracht ziehen:

  • Vernetzen. Ich bin beispielsweise ein #BartBroAuthor. Wir haben ein Twitter und ein Instagram und ein Facebook Team. Dort werden immer wieder Bücher der Bros gepostet und beworben, ohne das ich selbst aktiv sein müsste. Das ist toll – durch das Zusammentun mehrerer Autoren können wir die „Last verteilen“.
  • Nutze den Point of Sale. Also Amazon, Hugendubel etc. Suche nach Wegen, wie Du dort präsent bist. Achte auf die passende Beschreibung Deines Buches, lies Dich ein. Das ist der Buchhändler, wo Dein Buch im Regal liegt. Sorge dafür, dass man es dort sehen kann.
  • Nutze Seiten wie Lesen.net – womöglich auch gegen Geld. Lesen.net hat eine große Leserschaft, die Interesse an Büchern hat.
  • Foren, Cons, Messen. Nicht meine persönliche Stärke, vor allem die Cons nicht. Den Nutzen von Foren kann ich noch nicht abschließend bewerten, aber so Dinge wie „Krimicouch“ sind sicherlich nicht uninteressant.
  • Leserunden bei Lovleybooks halte ich für eine gute Möglichkeit, mit Lesern in Kontakt zu kommen. Ich vermute allerdings, dass die Leser dort deutlich kritischer sind, als in deiner geliebten Twitterbubble.
  • Verlage. Ich weiß, Verlage sind uncool. Aber vielleicht haben sie doch ihre Vorteile.

Fazit

Social Media ist Fluch und Segen zugleich. Sie ist wahnsinnig nützlich, wird bisweilen überschätzt und ist schädlich für unsere Konzentration. Es geht nicht ohne auf Dauer, aber wir sollten sie so zielgerichtet wie möglich einsetzen, wenn wir nicht einfach nur Zerstreuung suchen – was ja auch mal in Ordnung ist. Autoren sollten sich nach neuen Wegen umschauen, wie sie ihre Kräfte bündeln und wie sie Content Marketing für sich nutzen können, um Leser zu erreichen.

Danke, dass Du bis zum Ende durchgehalten hast. Ich weiß, einen 5.000 Wörter Artikel zu lesen ist anstregend. Aber wenigestens weißt Du jetzt, wieso 🙂

Mir ist klar, dass einige von euch anderer Meinung sein werden als ich. Ich freue mich, eure Erfahrungen zu hören, auch die, die in eine völlig andere Richtung gehen und fände es schön, wenn Ihr dazu auch die Kommentarspalte meines Blogs nutzt.

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Trotz aller Kritik freue ich mich, wenn Du diesen Artikel in den Sozialen Netzwerken teilst.

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9 Comments

  1. Ricarda
    Juli 14, 2017

    Langer Artikel – das stimmt. Ich habe mehr gescannt als gelesen, auch weil es eigentlich zu spät ist für den Rechner. Aber so ist Social Media eben: Ich entdecke Themen, die ich nicht gesucht habe. Diese sind interessant und ich bin neugierig. Also klicke ich …

    Ich sehe Social Media ebenfalls zwiespältig. Mir ist das Schreiben wichtig, ebenso die Qualität der Texte. Gleichzeitig ist die Zeit begrenzt. Da wird mir der Social Media-Kram häufig zu viel. Es heißt, man solle Prioritäten setzen – wenn das so einfach wäre.

    Ich glaube, es war eine gute Idee, für mein externes Schreibzimmer kein Internet zu buchen. Dann muss nur noch das Smartphone in der Tasche bleiben … 😉

    Danke Bruno, für den ehrlichen Artikel!

    Schreibende Grüße, Ricarda

    Reply
    • Augenschelm
      Juli 16, 2017

      Hi Ricarda,

      Danke für Deine Meinung. Das man teilweise die Dinge nur an der Oberfläche scannt ist auch so eine Sache.

      Mir ist das alles nie aufgefallen, bis ich im April mein Aufgabengebiet gewechselt habe und nun sehr lange mit hoher Konzentration an einer Sache arbeiten muss… Und mich ständig selbst unterbrochen habe. Darauf hin kam die Recherche und schließlich dann dieser Artikel.

      Die Länge ist auch bewusst so gewählt. Hier kann jeder direkt feststellen, ob er/sie es überhaupt schafft, bis ans Ende zu gelangen 🙂

      Mir liegt es wirklich fern, SoMe zu verteufeln. Es war mir nur wichtig zu zeigen, dass es nicht nur alles toll ist.

      Lieben Gruß und schön, dass du dich auf meinen Blog verirtt hast 🙂
      Bruno

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  2. Kia Kahawa
    Juli 16, 2017

    5.000 Worte und viele Inputs später gebe ich hier auch mal meine zwei Cents dazu.

    Denn ich habe jetzt tatsächlich eine Woche lang die Zeit gestoppt, wie viel Zeit ich mit Social Media verbringe. Kurz dazu: „Marketing“ ist bei mir ein größeres Feld und nicht nur Social Media. Für mich gehört zum Marketing als Autor bzw. Selfpublisher auch Inbound Marketing, Content Marketing, Influencer Marketing, gffs. eine Möglichkeit wäre auch Outbound Marketing bei Facebook. Autoren und Selfpublisher haben so viel mehr Möglichkeiten als nur Social Media Marketing!

    Jedenfalls habe ich im Durchschnitt 26 Minuten täglich für Twitter und 9 Minuten täglich für alle anderen Kanäle aufgebracht. Das sind pro Woche drei Stunden Twitter und eine Stunde für den Rest (auf dem ich eigentlich gar nichts gepostet habe). Das fand ich schon recht krass dafür, dass ich aktuell nichts weiter mache, als zu interagieren und irgendwie ein paar Lebenszeichen abzugeben, ohne mir mit großen Gedanken und großer Mühe Aktionen, Content oder sowas auszudenken.

    Mich hat deine Rechnerei ziemlich geschockt. Durch meinen hohen Zeitaufwand und eine ähnlich hohe Followerzahl gehe ich mal Pi mal Daumen davon aus, dass sie für mich auch so ähnlich zutreffen.
    Ein verkauftes Buch pro 348 Tweets oder 130 Tage Non-Stop twittern (was bei meinen 182 Minuten wöchentlich übrigens exakt 20 Jahre sind !!!), um sich die Miete zu bezahlen (jedenfalls theoretisch). Das ist schon sehr krass. Toll, dass du den Lesern hier die Augen öffnest und zeigst, dass Social Media zum Networking, nicht zum Bücherverkaufen da ist.

    Vielen lieben Dank für den tollen Artikel! Ich empfehle dir fix noch per Mail ein Lesedauer-Plugin, das hätte ich gerne vorher abgeschätzt, dass es so lange dauert 😉 Und ich freue mich schon auf deinen nächsten Artikel.

    „Habe RESPEKT vor Deiner Zeit!“ – herrlich!

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    • Augenschelm
      Juli 16, 2017

      Die Zahlen sind natürlich Spielerei, weil weder die Umfrage noch die Aussagen wirklich belastbar sind. Mit einer guten ausgearbeiteten Kampagne ist vielleicht mehr drin.

      Benjamin (Spang) hat das zB recht gut gemacht durch und ist da für mich eher ein positives Beispiel, wie es auch gehen kann.

      Nichtsdestotrotz sollte das Schreiben einfach den Großteil der freien Zeit in Anspruch nehmen. Und mit freie Zeit meine ich, Zeit nach Familie, in meinem Fall.

      Ich fand ehrlich gesagt die Auswirkungen auf unsere Konzentration und den Fokus viel gravierender.

      Danke für deinen Beitrag liebe Kia.

      Liebe Leute, die ihr das hier lest: Kia hat übrigens auch einen sehr guten Blog, in den ihr mal reinlesen solltet.

      🙂

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  3. Finley
    Juli 16, 2017

    Sehr interessant – bin ausgerechnet über den BartBroAuthors-Twitter-Account auf diesen Blogpost gekommen, was deine These direkt mal bestätigt ^^
    Halte nicht oft so lange Posts durch, nur wenn sie sich mit dem Thema Schreiben beschäftigen und so gehaltvoll sind wie das hier.
    Und bei vielen Punkten musste ich gerade schon traurig zustimmen – ich komme immer mal wieder auf Blogposts von Autoren, aber ich habe noch nie einen Blog abonniert (weiß nicht mal, wie genau sowas dann aussieht und abläuft, ist ja keine klassische Social-Media-Plattform), und noch nie über diesen Weg ein Buch von jemandem gekauft, weil mich eben nur dieser Blogposts interessiert hatte. Genauso führen meine eigenen Social-Media-Aktivitäten kaum dazu, dass ich mehr Erfolg mit meinem kreativen Output habe, es ist höchstens so, dass mir Leute auf Twitter folgen, die meine Produktionen von alleine gefunden haben, gut fanden und beim Googlen herausgefunden haben, dass ich Twitter habe.
    Deswegen nutze ich Social Media mittlerweile nur noch zur eigenen Unterhaltung, obwohl, wie du auch gesagt hast, auch das wieder schlechte Auswirkungen hat. Allein, dass ich jetzt gerade hier sitze, und minutenlang diesen Kommentar tippe, statt an etwas „sinnvollem“ zu arbeiten, ist Beweis genug ^^
    Noch trauriger ist der Gedanke, dass mein Berufsweg mich wahrscheinlich eines Tages in den Social-Media-Management-Bereich von Unternehmen führen könnte, wo mich dann ständig die verhältnismäßige Sinnlosigkeit meines Tuns verfolgt. *Alptraumvorstellung*
    Also lieber weiter ans Schreiben setzen, um sein Leben nicht der allgemeinen menschlichen Zeitverplemperung durch Social Media, sondern der allgemeinen menschlichen Zeitverplemperung durchs Lesen zu widmen ;D

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    • Augenschelm
      Juli 16, 2017

      Hi Finley,
      danke für das tolle Kompliment. Wenn ich es geschafft habe, dich bei der Stange zu halten, obwohl du nicht gerne lange Beiträge liest, macht mich das direkt ein bisschen stolz! Danke für das tolle Feedback.

      So wie du es beschreibst, geht es mir auch. Ausnahmen sind ein paar Exoten und vorallem gute Blogs mit Schreibtipps – aber das ist es eben, wir können ja nicht alle immer nur Schreibtipps geben und uns unsere Bücher gegenseitig verkaufen.

      Selfpublisher müssen da irgendwie „weiter“ kommen.

      Ich drück dir für deinen beruflichen Werdegang die Daumen. Schreib einfach ein paar Bestseller, dann ist das Problem gelöst 🙂

      Lieben Gruß

      Bruno

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  4. Britta
    August 9, 2017

    Hallo Bruno,
    ein wirklich toller, toller Artikel! Da fällt mir kaum noch etwas zu ein 😉 Beruflich muss ich mich ebenfalls seit einigen Monaten mit Social Media auseinandersetzen. Vorher habe ich einen riesigen Bogen darum gemacht, aber ich bin froh, dass man mich gezwungen hat. Social Media ist ein großer Zeitfresser, aber es gibt einem auch als Autor die Möglichkeit über seine Außenwirkung nachzudenken. Plötzlich ist man nicht nur für sich, sondern muss sich erklären – sich als Person, genauso wie die eigenen Schreibprojekte .
    Ich glaube der wichtigste Rat ist, alle Kanäle auszuprobieren und sich dann auf seine Favoriten zu beschränken (1-2 Stück). Gerade als Autor ist man nicht immer gut drauf und das Umfeld kann das nicht immer nachvollziehen, was in so einem Schreibergehirn vor sich geht. Da ist es wirklich schön, auch mal Bestätigung von „Fremden“ zu bekommen oder über Social Media neue Menschen kennenzulernen, die eine Leidenschaft vereint.
    Wirklich kritisch sehe ich den Hinweis bzw. die Gefahr des „Zappens“. Das ist mir tatsächlich auch aufgefallen, dass ich mich, seit ich mich durch unzählige Blogs, Bilder und Pins arbeitete, weniger gut konzentrieren kann. Dein Artikel war da auch schon eine Herausforderung ;-). Ich finde es allerdings sehr gut, dass du dich kritisch mit diesem Thema auseinandersetzt, denn das ist wirklich berechtigt. Als Autor sollte man sich nicht nur den Aufwand vor Augen halten, sondern auch, wie lange die Tätigkeit nachwirkt. In Minuten, Stunden oder, wenn es lange dauert, Tagen ist der Hype so einer Social Media Aktion, an der man lange gesessen hat, verklungen. Ein Buch bleibt.
    Dennoch möchte ich die Erfahrungen der letzten Monate nicht missen. Es hat mich mutiger werden lassen, weil ich erfahren habe, wieviele Menschen wie ich mit Job, Familie, Schreiben und der Anerkennung als Autor kämpfen. Das ist die wirklich gute Seite, die soziale eben!

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  5. Lacuna
    Oktober 3, 2017

    Social Media nehmen sicher viel Zeit in Anspruch. Da es aber auch nicht mehr ohne geht, sollte man sich mehr Gedanken darüber machen, wie sie optimal genutzt werden können. Dazu gehört aber auch, dass man sich dort -im Beitrag schon kurz angesprochen- nicht vorrangig mit ‚Kollegen‘, sondern eben mit potentiellen Lesern umgibt.

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    • Augenschelm
      Oktober 4, 2017

      Ja, das ist richtig. Der bewusste Umgang ist entscheidend – also nutzt DU Social Media, oder nutzt Social Media Dich? Die Betreiber all dieser Seiten haben schließlich ein Interesse daran, Dich möglichst lange auf deren Seiten zu halten. Dessen sollte man sich bewusst sein.

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